Handball-Bundesliga

Gustavsson ist Torwart-Mentor des Bergischen HC

Björgvin Gustavsson ist für einen extrovertierten Stil und das Durchleben einer Bandbreite von Emotionen auf dem Handballfeld bekannt. Während er etwas ruhiger werden möchte, wünscht er sich von den BHC-Torhütern manchmal etwas mehr Energie.
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Björgvin Gustavsson ist für einen extrovertierten Stil und das Durchleben einer Bandbreite von Emotionen auf dem Handballfeld bekannt. Während er etwas ruhiger werden möchte, wünscht er sich von den BHC-Torhütern manchmal etwas mehr Energie.

Der Isländer findet seine beiden Schützlinge technisch überragend, aber manchmal zu nett.

Von Thomas Rademacher

Zwei Jahre bildete Björgvin Gustavsson gemeinsam mit Christopher Rudeck das Torhüter-Gespann beim Bergischen HC.

Die Position des Torhüters ist im Handball oft der Schlüssel zum Sieg. Das zeigt sich in der Bundesliga Woche für Woche. So biss sich der Bergische HC etwa an Daniel Rebmann von Frisch Auf Göppingen die Zähne aus und verlor auch deshalb mit 24:27. Beim BHC selbst war Tomas Mrkva einer der Garanten für das 25:25 gegen die Rhein-Neckar Löwen, Christopher Rudeck brachte beim 30:20-Erfolg zuletzt den SC DHfK Leipzig zur Verzweiflung. Keine Frage, wer Woche für Woche solche Leistungen zwischen den Pfosten bekommt, wird viele Spiele gewinnen. Um näher an dieses Ziel zu kommen, haben die Bergischen seit dieser Saison einen neuen Posten geschaffen: den Torwart-Mentor.

Der Verein verpflichtete dafür nicht irgendwen, sondern einen alten Bekannten: Björgvin Gustavsson hütete das Löwen-Gehäuse vier Saisons von 2013 bis 2017. Der Isländer ist nicht nur für große Paraden, sondern auch seinen extrovertierten Spielstil bekannt. Er lebt die Begegnungen und setzt alles daran, im Duell gegen den Schützen mental im Vorteil zu bleiben. Bei der WM 2019 kassierte er gegen den Bahrain drei Kopftreffer – er blieb nicht nur jedes Mal stehen, sondern legte nach dem dritten sogar ein kleines Freudentänzchen aufs Parkett. „Für mich ist Handball ein Kampfsport“, sagt Gustavsson. „Es geht auch darum, eine gewisse Präsenz zu zeigen. Der Gegner sollte schon ein wenig Angst davor haben, gegen den verrückten Isländer zu werfen.“

Diesen Schuss Extra-Aggressivität möchte Gustavsson den BHC-Torhütern Mrkva und Rudeck unter anderem vermitteln. „Meiner Meinung nach sind beide ein bisschen zu nett“, sagt er. „Sie haben unglaubliche Basics, sind technisch überragend, und wenn sie heiß sind, haben sie auch eine riesengroße Präsenz. Aber was passiert, wenn es nicht so gut läuft? Auch dann benötigen sie Selbstvertrauen und ein hohes Energie-Level.“

„Gerade in der Analyse der eigenen Leistung ist man selbst ein bisschen betriebsblind.“

Christopher Rudeck, BHC-Torhüter

Das beobachtet Gustavsson nicht immer bei den BHC-Schlussleuten. „Wenn man mal zwei dumme Bälle kassiert hat, ist es ganz wichtig, dass man sich vor Augen führt, die ganze Woche für genau diese Paraden gearbeitet zu haben. Ziel ist, das nötige Selbstvertrauen zu haben, um auch in solchen Situationen das Gefühl von Kontrolle bekommen“, erklärt der 36-Jährige. „Das bekommt man natürlich durch Erfahrung und Training, aber auch die Fähigkeit, nicht zu sehr im Spiel darüber nachzudenken – den Gegner nicht in seinen Kopf zu lassen, sondern am liebsten umgekehrt.“

Entscheidend sei dann gar nicht unbedingt die Quote, sondern die Tatsache, ob wichtige Paraden gelingen, die letztlich zu Punkten führen. Mit der Entwicklung von Mrkva und Rudeck ist Gustavsson im bisherigen Saisonverlauf zufrieden. „Christopher hat überragend angefangen, dann hat Tomas aufgedreht. Insgesamt sind sie als Duo sehr stabil.“ Inzwischen parieren beide mehr als 30 Prozent der Würfe aufs Tor, was insbesondere bei Rudeck eine Steigerung darstellt.

Damit es weiter in diese Richtung geht, bereitet Gustavsson mit dem BHC-Duo die Spiele nach und erarbeitet einen Matchplan für die nächste Aufgabe. „Mit den heutigen technischen Möglichkeiten geht das ganz bequem von Island aus“, sagt er. „Co-Trainer Markus Pütz arbeitet mit den Jungs dann vor Ort.“

Dass es vier Jahre nach seinem BHC-Abschied zu einem neuerlichen Engagement im Club gekommen ist, war natürlich kein Zufall. Über seinen isländischen Weggefährten Arnor Gunnarsson trat der Verein an ihn heran. „Da bin ich stolz drauf. Es ging ganz schnell. Im Sommer bin ich nach Deutschland geflogen, und wir sind uns schnell einig geworden“, erläutert Gustavsson, der bisher genauso zufrieden ist wie seine beiden Schützlinge: „Feedback von einem gelernten Torwart ist einfach unglaublich wichtig“, sagt Rudeck. „Gerade in der Analyse der eigenen Leistung ist man selbst ein bisschen betriebsblind. Bjöggi macht das richtig gut, weil man direkt etwas bekommt, das man umsetzen kann. Gleiches gilt für die Vorbereitung auf die nächsten Spiele.“

Hintergrund

Sportlich: Björgvin Gustavsson kam 2013 vom SC Magdeburg zum Bergischen HC, bei dem er vier Jahre blieb. Eine Zeit, die er als „großartig“ bezeichnet. Von dort ging es in die Heimat nach Island und wenig später für zwei Saisons zu Skjern Handbold (Dänemark) . Der Torhüter ist Stammkraft des isländischen Nationalteams.

Privat: Der 36-Jährige ist verheiratet mit Karen und hat vier Kinder: Emma (8), die Zwillinge Emilia und Einae (bald 4) und Eva (1). In Reykjavik hat Gustavsson ein Haus gekauft und sich mit seiner Familie dauerhaft niedergelassen. Im dortigen Verein Valur spielt er und ist zudem in der Administration tätig.

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