Handball-Bundesliga Saison 2021/22

BHC: Von Ballpumpe bis Wasserschlepper - das sind die Mannschaftsämter

Arnor Gunnarsson vom BHC sitzt mit Ball und Pumpe auf der Bank.
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Gibt die Pumpe nicht ab: Arnor Gunnarsson hat das Amt, um das ihn viele seiner Mannschaftskameraden beneiden. Der dienstälteste BHC-Spieler trägt die Verantwortung für die Ballpumpe.

Bei der Vergabe der Mannschaftsämter haben es die Ältesten am leichtesten, während die Jüngsten das Wasser schleppen müssen. Von Eis und Harz bis Kaffee, Kasse und Musik.

Von Thomas Rademacher

Es gibt Handball-Profis beim Bergischen HC, die gehen in der Ausübung ihres Mannschaftsamtes ein wenig auf. Christopher Rudeck gehört dazu. Der Torhüter ist Kassenwart aus Leidenschaft. Seine Mitspieler behaupten oft, dass er sich diebisch freut, wenn er mal wieder eine Strafe kassieren darf. Damit dies gelingt, behält Rudeck freilich auch den Überblick, wer bei den Bergischen welches Amt ausführt – denn: Das Vergessen kostet. Die Vergabe verläuft hierarchisch. Der Älteste wählt zuerst, der Jüngste zuletzt. Wir verschaffen einen Überblick – jeweils mit Rudecks Erläuterungen.

Csaba Szücs (34 Jahre, Leibchen, vorher Daniel Fontaine): Vorige Saison hatte der Abwehrspezialist und Umschaltspieler noch die Kaffeemaschine unter seinen Fittichen. „Aber es hat ihn genervt, das Ding vom Trainingszentrum zu den Heimspielen mitschleppen zu müssen. Deshalb hat er es abgegeben.“ Nun kümmert sich Szücs um das Waschen der Leibchen, die das Team zum Beispiel beim Fußball im Training benötigt. „Dieses Amt gehörte eigentlich immer Max Darj, bevor ihm vergangene Saison Daniel Fontaine zuvorkam. Nach Daniels Wechsel hätte es Max sicher gerne wieder gehabt, doch daraus wurde nichts.“ Der Aufwand hält sich für Szücs in Grenzen: Die Waschmaschine befindet sich im Trainingszentrum.

Mannschaftsämter beim BHC: Gunnarsson pumpt, Boomhouwer bringt Shampoo mit

Arnor Gunnarsson (33, Ballpumpe, wie bisher): „Hätte Csaba die Ballpumpe genommen, hätte Arnor sich vom Handballsport abgemeldet. Das hat er sich einfach nicht getraut.“ Das stetige Mitführen der Pumpe, um sie im Bedarf herauszuholen, dürfte die einfachste Aufgabe von allen sein, die Rechtsaußen Gunnarsson inzwischen seit vielen Jahren souverän meistert.

Jeffrey Boomhouwer (33, Creme, Öl und Shampoo, wie bisher): Der Linksaußen kümmert sich um die Reinlichkeit. Creme und Öl zum Säubern der Hände müssen immer ausreichend vorhanden sein, gleiches gilt für Shampoo. „So schwierig sollte es nicht sein, aber Jeffrey ist kein Organisationstalent. Bevor er zur Nationalmannschaft gefahren ist, hatte er vergessen, die Vorräte aufzufüllen. Das kann kostspielig werden.“ Denn das Nicht-Ausführen eines Amtes kostet zehn Euro. „Pro Tag! Wenn man eine Woche weg ist, läppert es sich. Aber er war ja mal bei der MT Melsungen. Da sollte er genug angespart haben.“

Gutbrod kümmert sich um Kultur, Arnesson um Taktiktafel samt Magneten

Fabian Gutbrod (33, Kultur, wie bisher): Der Kapitän ist dafür zuständig, Mannschaftsabende oder andere Aktivitäten zu organisieren. Zudem soll er seinen Mitspielern auf Auswärtsfahrten die Orte etwas näherbringen. „Aufgrund der Pandemie konnte er vorige Saison nichts Größeres planen. Ich bin gespannt, wie es dieses Jahr läuft.“ Auf den Fahrten jedoch ließ „Gudi“ seiner Kreativität freien Lauf. „Er gibt sich große Mühe, schreibt sogar Gedichte über die Regionen, in die wir fahren.“ Auch das eine oder andere Quiz hat der Rückraum-Rechtshänder schon vorbereitet.

