Handball-Bundesliga

Der Bergische HC steht vor einer spannenden Reise

Linus Arnesson steht stellvertretend für die BHC-Steigerung: Gegen Hannover lief wenig, gegen Stuttgart ließ er sich auch von Fehlern nicht beeindrucken. Foto: Mathias M. Lehmann
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Linus Arnesson steht stellvertretend für die BHC-Steigerung: Gegen Hannover lief wenig, gegen Stuttgart ließ er sich auch von Fehlern nicht beeindrucken.

Handball-Bundesliga: Der Saisonstart ist mit 6:2-Punkten geglückt, der Traum von der Arena lebt – das ist Stand der Dinge bei den Löwen.

Von Thomas Rademacher

Mit 26:25 (12:10) hat der Bergische HC den TVB Stuttgart geschlagen. Es war der dritte Sieg im vierten Bundesligaspiel. Im Vorfeld der Saison hatte Geschäftsführer Jörg Föste sechs Punkte aus den ersten fünf Partien definiert, um von einem gelungenen Saisonstart zu sprechen. Das erste Etappenziel ist also bereits vor der anstehenden Auswärtsaufgabe bei Frisch Auf Göppingen am kommenden Donnerstag (19.05 Uhr) erreicht worden. Zudem hat das Hallenthema eine neue Dynamik bekommen. Ist der Blick in die BHC-Zukunft also rosig? Oder trügt der Schein?

Die Erleichterung

„Solche Siege sind die schönsten“, meinte Föste mit Blick auf das hart umkämpfte 26:25. Und auch sonst herrschte allgemeine Erleichterung, nachdem die Mannschaft mit ihrem Auftritt bei der TSV Hannover-Burgdorf (20:28) unzufrieden gewesen war. „Wir wollten unbedingt zeigen, dass wir von Anfang an da sind“, sagte Spielmacher Linus Arnesson. „Das ist uns gelungen. Wir haben gegen Stuttgart verdient gewonnen, die Torhüter- und Abwehrleistungen waren gut, aber mein Gefühl war auch, dass wir es am Ende etwas zu spannend gemacht haben.“

Die Defizite

Die Löwen haben natürlich noch Luft nach oben. „Es gab schon Situationen, in denen Stuttgart auch spät blockt, in denen wir den Pass weiterspielen müssen“, analysierte Trainer Sebastian Hinze. Stattdessen aber warfen die BHC-Rückraumspieler extrem häufig in den Block. Insgesamt sind zehn blockierte Bälle in der Spielstatistik verzeichnet – alle aufseiten der Stuttgarter. Samuel Röthlisberger kam alleine fünf Mal dazwischen. „Trotzdem konnten wir damit umgehen“, fand Arnesson. „In Hannover lief bei mir zum Beispiel gar nichts, da hatte ich schnell ein schlechtes Gefühl. Gegen Stuttgart waren Fehler dabei, aber die können passieren. Das Gefühl war gut, ich habe einfach weiter gemacht.“ Etwas mutlos wirkte der BHC phasenweise im Tempospiel. Zum Beispiel bot sich Jeffrey Boomhouwer im Gegenstoß eine Chance. Er brach aber lieber ab, anstatt das Risiko in Kauf zu nehmen, am noch nicht gut positionierten Gegenspieler vorbeizuziehen. Eine zweischneidige Entscheidung.

Die Matchwinner

Max Darj erzielte die letzten vier Tore der Partie und war damit Mann des Abends. „Es war überragend, wie er die Bälle verarbeitet und verwertet hat. Er hat sich auch die Zeit beim Schuss genommen, obwohl er sicher sehr müde war“, lobte Sebastian Hinze seinen Kreisläufer und Abwehrchef. „In der knappen Schlussphase waren wir viel ruhiger, als es das Ergebnis auf der Anzeigetafel vermuten lässt“, fand Arnesson und nannte damit einen weiteren Grund für den Erfolg, den neben Deckung und Torhütern auch Tomas Babak mit einer tollen Spielsteuerung in der Schlussphase möglich machte.

Die Stimmung

Die 1320 Fans sorgten für einen echten Klingenhallen-Moment, doch es waren eben auch etwa 300 weniger als noch gegen den HSV Hamburg elf Tage zuvor. Mit der Zurückhaltung des Publikums müssen fast alle Bundesligisten zurechtkommen. Jörg Föste ist daher froh, dass im nächsten Heimspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen am 10. Oktober eine bürokratische Hürde fällt. Die Tickets müssen nicht mehr personalisiert werden. Der Geschäftsführer hofft, dass dies auch bei den Spielen im Bergischen Land danach so sein wird. „Es ist generell möglich“, sagt er. „Wir sind zuversichtlich, dass wir bald wieder in die Normalität hineinkommen.“

Die Zukunft

Sportlich sorgen die 6:2-Punkte für ein wenig Entspannung, die aber durch zwei Erfolge gegen die beiden (inzwischen siegreichen) Aufsteiger auch ein wenig relativiert werden – zumindest noch. Um häufiger gegen etablierte Bundesligisten zu gewinnen, ist eine Steigerung nötig und möglich. Dass das Team von Erfolgserlebnissen zehrt und dadurch ein leistungsförderndes Selbstverständnis entwickeln kann, hat es beispielsweise in der vorigen Saison eindrucksvoll bewiesen. Spannend ist die BHC-Reise aber nicht nur mit Blick auf ein Jahr, sondern vor allem langfristig. Das Thema rund um die Errichtung einer modernen Arena ist aktueller denn je. Nach ST-Informationen soll auf dem Klingenhallen-Grundstück unter Beibehaltung des Schwimmbades eine neue Sportstätte errichtet werden. Es gibt zig Fragen, aber noch wenige Antworten. Dass Wuppertals Stadtkämmerer Johannes Slawig einräumte, dass sich Wuppertal nicht in der Lage sehe, an Investitionskosten für einen dortigen Standort zu beteiligen, sorgte offenbar für Irritationen. So sagt Föste: „Wir haben uns mit allen Beteiligten darauf verständigt, dass die beiden Oberbürgermeister ein Statement abgeben – und sonst niemand. Daran halten wir uns.“ Gleichwohl bestärkte der BHC-Geschäftsführer, dass sich der Club noch in diesem Monat umfänglich äußern werde. Ob und welche Städte an einem Pressegespräch beteiligt sind, sei noch offen. „Derzeit sind die Gespräche hinter den Kulissen intensiv. Es gibt jeden Tag einen neuen Sachstand.“

Klingenhalle

Dass die 2500 Zuschauer fassende Sportstätte langfristig keine Zukunft hat, wird nicht nur durch den Sanierungsstau unterstrichen. „Jedes Heimspiel ist ein Kraftakt“, betont BHC-Geschäftsführer Jörg Föste. „Man kann auch die Uhr danach stellen, wann solche Hallen für die Bundesliga nicht mehr zugelassen werden.“

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