Handball

Ein Erfolg für das Löwen-Selbstvertrauen

Frederik Ladefoged überzeugte nicht nur im Innenblock der Deckung, sondern bewies auch im Abschluss Treffsicherheit. Der dänische Zugang erzielte vier Tore.
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Frederik Ladefoged überzeugte nicht nur im Innenblock der Deckung, sondern bewies auch im Abschluss Treffsicherheit. Der dänische Zugang erzielte vier Tore.

Der Bergische HC behält beim 28:25 (15:14) in Minden in der entscheidenden Phase die Nerven.

Von Thomas Rademacher

Mit großer Spannung wurde der Auftakt in die neue Bundesliga-Saison beim Bergischen HC erwartet. Wie würde sich die auf sieben Positionen veränderte Mannschaft im ersten Pflichtspiel unter dem neuen Trainer Jamal Naji präsentieren? Hatte in der Vorbereitung die Deckung nicht immer wie gewünscht funktioniert, brachten die Löwen diese Stärke bei GWD Minden von Anfang an auf die Platte. Ballgewinne und Paraden sowie daraus folgende Konter waren nicht nur Garant für die 15:14-Halbzeitführung, auch nach der Pause war die Verteidigung sowie Torhüter Christopher Rudeck entscheidend für den 28:25-Erfolg.

Die Startaufstellung hielt mit Blick auf die Vorbereitung keine Überraschung bereit. Naji entschied sich für Rudeck zwischen den Pfosten, den Innenblock bildeten Lukas Stutzke und Tom Kare Nikolaisen. Simen Schönningsen erhielt offensiv den Vorzug vor Djibril M'Bengue, der erst kurz vor dem Saisonstart wieder fit wurde. Dies änderte sich allerdings bereits früh. Nachdem der Norweger einen Fehlpass und einen Schrittfehler fabriziert hatte, schickten ihn die Unparteiischen für zwei Minuten auf die Bank, weil er den Ball nicht ordnungsgemäß abgelegt hatte. M'Bengue übernahm in der Folge auch offensiv im rechten Rückraum.

Dies änderte allerdings nichts an einer etwas mauen Durchschlagskraft des bergischen Positionsangriffs. Über den Kreis lief es Ende der ersten Halbzeit etwas besser, doch insgesamt leisteten sich die Gäste viele Fehlwürfe, Ballverluste und auch das eine oder andere Offensivfoul. So gelang es nicht, Profit aus der starken Abwehr- und Torhüterleistung zu ziehen. Rudeck parierte mehrere Male glänzend, Linus Arnesson kam bei Mindener Pässen oft dazwischen. Das daraus resultierende Tempospiel funktionierte gut. Und auch die schnelle Mitte nach Gegentoren setzten die Löwen unheimlich beherzt um – allen voran Lukas Stutzke, der viel Durchsetzungsvermögen zeigte.

Der 15:14-Vorsprung fiel angesichts der gefühlten Überlegenheit zu gering aus. Doch auch nach Wiederbeginn schafften es die Bergischen gegen dezimierte Mindener – Mohamed Darmoul hatte sich verletzt – nicht, dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken. Im gebundenen Angriff war GWD-Schlussmann Malte Semisch zum Beispiel für M'Bengue und Arnesson Endstation. Tom Kare Nikolaisen traf aus sechs Metern nur die Latte. Dazu hagelte es technische Fehler. Hektik war nun in der Begegnung, und spätestens nach Tomas Urbans 21:19 für Minden war hitzige Heimspiel-Atmosphäre in der Kampa-Halle hergestellt.

„Eine solche Situation übersteht nicht jede Mannschaft“, sagte ein erfreuter Rudeck später. „Das kann uns Selbstvertrauen geben.“ Um die Saisonpremiere zu gewinnen, musste die Deckung halten. Und das tat sie. Einem Ballgewinn folgte ein Gegenstoß von Isak Persson. Der schwedische Zugang wurde gefoult, zog dabei zwei Minuten, Linus Arnesson verwertete den Siebenmeter. Beim nächsten GWD-Angriff hielt Rudeck und warf den Ball gleich selbst ins leere Tor. Dieser Impuls ließ die Partie erneut kippen. Der Keeper hielt nun noch mehrere Male überragend, und Noah Beyer erzielte die entscheidenden Treffer – inklusive spektakulärem Dreher zum 26:22 trotz Foul. „Es ist unfassbar wichtig, dass wir zurückgekommen sind“, fand Lukas Stutzke, betonte aber auch: „Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass wir besser sind.“

BHC macht sich im gebundenen Angriff das Leben schwer

Lukas Stutzke durchbrach mehrere Male mit enormer Dynamik die noch nicht wieder komplett aufgestellte Mindener Deckung in der zweiten Welle.

