Handball

Eine spektakuläre Aufholjagd mit Seltenheitswert

Für Sebastian Hinze war es ein anstrengender Arbeitstag an der Seitenlinie. Auch sein Beharren auf einer 5:1-Abwehrvariante führte den Bergischen HC zum Sieg. Foto: Christian Beier
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Für Sebastian Hinze war es ein anstrengender Arbeitstag an der Seitenlinie. Auch sein Beharren auf einer 5:1-Abwehrvariante führte den Bergischen HC zum Sieg.

Handball-Bundesliga: Der Bergische HC macht während seiner besten Phase sieben Minuten kein Tor – und gewinnt trotzdem.

Es war ein außergewöhnliches Spiel, das der Bergische HC gegen die TSV Hannover-Burgdorf mit 25:23 (11:15) gewonnen hat. Nicht nur, weil die Löwen zwischen der 43. und 59. Minute einen 9:1-Lauf aufs Feld zauberten. Oder während dieser Aufholjagd sogar eine siebenminütige Torflaute verkraftet haben. Oder Christopher Rudeck bei einer Fußabwehr direkt ins gegnerische Gehäuse traf. Sondern auch, weil der BHC mit einer 5:1-Deckung gegen Hannoveraner agierte, die auf das taktische Mittel des siebten Feldspielers setzten. Ein Blick auf die Besonderheiten eines denkwürdigen Handballabends:

Die Initialzündung

Beim Treffer zum 16:20 wurde Linus Arnesson von Bastian Roscheck hart im Gesicht erwischt. Der Schwede war benommen, stand aber nach einer Behandlungspause auf und übernahm sofort wieder seinen Posten als vorgezogener Spieler der 5:1-Deckung, auf die der BHC in der zweiten Halbzeit fast durchgängig setzte. Da Roscheck ohne Rote Karte davonkam, dürfte sich die Wut der Löwen schon an dieser Stelle ein wenig gesteigert haben. Als Christopher Rudeck aber den frei vom Kreis abschließenden Jonathan Edvardsson entschärfte und die Kugel vom Fuß des Torhüters direkt ins gegnerische Tor flog, spürte wohl jeder: Hier geht noch was. „Spontan würde ich sagen, dass ich eine solche Parade schon mal gesehen habe. Aber ich erinnere mich nicht, wann das war. Es ist jedenfalls eine absolute Seltenheit“, meinte Trainer Sebastian Hinze.

Das defensive Mittel

„Es war toll zu sehen, dass die Mannschaft da war, obwohl gute 40 Minuten fast nichts in unserem Sinne funktioniert hatte“, fand Hinze. Emil Hansson und Lukas Stutzke verkürzten auf 19:20. Gäste-Trainer Christian Prokop nahm seine letzte Auszeit. Er setzte weiter darauf, seinen Torhüter zugunsten eines siebten Feldspielers auszuwechseln. Mit dem Mittel hatte er es zuvor bereits versucht. Dies führt fast immer dazu, dass der Gegner zurück in eine 6:0-Abwehrvariante geht. Nicht so der BHC, der in der 5:1-Variante blieb und Hannover damit zusehends entnervte. „Wenn Linus Arnesson beziehungsweise Tomas Babak so decken, wird es schnell dunkel, auch wenn es freie Anspielstationen gibt“, lobte Hinze insbesondere seine beiden offensiven Abwehrspieler. Die Verteidigung jedenfalls funktionierte bis zum Schluss inklusive einiger weiterer guter Rudeck-Paraden, aber auch vieler erzwungener gegnerischer Fehler. Die Hannoveraner kamen offensiv überhaupt nicht mehr klar, so dass Prokop später sagte: „Ich habe schon immer mal wieder geguckt, ob ich nicht doch noch eine grüne Karte habe.“ Hatte er aber nicht. Seine Auszeiten waren aufgebraucht.

Das zähe Aufholen

Damit war es eigentlich angerichtet für den BHC. Doch nach ihrem 19. Tor blieb die Mannschaft mehr als sieben Minuten ohne weiteren Treffer. Beim Stand von 19:21 liefen die Löwen mehrere Male an, scheiterten aber immer wieder am schier unfassbaren Domenico Ebner. Seine Doppelparade gegen Emil Hansson und Jeffrey Boomhouwer, die jeweils aus sechs Metern warfen, hätte ein normales Bundesligaspiel entschieden. Doch dies war eben kein normales Bundesligaspiel. Mit der Sicherheit der Abwehr im Rücken überstanden die Bergischen die Torflaute nahezu unbeschadet. Als Max Darj zunächst per Heber und dann grandios freigespielt zwei Treffer in Folge zum 21:21 erzielte, war der Bann gebrochen. „Das emotionale Momentum war damit endgültig auf unserer Seite. Plötzlich hatte Hannover alles zu verlieren, und wir konnten nur noch gewinnen“, sagte Hinze. Linus Arnesson provozierte zwei Ballverluste der TSV. Kurz danach war der 9:1-Lauf zum Sieg perfekt.

Die Erkenntnis

„Es lief nicht plötzlich alles aus einem Guss. Aber wir hatten 20 Minuten eine überragende Abwehrstabilität“, analysierte der Coach. „Für die Mannschaft ist es eine wichtige Erkenntnis, dass sie Rückstände aufholen kann, wenn sie dran bleibt und bis zum Schluss daran glaubt, dass noch etwas passieren kann.“ Das wäre in dieser Form noch vor wenigen Monaten nicht möglich gewesen. In ihrer schwächsten Saisonphase tendierten die Löwen dazu, sich nach negativen Erlebnissen mental einzugraben. Das ist jetzt kein Thema mehr, so dass die Dinge, die nicht funktioniert haben, in den Hintergrund geraten. Hinze: „In der Analyse werden wir natürlich auch darüber sprechen, dass unser Tempospiel nicht auf dem üblichen Niveau war. Aber jetzt sollen es die Jungs auch genießen.“

Rund um den BHC

Training: Am Wochenende hat die Mannschaft frei, ab Montag beginnt eine Trainingswoche, die Coach Sebastian Hinze etwas individueller auf einzelne Spieler ausrichten möchte. Das nächste Bundesligaspiel findet erst am 26. März in Wetzlar statt.

Nationalteams: International unterwegs sind Tomas Babak, Tomas Mrkva (Tschechien), Jeffrey Boomhouwer (Niederlande) sowie Simen Schönningsen und Tom Kare Nikolaisen (Norwegen). Sie befinden sich auf Lehrgängen ihrer Nationalteams.

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