Handball-Bundesliga

Mit Podcast: Den Bergischen Löwen fehlen ein paar Prozent

Lukas Stutzke kam nach seiner überragenden Leistung gegen Lemgo in Stuttgart nicht richtig in Schwung. Das galt auch für die meisten seiner Mitspieler. Foto: Mathias M. Lehmann
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Lukas Stutzke kam nach seiner überragenden Leistung gegen Lemgo in Stuttgart nicht richtig in Schwung. Das galt auch für die meisten seiner Mitspieler.

Der BHC unterliegt beim TVB Stuttgart mit 26:27 (12:15).

Von Thomas Rademacher

In den letzten Minuten des Bundesligaspiels beim TVB Stuttgart läuft viel für den Bergischen HC. Die Gäste haben auf eine offensiv ausgerichtete 4:2-Abwehr umgestellt und die Schwaben damit sehr nervös gemacht. Adam Lönn und Co. verlieren den Ball mehrere Male leichtfertig, dazu dreht Tomas Mrkva in der Schlussphase im BHC-Gehäuse auf. Zwar reagiert Stuttgarts Coach Roi Sanchez, indem er auf den siebten Feldspieler umstellt, doch auch diese taktisch kluge Idee verpufft, weil seine Mannschaft völlig von der Rolle ist. Die Folge: Der BHC hat unverhofft noch die Riesenchance auf einen Punkt – in einem Spiel, in dem er nie eine gute Form erreicht hat. Tatsächlich aber dürfen nach 60 Minuten die Stuttgarter aufatmen – denn in einem entscheidenden Moment sind sie es, die das Glück auf ihrer Seite haben und letztlich 27:26 (15:12) gewinnen.

Arnor Gunnarsson, der vier Minuten vor Schluss noch mit einem Wurf ins leere Tor auf 24:26 verkürzt hatte, vergab die Großchance zum Anschluss nur Momente später. Der Isländer visierte nach einem Ballgewinn wieder das verwaiste Gehäuse an, traf aber nur die Latte. Was für ein Dämpfer – beziehungsweise, was für ein Glück für den TVB, für den die Zeit spielte. Das 25:26 gelang zwar noch spät durch Jeffrey Boomhouwer, doch Patrick Zieker beendete eine achtminütige Stuttgarter Tor-Durststrecke mit dem entscheidenden Treffer zum 27:25 20 Sekunden vor Schluss.

„Wir haben es zu selten spielerisch gelöst.“

Sebastian Hinze, BHC-Trainer

„Kämpferisch waren wir 60 Minuten da“, analysierte Sebastian Hinze. Doch der BHC-Trainer wusste auch: „Die 100 Prozent haben wir lange nicht erreicht. Mit Tempospiel und Rückzug bin ich einverstanden, aber wir hatten insgesamt nicht so gute Beine wie in den drei Heimspielen zuvor.“ Völlig misslungen waren die ersten zehn Minuten, in denen sich das Team viele technische Fehler leistete und Stuttgart damit zum Kontern einlud. „Das haben wir stabilisiert bekommen, nur hatten wir trotzdem nicht die Geschwindigkeit im Angriff, die wir gebraucht hätten.“

Ein 2:6 nach acht Minuten holten die Gäste dennoch auf und glichen die Partie in der 24. Minute durch Jeffrey Boomhouwer beim 11:11 erstmals aus. Die Wende gelang aber nicht. Halbzeitübergreifend setzten sich die Schwaben wieder auf sechs Treffer ab. „Das Abwehr-Torhüter-Paket war nicht das Gewohnte“, fand Hinze. „Wobei ich in der Analyse gar nicht so unzufrieden mit der Verteidigung bin, wie ich es direkt nach dem Spiel war. Ich glaube, wir haben in den drei Heimspielen zuvor jeweils überragend gedeckt. Weil es diesmal nicht ganz so gut war, hat es sich sofort für alle schlecht angefühlt.“

Der eigentlich so starke Max Darj ließ sich jedoch tatsächlich ungewohnt häufig auswackeln, und Torhüter Mrkva ließ gerade zu Beginn einige Bälle passieren, die normalerweise zu seiner Beute gehören. „Was sicher auch Wirkung gezeigt hat, waren lange Stuttgarter Angriffe, die wir eigentlich gut verteidigen, am Ende aber doch noch das Tor kassieren“, meinte Hinze. Den Ärger über diesen Misserfolg trug die Mannschaft das eine oder andere Mal mit in den Angriff, wo sie die Tore dann erzwingen wollte. „Wir haben es zu selten spielerisch gelöst“, sagte der Coach. War zuletzt so viel über die Breite gelaufen, versuchten es die Löwen in Stuttgart zu krampfhaft durch die Mitte.

Die Enttäuschung über die Niederlage war bei allen Beteiligten nicht zu verbergen. Aber die Leistung war nicht ansatzweise mit der der sportlichen Krise im November oder Dezember 2021 zu vergleichen. Hinze: „Wir haben Stabilität ausgestrahlt, auch ohne die 100 Prozent zu erreichen. Kämpferisch passte es, und unsere mentale Stärke werden wir weiterentwickeln.“

Individuell überzeugen fast nur die Stuttgarter

Rund um den BHC

Personal: Christopher Rudeck stand zwar wieder auf dem Spielberichtsbogen, hatte aber nach überstandener Corona-Infektion noch keine Freigabe erhalten. Außerdem fehlten Yannick Fraatz (Corona) als auch – wie erwartet – David Schmidt (Oberschenkelverletzung) und Fabian Gutbrod (Schulterprobleme).

Ausblick: Drei von vier BHC-Aufgaben im März sind knackig. Es geht mit Magdeburg, Berlin und Wetzlar gegen die Top-Fünf der Bundesliga.

Kommentar: Der Start als Schlüssel

Von Thomas Rademacher

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Das 26:27 (12:15) des Bergischen HC beim TVB Stuttgart war ein Rückschritt. So viel steht fest. Die Mannschaft wirkte offensiv verkrampft, versuchte es zu sehr mit der Brechstange über die Mitte, so dass die schwäbische Abwehr phasenweise glänzen durfte. Doch woran liegt das? Gerade die Tatsache, dass der BHC in den drei Heimspielen zuvor über ganz weite Strecken stark agiert und die volle Breite des Spielfeldes genutzt hatte, gibt Anlass zu der Frage. Die Starts in die Begegnungen könnten Schlüssel sein. Beim 33:27 gegen Göppingen führten die Löwen 7:3 und 15:6, beim 24:26 gegen Rekordmeister Kiel lagen sie 6:2 vorn, und der TBV Lemgo lief bei seiner 27:32-Niederlage in der Klingenhalle zügig einem 2:7 hinterher. Auftakte wie diese sorgen für Selbstvertrauen. Das gilt auch für Profis. Wenn die Abwehr steht und die ersten offensiven Aktionen gelingen, kommen eben auch in kritischen Phasen keine Zweifel auf. In Stuttgart war es anders. Der BHC begann mit einem Haufen Fehler, lag 2:6 hinten und bekam auch nicht über die diesmal eher mäßige Deckung die nötige Sicherheit. Mental ist also sicher noch Luft nach oben.

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