Handball

Dezimierte HSG spielt desolaten BHC an die Wand

Jeffrey Boomhouwer lässt sich von einem Gegenspieler aufhelfen. Der Bergische HC bekam bei der HSG Wetzlar kein Bein auf den Boden. Foto: Mathias M. Lehmann
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Jeffrey Boomhouwer lässt sich von einem Gegenspieler aufhelfen. Der Bergische HC bekam bei der HSG Wetzlar kein Bein auf den Boden.

Handball-Bundesliga: Beim 22:30 (10:14) in Wetzlar fehlte den Löwen alles, was es zum Gewinnen braucht

Aus Wetzlar berichtet Thomas Rademacher

18 Minuten vor Schluss nahm Sebastian Hinze im Auswärtsspiel gegen die HSG Wetzlar bereits seine letzte Auszeit. Der Bergische HC lag 13:22 hinten. Nichts, aber auch gar nichts deutete darauf hin, dass sich dies noch einmal ändern könnte. Und genauso klang auch die Ansprache des Trainers an seine Mannschaft, der nur noch einforderte, die letzten 18 Minuten für unbekümmerten Handball zu nutzen. „Kopf frei jetzt“, sagte der 42-Jährige. Immerhin das gelang einigermaßen. Das Spiel plätscherte emotionslos seinem Ende entgegen. Grund zur Freude hatte nur die HSG Wetzlar, die die Löwen beim 30:22 (14:10) ohne Rückraum-Linkshänder komplett an die Wand gespielt hatte.

Einen blutleeren Auftritt dieser Art hat der Bergische HC in jeder Saison. Doch dies war nun schon der zweite. Um genau zu sein, sogar der zweite in diesem Mai. Am 13. unterlag der BHC 22:28 bei den Eulen Ludwigshafen – eine Partie, in der sich die Mannschaft relativ einfach ergab, als sie eine schlechte Phase hatte. In Wetzlar hingegen sahen die BHC-Handballer von Anfang wie Verlierer aus. So waren die Löwen auf einen starken Lenny Rubin bei der HSG eingestellt. Doch anders als gegen Juri Knorr oder Christoffer Rambo, die die Truppe im Minden-Spiel gut unter Kontrolle bekommen hatte, konnte sich der Schweizer voll entfalten. Rubin erzielte sechs der ersten neun Wetzlarer Treffer und feuerte die Kugel dabei auch über den sonst so starken BHC-Innenblock.

Der wirkte aber nicht nur deshalb müde. Immer wieder brachen die Gastgeber auch an den Kreis durch und kamen frei gegen Tomas Mrkva zum Abschluss. Der tschechische Schlussmann in BHC-Diensten entschärfte zwar sieben Bälle in der ersten Halbzeit, doch um das Spiel eng zu halten, hätte er eine so überwältigende Leistung wie gegen Minden drei Tage zuvor benötigt. Die gelang weder dem Keeper noch irgendeinem anderen BHC-Handballer.

Jeffrey Boomhouwer war der einzige Löwe, der im Angriff in der ersten Halbzeit alle Bälle versenkte und mehr als nur ein Mal auf das Wetzlarer Gehäuse warf. Auch er vergab nach der Pause noch einen Siebenmeter – was aber nur eine weitere Kleinigkeit in einer langen Liste von Unzulänglichkeiten beim BHC war. Im Angriff funktionierte fast nichts. Teilweise mühte sich die Mannschaft gegen die etwas ungewöhnliche Wetzlarer Deckung, manchmal hatte sie gute Würfe, verfehlte aber das Tor völlig, in anderen Situationen scheiterte sie an HSG-Torhüter Till Klimpke.

„Das war von vorne bis hinten und zurück eine desolate Leistung von uns.“

Fabian Gutbrod, BHC-Kapitän

„Das ist dann einfach zu schlecht, um in der Liga zu punkten“, stellte BHC-Geschäftsführer Jörg Föste klar. „Es war ein Abend zum Vergessen.“ Positiver fielen die Analysen anderer Führungskräfte auch nicht aus. „Das war von vorne bis hinten und zurück eine desolate Leistung von uns“, haderte Kapitän Fabian Gutbrod, der dafür auch keine Erklärung parat hatte. Nach der suchte auch Trainer Sebastian Hinze: „Bei uns war schnell eine große Unzufriedenheit da, so dass wir früh nur noch mit uns selbst beschäftigt waren.“

Durch die Bank wirkten die Handballer indisponiert. Tomas Babak zum Beispiel kam mehrere Male frei zum Abschluss, verfehlte aber das Gehäuse. David Schmidt wirkte unheimlich gestresst und genervt. Der ehrgeizige Linkshänder traf drei Mal, benötigte dafür aber neun Versuche – einige seiner Würfe waren ganz einfache Beute für Klimpke. Dass sogar der sonst unermüdliche Max Darj müde aufspielte und sich kaum positiv auszeichnen konnte, stellt freilich eine Seltenheit dar. Dass dies beim – sogar mit Abstand – schwächsten Saisonauftritt geschah, passt aber letztlich auch ins Bild.

„Wir haben uns das selber eingebrockt. Der Kritik müssen wir uns jetzt stellen“, haderte Hinze. „Das war natürlich ein ganz bitteres Spiel, aber wir müssen daraus lernen. Am Mittwoch gegen Minden hatten wir uns verdient, mit einem Lachen aus der Halle zu gehen. Diesmal haben wir verdient, dass wir sauer sind.“

Personal

Da Tom Kare Nikolaisen seinen Magen-Darm-Infekt überstanden hat und zurück in den Kader konnte, standen Sebastian Hinze 18 Spieler zur Verfügung. Der Trainer verzichte auf Daniel Fontaine und Tom Bergner. Fontaine wäre vierter Rückraum-Rechtshänder gewesen, Bergner dritter Kreisläufer. Verletzt sind nach wie vor Yannick Fraatz und Maciej Majdzinski.

Meinung: In der Formkrise

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Thomas Rademacher

Es war wirklich nicht schön anzusehen, was der Bergische HC beim 22:30 in Wetzlar gezeigt hat. Natürlich wollten die Handballer auch in dieser Bundesliga-Begegnung alles geben, doch der Frust wurde schnell so groß, dass an einen leidenschaftlichen Kampf gegen den Kontrahenten nicht mehr zu denken war. Es sah dann mehr nach einem Hadern mit sich selbst und der allgemeinen Glücklosigkeit aus. Keine Frage, der Auftritt war ein Rückschritt beim Bemühen, die gute Form wiederzufinden. Und er ist natürlich schlecht für den Kopf, der dem Team zuletzt ohnehin immer wieder Probleme gemacht hatte. Das Selbstvertrauen scheint völlig im Keller zu sein.

Was bleibt? Die Frage, was passiert wäre, wenn die Mannschaft Ende März nicht in Quarantäne hätte gehen müssen. Zu dem Zeitpunkt war sie in Topform. Nun stehen noch sieben Spiele innerhalb von vier Wochen aus. Das könnte zäh werden. Es ist der Truppe zu gönnen, dass sie ihre Formkrise überwindet. Sonst steht sie am Ende der Saison unter Wert da.

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