Tomas Mrkva (32, Harz, wie bisher): Das Lieblingshilfsmittel aller Handball-Profis, um den Ball zu kontrollieren, hat der Torhüter stets dabei. Sobald die Vorräte knapp werden, bestellt er nach. „Das macht er völlig souverän.“

Linus Arnesson (31, Taktiktafel, wie bisher): Manchmal ist die Taktiktafel, die Trainer Sebastian Hinze zur Verfügung haben möchte, ein wenig sperrig, doch prinzipiell hält sich auch hier der Aufwand in Grenzen. Spielmacher Arnesson ist seit Jahren des Trainers Ansprechpartner – auch die zugehörigen Magneten hat der Schwede stets dabei.

App für Termine: Darj ist kein Technikfuchs

Max Darj (29, Trainingspläne, Geburtstage und Tickets, vorher Bergner): Für Spieler mit viel Smartphone-Erfahrung und Organisationstalent ist die Aufgabe reizvoll. Der schwedische Kreisläufer muss alle Trainingstermine in eine App eintragen, die Mannschaft über bevorstehende Geburtstage informieren und Tickets für Angehörige bestellen. „Ich bin gespannt, wie zuverlässig er das macht, denn für technisch sehr versiert halte ich ihn nicht. Für Max war entscheidend, dass er ein Amt bekommt, das am Spieltag nicht zusätzlich belastet.“ Das hat er bekommen, doch der Aufwand ist nicht gering.

David Schmidt (27, Bier, wie bisher): „David ist der beste Bierwart, den ich je erlebt habe. Er hat es sogar geschafft, über private Kontakte ständig irgendwelche Kisten zu bekommen.“ Der Rückraum-Linkshänder muss sich grob gesagt darum kümmern, dass Bier bei den richtigen Anlässen vorhanden ist. Dass dies gelingt, ist durch einen speziellen Strafenkatalog gewährleistet: Fängt zum Beispiel ein Torhüter den geworfenen Ball, kostet es den Schützen eine Kiste Bier. Schmidt verwaltet diesen Katalog und fordert die Sünder zum geeigneten Zeitpunkt zur Einlösung der Schulden auf.

Tomas Babak (27, Hausmeister, vorher Renars Uscins): Im Trainingszentrum ist der tschechische Spielmacher dafür zuständig, dass das Licht ausgemacht wird, Handtücher bereit liegen, diese gewaschen werden und einige andere organisatorische Kleinigkeiten. Er trägt auch Sorge dafür, dass Bus und Kabine sauber hinterlassen werden.

Christopher Rudeck (26, Kasse, wie bisher): „Es hat wohl kein anderer Lust dazu, und bei mir läuft es eben auch gut.“ Am Ende der vorigen Saison habe der Torhüter ein wenig Milde walten lassen, inzwischen ist er zurück mit alter Autorität. Jedes zu späte Erscheinen und zahlreiche andere Vergehen werden kleinlichst geahndet und sanktioniert. Eine Regelverschärfung gibt es beim Fußball, dem seitens der Profis sehr ernst genommenen Aufwärmprogramm vor jedem Training: „Team Jung war einfach zu schlecht.“ Niederlagen mit mehr als einem Tor sind künftig teurer.

Sebastian Damm (26, Eis, wie bisher): Der Linksaußen sorgt dafür, dass die Kühlpads vorhanden und vor allem kalt sind. „Vor dem Training muss er jedes Mal in den zweiten Stock, weil dort die Eismaschine ist. Das ist schon ein bisschen mühsam, aber er scheint da seine Routine zu haben.“ Damm führt das Amt zuverlässig aus.

Schönningsen hat´s mit der Musik nicht gerade leicht - bei Rap scheiden sich die Geister

Simen Schönningsen (25, Musik, vorher Darj): Der norwegische Zugang stellt Playlists zusammen und muss die teameigene Musikbox immer dabei haben. „Max hat es vorige Saison nicht gerade überragend gemacht, bei Simen ist es bisher nicht außergewöhnlich gut, aber soweit okay. Man kann es eh nicht allen recht machen.“ So mögen einige junge Spieler deutschen Rap. „Sowas wird von Csaba direkt ausgemacht.“

Maciej Majdzinski (25, ohne Amt): Der Rückraum-Linkshänder ist noch dabei, seinen Kreuzbandriss auszukurieren. Er ist daher aktuell zu wenig bei der Mannschaft, so dass er von der Ausübung eines Amtes (noch) verschont wird.

