Handball

Für Max Darj wird die WM (fast) zum Wintermärchen

Max Darj (oben) feiert den Einzug ins Finale der Handball-WM. Von Ägypten haben die Schweden übrigens wenig gesehen – zumindest durften sie ein Mal zu den Pyramiden. Foto: imago
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Max Darj (oben) feiert den Einzug ins Finale der Handball-WM. Von Ägypten haben die Schweden übrigens wenig gesehen – zumindest durften sie ein Mal zu den Pyramiden.

Der Kreisläufer des Bergischen HC spielt mit Schweden ein herausragendes Turnier – und belohnt sich mit Silber.

Von Thomas Rademacher

Es war ein Termin, den sich viele Handballfans freigehalten hatten. Am späten Sonntagnachmittag wurde das Finale der Weltmeisterschaft in Ägypten zwischen Schweden und Dänemark angepfiffen. Mit dabei: Max Darj vom Bergischen HC. Daher haben wohl auch viele Löwen-Fans eingeschaltet, um mit dem Kreisläufer zu fiebern. Der hatte ein unglaubliches Turnier absolviert. „Nicht nur Max, sondern sehr viele schwedische Spieler haben über die gesamte Veranstaltung ihr höchstes Level erreicht“, sagt BHC-Trainer Sebastian Hinze, der sich das Spektakel natürlich auch nicht entgehen ließ. „Neutral habe ich das Finale nicht geschaut. Ich hätte mich sehr gefreut, wenn Schweden sich mit Gold gekrönt hätte.“

Neun Partien absolvierte die Mannschaft zwischen dem 14. und 31. Januar. Erst im Finale kassierten sie beim 24:26 gegen die Dänen eine Niederlage. „Das ist immer noch ärgerlich“, findet Max Darj auch ein paar Tage nach seiner Rückkehr ins Bergische Land. „Ich bin stolz auf unser Team, das ein so langes Turnier so erfolgreich absolviert hat. Dann wollten wir natürlich auch unbedingt Weltmeister werden. Da kann ich mit Silber nicht zufrieden sein.“

Vor drei Jahren hatte Darj – damals auch Linus Arnesson, der diesmal auf eine Teilnahme verzichtete – schon EM-Silber geholt. „Das hat sich anders angefühlt, weil Spanien damals in der zweiten Halbzeit einfach besser war“, sagt Darj über das 23:29. „In Ägypten waren wir im Finale auf Augenhöhe. Das macht es ärgerlicher. Aber klar: In ein paar Jahren kann ich vielleicht zurückblicken und vor allem den Gewinn der Silbermedaille sehen.“

Spielerisch hätten die Schweden den WM-Titel verdient gehabt. Die Truppe funktionierte von Anfang an als Kollektiv. „Wir haben die einfachen Dinge wirklich gut gemacht, ein Konzept gehabt und das Spiel für Spiel gezeigt. Das ist vor allem deshalb überragend, weil wir kaum gemeinsame Zeit zur Vorbereitung hatten. Auf dieser Gesamtleistung können wir für kommende Turniere aufbauen“, ist sich der 29-Jährige sicher.

„Da tun ein paar Tage auf dem Sofa gut.“
Max Darj, BHC-Kreisläufer nach neun WM-Spielen in 18 Tagen

Nach ebenso erwarteten wie klaren Erfolgen gegen Nordmazedonien und Chile setzten die Schweden durch ein 24:23 gegen Ägypten das erste Ausrufezeichen. „Nach dem Sieg waren wir wirklich alle überzeugt, dass wir ein großes Turnier spielen können. Das war ein echter Boost für unser Selbstvertrauen.“ Es folgte eine Aufholjagd gegen Weißrussland, die im 26:26 endete, ein weiteres Remis gegen Slowenien und, als die Schweden unbedingt gewinnen mussten, um ins Viertelfinale einzuziehen, ein 34:20 über Russland.

„Das Abwehr-Torwart-Paket hat bei Schweden früh funktioniert“, analysiert Hinze. Dass Darj daran großen Anteil hat, war in allen Partien sichtbar. Wie beim BHC stand der Kreisläufer im Deckungszentrum und zeigte das Format eines Anführers. „Er hat es überragend gelöst“, lobt Hinze seinen Spieler. „Zudem war es das erste Mal, dass er seine Qualitäten im Timing auch offensiv nutzen durfte. Spielmacher Jim Gottfridsson hat sich hervorragend auf Max eingestellt.“

Für Darj entwickelte sich die WM mehr und mehr zum Wintermärchen – aus mannschaftlicher und persönlicher Sicht. „Wir waren ohne große Erwartungen angereist“, berichtet Darj. „Wir haben einfach geschaut, was passiert. Dass es dann so läuft, war Wahnsinn.“ Problemlos gewannen die Schweden das Viertelfinale gegen Katar, in überwältigender Manier überrumpelten sie Frankreich mit 32:26 in der Vorschlussrunde. „Am Titelgewinn hat uns dann Niklas Landin gehindert, der in den letzten 15 Minuten außergewöhnlich für Dänemark hielt. Und in der Deckung wollten wir dann zu viel und haben ein paar blöde Gegentore bekommen.“ Stolz ist er trotzdem. „Weil wir nicht nur ein Mal gut gespielt haben, sondern neun solide Leistungen in 18 Tagen gezeigt haben.“

Am Montag kehrte Darj bereits nach Solingen zurück, doch ins BHC-Training ist er bisher noch nicht wieder eingestiegen. Eine fünftägige Quarantäne ist zwingend. „Etwas Pause brauche ich aber auch, um wieder runterzukommen. Für den Kopf waren die 18 Tage in Ägypten wirklich anstrengend. Da tun ein paar Tage auf dem Sofa gut“, sagt der Handballer.

Ein erster Corona-Test in Deutschland war bereits negativ. Geplant ist, dass Darj am Sonntag oder Montag wieder einsteigt, um bei der Vorbereitung auf GWD Minden (Donnerstag, 19 Uhr in Lübbecke) dabei zu sein. „Ich freue mich darauf, dass die Bundesliga weitergeht“, betont Darj, der es als Privileg ansieht, Handball spielen zu dürfen. „Ich hoffe, dass wir die Saison normal durchmachen können. Es ist meine Arbeit, mein Leben.“ Dazu gehören inzwischen auch die regelmäßigen Testungen auf das Virus. „In Ägypten hatten wir die täglich. Man gewöhnt sich daran.“

Max Darj

Karriere: Bis zu seinem Wechsel nach Deutschland trat der gebürtige Göteborger ausschließlich in Schweden an. Von 2009 bis 2017 war er für Alingsas HK tätig und wurde 2014 mit dem Team schwedischer Meister.

Max Darj präsentiert die Medaille, die er sich nach dem intensiven Turnier in Ägypten umhängen durfte. Es ist bereits sein zweites Silber mit der Nationalmannschaft nach der EM 2018.

In seiner letzten Saison in der Heimat wurde er als wertvollster Defensivspieler der Liga ausgezeichnet.

Bergischer HC: Seit Sommer 2017 spielt der Kreisläufer für die Löwen. Darj schlug von Anfang an voll ein, etablierte sich nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga auch auf höchstem Level. Bekannt ist der 29-Jährige vor allem für seine defensiven Qualitäten, doch auch offensiv hat er sich beim BHC erheblich gesteigert.

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