Handball

Gebeutelter BHC kommt deftig unter die Räder

Arnor Gunnarsson war einer von vielen BHC-Spielern, die sich an HSG-Torwart Till Klimpke die Zähne ausbissen. Immerhin von der Siebenmeter-Linie blieb der Isländer ohne Fehlversuch.
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Arnor Gunnarsson war einer von vielen BHC-Spielern, die sich an HSG-Torwart Till Klimpke die Zähne ausbissen. Immerhin von der Siebenmeter-Linie blieb der Isländer ohne Fehlversuch.

Handball-Bundesliga: Ohne Spielmacher funktioniert beim 17:27 (5:12) der Löwen gegen die HSG Wetzlar zu wenig.

Von Thomas Rademacher

Keine Chance hatte der Bergische HC im Nachholspiel gegen die HSG Wetzlar. Das lag nicht etwa daran, dass die Löwen das Handball spielen verlernt hätten, sondern an einem spürbaren personellen Aderlass. Ohne Linus Arnesson und Tomas Babak, also ohne gelernten Spielmacher, agierten die Gastgeber vor 1621 Zuschauern in der Klingenhalle im Angriff so unrund, dass sogar die beste Deckungsleistung die Niederlage nicht hätte abwenden können. Die Mittelhessen trugen völlig ungefährdet einen 27:17 (12:5)-Sieg davon.

Der personelle Aderlass war so groß, dass zwei Linkshänder im Rückraum agierten. David Schmidt (Foto) spielte gemeinsam mit Simen Schönningsen.

Im ersten Spiel, das aufgrund eines medizinischen Notfalls beim Stand von 19:21 in der Wuppertaler Unihalle abgebrochen worden war, hatten sich die Teams ein Duell auf Augenhöhe geliefert. Diesmal aber standen schon die Vorzeichen aus BHC-Sicht schlecht. Mit fünf fehlenden Handballern hatte Trainer Sebastian Hinze bereits während der Vorbereitung gerechnet, doch dann kamen kurzfristig auch noch Fabian Gutbrod und Linus Arnesson hinzu, so dass der BHC ohne Sieben antreten musste.

Diesen Nachteil konnten die Gastgeber zu keinem Zeitpunkt ausgleichen. Mit David Schmidt auf der Spielmacher-Position ging der BHC durch Alexander Weck im ersten Angriff in Front, und Tomas Mrkva parierte gleich die ersten beiden Bälle auf sein Gehäuse, doch danach übernahm Wetzlar die Kontrolle. Die Löwen-Deckung arbeitete zwar ordentlich, doch offensiv lief wenig zusammen. War es zunächst Simen Schönningsen, der drüber warf und dann bei einem Missverständnis mit Csaba Szücs den Pass nicht erreichte, hatten dann auch Tom Kare Nikolaisen, Alexander Weck und Sebastian Damm Pech bei Lattentreffern.

Dabei blieb es nicht. Je länger die Partie dauerte, desto besser kam HSG-Keeper Till Klimpke ins Spiel. Die Bergischen erarbeiteten sich nun zwar vermehrt auch hervorragende Gelegenheiten, scheiterten aber am Torhüter. Ob Arnor Gunnarsson, Weck oder Schmidt: Der Sieger hieß Klimpke, der in der ersten Hälfte zehn von 15 Würfen abwehrte. Der trotz der Umstände ernüchternde 5:12-Rückstand zur Pause war daher eine logische Folge, so dass die Hausherren schon zu diesem Zeitpunkt nicht mehr für einen Sieg in Frage kamen.

Hinze wechselte, soweit ihm das möglich war. Emil Hansson durfte auf der Rechtsaußen-Position ran und dankte es dem Coach mit dem Treffer zum 7:13. Zuvor hatte Csaba Szücs nach der schnellen Mitte getroffen. Als dann auch noch Weck und der ebenfalls eingewechselte Jeffrey Boomhouwer im erweiterten Tempospiel trafen, war ein 4:0-Lauf zum 9:13 perfekt, die Stimmung in der Klingenhalle zurück, und Gäste-Coach Benjamin Matschke musste eine Auszeit nehmen.

Der Schwung war daraufhin genauso schnell wieder weg, wie er gekommen war. Im gebundenen Angriff fehlte den Gastgebern gerade aus dem Rückraum die Durchschlagskraft. Das Fehlen der Führungsspieler war auch mit der Euphorie des Publikums im Rücken nicht zu kompensieren. Dazu bestraften die Wetzlarer die Fehler konsequent. 18 Minuten vor Schluss lagen die Bergischen bereits 10:20 hinten, womit es nur noch um Schadensbegrenzung ging.

Immerhin die gelang einigermaßen, auch wenn Klimpke immer wieder entscheidend eingriff. Der Torhüter behielt über das gesamte Spiel eine Fangquote von sensationellen 52,94 Prozent. Niedergeschlagen verabschiedete sich die Mannschaft von ihren treuen Fans. „Heute ist einfach vieles schief gelaufen“, sagte Abwehrchef Csaba Szücs, der natürlich auch wusste, was das Hauptproblem war: „Wir hatten vorher in der Kabine gesessen, um zu besprechen, wie wir spielen. In manchen Formationen haben wir noch nicht einmal zuvor trainiert.“ BHC-Geschäftsführer Jörg Föste nahm das Team in Schutz: „Aufgrund der Situation ist das Spiel nicht mit normalen Maßstäben zu messen und daher im Prinzip nicht zu werten, auch wenn es zwei Minuspunkte gibt.“

Rund um den BHC

Personal: Kurzfristig mussten die Löwen neben den vier bereits im Vorfeld bekannten Ausfällen (Tomas Babak, Max Darj, Yannick Fraatz, Maciej Majdzinski) auf drei weitere Spieler verzichten. Lukas Stutzke hatte sich gegen Erlangen eine Zerrung zugezogen, Kapitän Fabian Gutbrod leidet unter Rückenbeschwerden, Linus Arnesson erhielt aufgrund einer fiebrigen Erkältung keine Spielfreigabe.

Zuschauer: Zum vorerst letzten Mal galt beim BHC 3G. Die neue Verordnung schreibt 2G vor.

Lesen Sie auch: Die Stimmen zum Spiel

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