Handball

Gebeutelter BHC holt gegen Wetzlar den Titel

Alexander Weck fungierte im Finale des Linden-Cups als Spielmacher und wurfgewaltiger Schütze.
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Alexander Weck fungierte im Finale des Linden-Cups als Spielmacher und wurfgewaltiger Schütze.

Handball: Das Finale des Linden-Cups gewinnt der bergische Bundesligist mit neun Feldspielern 31:30 (13:13).

Von Thomas Rademacher

Hätte sich das Spektakel, das der Bergische HC im Finale des Linden-Cups gegen die HSG Wetzlar bot, in einem Meisterschaftsspiel der Bundesliga abgespielt, wäre von einer Sensation zu sprechen gewesen. In einem Vorbereitungsturnier bleibt es dennoch eine bemerkenswerte Vorstellung: Denn die Löwen besiegten den hoch eingeschätzten Liga-Konkurrenten mit nur neun Feldspielern – ohne Mittelmann und Rückraum-Linkshänder – 31:30 (13:13) und gewannen damit die beliebte Veranstaltung.

Die letzten Minuten der Begegnung fühlten sich wie die Crunchtime eines Ligaspiels an. Die Löwen hatten die ganze Zeit mit Wetzlar mitgehalten. Alexander Weck fungierte als Spielmacher, neben ihm wirbelte Rückraum-Ass Lukas Stutzke, der sieben Tore markierte. Um das Fehlen des rechten Rückraums auszugleichen, hatte Trainer Jamal Naji oft auf einen zweiten Kreisläufer gesetzt. All das war aufgegangen, so dass es kurz vor Schluss 23:23 stand. „Wir waren natürlich von der Taktik, die wir uns für Alex und Lukas überlegt hatten, überzeugt. Aber es war auch eine Zockerei mit immer wieder denselben Auftakthandlungen, die jedoch auch immer wieder funktioniert haben“, beschrieb Naji.

Stutzke und im späteren Spielverlauf auch Weck wurden sehr oft in gute Situationen gebracht, „die sie hervorragend gelöst haben“, meinte der Coach. „Das war schon stark.“ Und allerspätestens beim 23:23 glaubten wirklich alle an die Außenseiterchance. Naji coachte die Endphase augenscheinlich wie in der Meisterschaft. Zunächst sei es lediglich darum gegangen, das Turnier mit einem guten Gefühl zu beenden. Aber: „Als wir dann gemerkt haben, dass wir das Ding gewinnen können, wollten wir es unbedingt“, beschrieb der 36-Jährige.

Es funktionierte: Weck ließ es drei Mal in Folge zum 26:24 krachen, Isak Persson erhöhte, und in der Folge hatte die Mannschaft auf jedes Gegentor eine Antwort. Insbesondere Noah Beyer übernahm gegen die offensive Manndeckung, die Wetzlar in der Schlussphase an den Tag legte, Verantwortung und erzielte die entscheidenden Treffer auf dem Weg zum 31:30 – was ihm auch die Trophäe als Torschützenkönig des Linden-Cups (22 Treffer) einbrachte.

Verletztenliste wird immer länger

Der Turniersieg war durchaus eine Überraschung. Die HSG Wetzlar hatte ihre Partien gegen den TV Hüttenberg und ASV Hamm klar gewonnen, während sich die Bergischen am Freitagabend gegen die Hammer schwertaten und nur knapp ein 27:27 ins Ziel brachten. „Da haben wir direkt nach der Pause denselben Fehler zu oft gemacht“, meinte Naji. Einen zwischenzeitlichen Sechs-Tore-Rückstand holten die Löwen aber wieder auf und verpassten in der Schlussphase die Chance zum Sieg.

Bereits in diesem Duell waren die Bergischen mit einer dünnen Personaldecke angetreten. Die schon etwas länger ausfallenenden Djibril M'Bengue, Csaba Szücs und Fabian Gutbrod fehlten sowieso. Dazu hatte sich im ersten Turnierspiel Linus Arnesson das Außenband im Sprunggelenk angerissen, und auch Yannick Fraatz fiel angeschlagen aus. Als gegen Wetzlar auch noch Tomas Babak (Leistenprobleme) und Simen Schönningsen (Ellenbogenprellung) hinzukamen, sanken die Chancen eigentlich auf ein Minimum. „Schlüssel zum Sieg war, dass wir unheimlich diszipliniert agiert und in Kombination mit beiden Torhütern extrem gut verteidigt haben“, urteilte Naji und hofft, dass bald einige Spieler zurückkehren. Definitiv noch etwas länger fehlen wird nur Fabian Gutbrod. „Sicher bin ich, dass zum Saisonstart ein paar Handballer mehr dabei sind“, betonte der Coach.

BHC gegen Wetzlar: Rudeck, Johannesson; Beyer (11/4), Stutzke (7), Weck (4), Bergner (3), Nothdurft (2), Ladefoged (2), Persson (2), Nikolaisen, Gunnarssson

Rund um den Bergischen HC

Partner: Die Solinger Firma Walbusch unterstützt auch in der neuen Saison den BHC. Das Modeunternehmen ist Team-Partner bei den Profis und Premium-Partner im Nachwuchs. Seit geraumer Zeit engagiert sich Walbusch bereits als Fashion-Partner des THW Kiel sowie des deutschen Nationalteams.

Ausblick: Die letzten BHC-Tests vor dem Bundesliga-Auftakt finden im Bergischen statt. Am Freitag geht es am Remscheider Neuenkamp gegen HC Motor Saporischschja (19 Uhr). Sonntag steigt um 18 Uhr die offizielle Saisoneröffnung gegen Champions-League-Teilnehmer Pick Szeged in der Klingenhalle.

Kommentar von Thomas Rademacher: Bewertung fällt schwer

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Vorige Saison trat der BHC ohne Spielmacher gegen die HSG Wetzlar an und war beim 17:27 chancenlos. Beim Linden-Cup fehlten gegen denselben Gegner nun nicht nur alle Spielmacher, sondern auch alle Rückraum-Linkshänder.

Alex Weck und Lukas Stutzke waren die einzigen gelernten Rückraumspieler, die überhaupt zur Verfügung standen. Trotzdem hat der Handball-Bundesligist mit 31:30 gewonnen.

Ja, es ist noch Vorbereitung, und deshalb fällt die Bewertung schwer. Aber man fragt sich doch, was das Team mit voller Kapelle leisten kann. Bleibt die Hoffnung, dass dieser Zustand zügig wieder erreicht wird.

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