Von Thomas Rademacher

Es hat ein Mal mehr funktioniert. Seit dem Wiederaufstieg zur Saison 2018/19 hat der Bergische HC alle Auftaktspiele in der Handball-Bundesliga gewonnen. Nach Ludwigshafen, Nordhorn, Magdeburg und Lübbecke trug die Mannschaft nun auch bei GWD Minden den Sieg davon. Das 28:25 (15:14) sorgte für Zufriedenheit bei allen Beteiligten, wenn auch längst nicht alles funktionierte. „Wir müssen uns noch deutlich verbessern, um bei den nächsten schweren Aufgaben Punkte zu holen“, meinte Torhüter Christopher Rudeck.

Schwachpunkt des BHC-Spiels war der Positionsangriff. „Hier haben wir einige technische Fehler zu viel gemacht“, sagte Geschäftsführer Jörg Föste. „Besonders im zweiten Abschnitt haben wir uns das Leben schwer gemacht – was dazu geführt hat, dass wir nicht höher gewinnen konnten.“ Erklärbar sei der Rückschritt im Vergleich zu den offensiv oft überzeugenden Testspielen, wie Trainer Jamal Naji betonte: „Da kommt eine psychologische Komponente hinzu. Unter Druck in der lauten, hektischen Halle sind wir in alte Muster verfallen.“ So gelang es nicht immer, die Würfe zu kreieren, die den größtmöglichen Erfolg versprechen. „Das wollen wir am Mittwoch gegen Hannover besser machen.“

Umgekehrt war das Verhältnis Testspiel zu Saison im Deckungsbereich. In der Vorbereitung war vom BHC-Prunkstück selten etwas zu sehen gewesen, in Minden erstrahlte es in gewohntem Glanz. „45 Minuten machen wir das wirklich sehr gut“, fand Naji. Und Föste lobte: „Wir haben eine sehr hohe Abwehrqualität gesehen. Tom Kare Nikolaisen ist ein Meister seines Faches, Lukas Stutzke hat es auch sehr gut gemacht.“ Aber einer bekam noch ein Sonderlob: „Fred Ladefoged hat bewiesen, dass er ein ganz wichtiger Zugang für uns ist. Er hat ein herausragendes Spiel gemacht.“

Dass die Partie in der zweiten Halbzeit nicht zugunsten von GWD kippte, stimmte die Verantwortlichen besonders zufrieden. „Wir haben uns nicht mit der Eventualität des Scheiterns befasst“, sagte Naji. Und Föste? Der habe nie am Sieg gezweifelt. Auch nicht bei 19:21 in Minute 45.

Hintergrund

Personal: Bis auf Fabian Gutbrod (Knieverletzung) und Csaba Szücs (Sehnenriss am Fuß) trat der BHC in Minden komplett an.

Ex-Trainer: Sebastian Hinze, von 2012 bis 2022 beim BHC im Amt, legte mit seinem neuen Team einen Fabelstart in die Saison hin. Der Rhein-Neckar Löwen besiegten die MT Melsungen mit 36:25.

Standpunkt von Thomas Rademacher: Starker Auftritt

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Nein, glanzvoll war das erste Spiel des neuen Bergischen HC unter Cheftrainer Jamal Naji nicht. Doch es war dennoch ein starker Auftakt. Der Handball-Bundesligist präsentierte sich in der Breite seines Kaders überzeugend und hatte den dünn besetzten Mindenern auch hier entscheidend etwas voraus.

Vor allem aber war keine Unsicherheit zu spüren, als die Partie einen Punkt erreichte, in der in der vorigen Saison sehr oft eine Niederlage folgte. Nervenstärke zeigten auch die Zugänge – allen voran Noah Beyer, der in der entscheidenden Phase unheimlich cool traf. Das macht Lust auf mehr.

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