Emil Hansson (25, Physiobank, vorher Nikolaisen): Der schwedische Rechtsaußen muss nicht nur die etwas sperrige Physiobank dabei haben. „Unser Physiotherapeut Severin Feldmann hat auch noch einige andere Gerätschaften, um die es sich zu kümmern gilt. Zudem gibt es manchmal zusätzliche Aufträge.“ Der Aufwand für den Zugang ist also vielleicht etwas größer, als er bei der Auswahl des Amtes gedacht hat.

Nikolaisen muss die Kaffeemaschine säubern

Tom Kare Nikolaisen (23, Kaffee, vorher Szücs): Dass das Amt vom Ältesten zu einem der jüngeren Spieler gewandert ist, zeigt, dass der Transport der Maschine mit Stress verbunden ist. „Zudem muss ja auch immer Nachschub an Kaffeebohnen da sein, und der Automat muss hin und wieder gereinigt werden.“ Zumindest trinkt der norwegische Kreisläufer auch selbst gerne Kaffee.

Lukas Stutzke (23, Video und Zeitungen, vorher Babak): Der Rückraumspieler hat angekündigt, zu den Auswärtsfahrten keine DVDs mehr auszuleihen, sondern modernere Mittel – wie Netflix-Streaming – zu nutzen. „Ich bin gespannt, wie das wird, denn technisch ist das eine große Herausforderung.“ Zudem muss Stutzke Magazine und Zeitungen mitbringen. „Das Solinger Tageblatt und die Westdeutsche Zeitung haben wir selbstverständlich abonniert.“

Yannick Fraatz (22, Auswärtsspiel-Essen und Tassen, vorher Stutzke): Nach den Auswärtsspielen muss der Rechtsaußen die Essensboxen zurück zum Lieferanten nach Wuppertal bringen. „Yannick wohnt in Wuppertal, deshalb ist das vielleicht ganz praktisch.“ Zusätzlich nimmt die Mannschaft aus Gründen der Nachhaltigkeit Keramik-Kaffeetassen zu den Spielen im Bus mit. „Die muss er mit nach Hause nehmen und in die Spülmaschine packen.“

Joonas Klama (21, Wasser, vorher Fraatz): Eigentlich bleibt die Aufgabe, die Wasserkästen zu tragen, immer an den beiden jüngsten Spielern hängen. Doch wie im Vorjahr Fraatz, hat diesmal Torhüter Joonas Klama einer anderen Option das Wasser vorgezogen.

Tom Bergner (21, Bälle, vorher Majdzinski): „Es wundert mich, dass das Amt so lange übrig geblieben ist.“ Der Ballsack befindet sich im Trainingszentrum und muss lediglich jeweils zu den Spielen mitgenommen werden. „Man muss nur aufpassen, dass man die Bälle im Winter nicht über Nacht im Auto lässt, aber ansonsten ist das doch eigentlich eine machbare Aufgabe.“ Kreisläufer Tom Bergner spielt nicht nur beim BHC, sondern hat auch ein Zweitspielrecht für Zweitligist Tusem Essen. „Wenn er nicht bei uns ist, muss er sich Hilfe für die Bälle organisieren.“

Alexander Weck (20, Wasser, wie bisher): Der Rückraum-Rechtshänder hatte keine Wahl mehr. Er musste – wie bisher immer – das Wasser nehmen. Das ist lästig, aber er dürfte inzwischen an die zusätzliche körperliche Betätigung gewöhnt sein.

Tobias Schmitz (20) und Jonas Leppich (21): Die beiden Spieler aus dem erweiterten Kader haben jeweils keine eigene Aufgabe, unterstützen im Bedarfsfall aber ihre Mannschaftskameraden.
Wo steht der BHC zum Saisonstart - und wo die Konkurrenz? Und wie sieht die Tabellen-Prognose aus? Hier geht´s zur Standortbestimmung für die Bergischen Löwen für die Bundesliga-Saison 2021/22.

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