Handball

Eine emotionale Achterbahnfahrt liegt in der Luft

Februar 2020: Jeffrey Boomhouwer triumphiert nach seinem 27:27. Archivfoto: Kurt Kosler
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Februar 2020: Jeffrey Boomhouwer triumphiert nach seinem 27:27.

Handball-Bundesliga: Der Bergische HC empfängt am Samstagabend die TSV Hannover-Burgdorf – das spricht für Dramatik.

2020 ist der Bergische HC zwei Mal auf die TSV Hannover-Burgdorf getroffen. Im bisher letzten Spiel mit Zuschauern in der Klingenhalle gewannen die Löwen am 23. Februar vor ausverkaufter Kulisse 28:27, in Hannover bejubelten sie am 22. Oktober ein 30:30. Beide Bundesliga-Begegnungen waren emotionale Achterbahnfahrten mit einem Happy End für den BHC, der jeweils die letzten drei Tore erzielte. Im Heimspiel gelang dies binnen zweieinhalb Minuten, auswärts dauerte es nur 70 Sekunden. „Das war unglaublich“, erinnert sich Linksaußen Jeffrey Boomhouwer. „So etwas habe ich schon mal im Fernsehen gesehen, aber ich war noch nie live dabei. Solche Spiele bleiben für immer im Kopf.“ Das weiß auch Trainer Sebastian Hinze, der die Aufzeichnung in der Vorbereitung auf das nächste Duell gegen die Hannoveraner noch einmal hervorgeholt hat. Am Samstagabend um 18.30 Uhr sind die Recken in der Wuppertaler Unihalle zu Gast.

Oktober 2020: Tomas Babak tanzt die Hannoveraner Abwehr zum 29:30-Anschluss aus. Fortsetzung Samstag?

„Ob das 30:30 mein emotionales Saisonhighlight war, kann ich nicht sagen, aber es kam schon unerwartet, dass wir dort noch einen Punkt geholt haben. Es war ein verloren geglaubtes Spiel“, sagt Hinze. „Uns ist es weitgehend nicht gelungen, ideal zu spielen, während Hannover sehr gut aufgetreten ist.“ Große Stärke damals wie heute: die spanisch geprägte Abwehr. Das von Carlos Ortega gecoachte Team setzt auf eine sehr schwer zu bespielende Deckung, die immer wieder Passwege angreift und den gegnerischen Angriff vor neue Aufgaben stellt. „Daraus kommen sie erfolgreich ins Tempospiel. Wenn es ihnen gelingt, ihre Leistung auf die Platte zu bringen, sind sie sehr schwer zu schlagen“, weiß der BHC-Coach.

„Da hat sich das Beachvolleyball-Training ausgezahlt.“

Jeffrey Boomhouwer, BHC-Außen

Die Vorstellungen der Recken sind in dieser Spielzeit aber durchwachsen. Starke Partien wechseln sich mit schwachen ab. Zuletzt lief es wieder gut beim Tabellenzehnten. Drei gute Leistungen in Wetzlar beziehungsweise gegen Nordhorn und Melsungen brachten der Mannschaft vier Punkte ein. „Im Endeffekt ist Hannover auf jeder Position überragend besetzt“, weiß Hinze um die Qualität des unter anderem mit Fabian Böhm gespickten Kaders. Der Rückraumspieler, der vor neun Jahren eine Saison beim BHC absolviert hatte, war vor Weihnachten verletzt, hat sich aber wieder erfolgreich zurückgemeldet. Weitere Leistungsträger sind Linkshänder Ivan Martinovic (81 Tore) und Spielmacher Alfred Jönsson (66). Beide sind mit 43 beziehungsweise 41 Assists auch hervorragende Vorbereiter – unter anderem für Kreisläufer Ilija Brozovic, der auch im Deckungszentrum eine entscheidende Rolle spielt.

Statistisch auffällig: Hannover kassiert wenige Gegentore (99) aus neun oder mehr Metern, wurde aber schon 179 Mal aus der Rückraum-Nahdistanz überwunden – was Höchstwert in der Bundesliga ist. Zu dieser Bilanz trug im Hinspiel übrigens Tomas Babak bei. Der Tscheche war Aktivposten der letzten Sekunden, traf doppelt nach der Schnellen Mitte – ein Mal nach einer sensationellen Körpertäuschung mit anschließendem Durchbruch an den Kreis.

Waren die Löwen beim 30:30 nicht in Topform, haben sie diese in den beiden jüngsten Spielen gegen Balingen und Lemgo nahezu erreicht. „Die Abwehr war beide Male der Schlüssel zum Sieg“, weiß Jeffrey Boomhouwer. „Wenn es im Angriff mal hakt, können wir immer noch über schnelle Gegenangriffe zum Erfolg kommen.“ Bei einem davon gelang dem Niederländer gegen Balingen die spektakulärste Aktion des Tages mit einem volleyballähnlichen Notpass auf Max Darj. „Da hat sich das Beachvolleyball-Training in Melsungen ausgezahlt“, sagt der 32-Jährige scherzhaft, weil bei seinem Ex-Team im Trainingslager stets viel Wert darauf gelegt wurde. „Da war fast mehr Beachvolleyball- als Handballtraining.“

Rund um den Bergischen HC

Kristian Nippes: Der Solinger befindet sich aktuell wieder beim BHC im Profitraining. Eigentlich hatte der 33-Jährige im vorigen Sommer seine Karriere beendet, doch aufgrund der Personalsituation im rechten Rückraum könnte er für den Fall der Fälle bereitstehen. „Die Idee ist, dass er fit ist, wenn wir ihn bräuchten“, sagt Trainer Sebastian Hinze. „Wir haben noch 19 Spiele, da kann vieles passieren.“

Tomas Mrkva: Der Torhüter ist wieder ins Training eingestiegen. Sollte er keine Probleme bekommen, wird er am Samstag wohl spielen.

Jeffrey Boomhouwer: Der Niederländer ist glücklich über seine Vertragsverlängerung: „Ich fühle mich sehr geschätzt hier.“

Bilanz: 15 Mal ist der BHC bisher auf Hannover getroffen. Wenn die Löwen am Samstag gewinnen, wäre die Bilanz ausgeglichen. Derzeit sind es sechs Siege, zwei Unentschieden und sieben Niederlagen.

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