Handball

BHC stellt seine eigenen Negativ-Rekorde ein

BHC-Trainer Jamal Naji versuchte, Einfluss auf das Spiel zu nehmen. Es gelang allerdings nur bedingt.
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BHC-Trainer Jamal Naji versuchte, Einfluss auf das Spiel zu nehmen. Es gelang allerdings nur bedingt.

Handball-Bundesliga: 18:31 (5:14)-Pleite gegen die SG Flensburg-Handewitt – Bergischer HC bleibt im Dome ohne Erfolg.

Von Thomas Rademacher

Auch der 15. Versuch des Bergischen HC, den PSD Bank Dome als Sieger zu verlassen, ist gescheitert. Gegen die SG Flensburg-Handewitt gingen die Löwen insbesondere in der ersten Halbzeit baden. Im Angriff fand der BHC keine Lösungen, lag vor 4358 Zuschauern bereits nach 30 Minuten 5:14 hinten und musste sich letztlich mit 18:31 geschlagen geben – was die Einstellung eines persönlichen Negativ-Rekordes ist. Eine 13-Tore-Niederlage gegen den THW Kiel (21:34) in der Saison 2011/12 ist die höchste Heimpleite jemals.

Der Start am Sonntagnachmittag war noch vielversprechend gewesen. Tom Babak, Isak Persson und Djibril M'Bengue brachten die Gastgeber in Führung. Und auch beim zweiten per Leger erfolgreich verwandelten Siebenmeter durch Persson zum 4:5 war der BHC noch in Schlagdistanz. Die Deckung stand sehr ordentlich, Christopher Rudeck lieferte einige starke Paraden – auf dieser Seite des Feldes hätte der Grundstein zu einer Überraschung gelegt werden können.

Doch all das half nicht, denn im Angriff wollte einfach nichts zusammenlaufen. Die Bergischen kassierten Stürmerfouls, nahmen wenig erfolgversprechende Würfe und scheiterten auch immer wieder frei gegen den heiß laufenden Flensburger Schlussmann Benjamin Buric: Frederik Ladefoged, Noah Beyer, Tomas Babak und schließlich sogar Persson, als er die Kugel zum dritten Mal beim Strafwurf über Buric legen wollte.

Zwölf Minuten lang erzielten die Gastgeber kein einziges Tor. Auch die taktische Umstellung auf den siebten Feldspieler, der anstelle des Torhüters im Angriff aufs Feld kam, änderte daran nichts. „Das dürfte Negativ-Rekord sein“, mutmaßte BHC-Geschäftsführer Jörg Föste.

Für Fabian Gutbrod und Co. war oft kein Durchkommen möglich.

Tobias Schmitz, der auf der linken Außenbahn den Vorzug vor dem angeschlagenen Beyer erhielt, brach den Tore-Bann zwar fünf Minuten vor der Pause, doch es blieb bei diesem einen Treffer. Flensburg zog noch einmal an und sorgte mit vier Toren bis zur Halbzeit für den wohl größtmöglichen Schaden. Ebenfalls rekordverdächtig: Halbzeitübergreifend erzielte der BHC in 19 Minuten und sechs Sekunden nur einen Treffer. Gegentore gab es in dieser Phase neun. „Da haben wir die gesamte Verzweiflung im Angriff mit in die Deckung getragen“ urteilte Föste, der das 5:14 in der ersten Halbzeit als ernüchternd empfand.

Tatsächlich war auch dieses Resultat ein Negativ-Rekord. In der Handball-Bundesliga hat es fünf Treffer einer Mannschaft zur Pause zum letzten Mal vor mehr als einem Jahr gegeben – beim 17:27 des BHC gegen die HSG Wetzlar im November 2021 lagen die Gastgeber nach 30 Minuten 5:12 hinten.

Die Partie am Sonntagnachmittag gegen Flensburg war freilich bereits vor den zweiten 30 Minuten entschieden. Die Mannschaft rieb sich zwar defensiv noch auf, doch ein Neun-Tore-Rückstand ist in der Bundesliga wohl gegen jeden Gegner eine zu hohe Bürde. Während es für den BHC darum ging, sich noch einigermaßen achtbar aus der Affäre zu ziehen, wollten sich die zuletzt etwas strauchelnden Flensburger nachhaltig aus der Krise befreien. Buric hatte zwischenzeitlich eine Fangquote von – rekordverdächtigen – 65 Prozent. Dagegen verblassten Rudecks ordentliche 30 Prozent geradezu.

Immerhin gelang es den Löwen noch, Buric mit 13 Treffern in der zweiten Hälfte auf knapp 50 Prozent herunter zu drosseln. Ein gebrauchter Tag bliebt es aus bergischer Sicht dennoch. „Ein solches Spiel passiert. Es sollte nicht passieren, aber es passiert“, betonte Jörg Föste. „Im Sport gibt es Tage, an denen einfach gar nichts gelingen will.“ Diese Meinung vertrag auch Jamal Naji. „In der zweiten Halbzeit ist es uns gelungen, ein Stück weit Schadensbegrenzung zu betreiben“, sagte der Trainer. „Wobei es mir schwer fällt, darüber bei einer 13-Tore-Niederlage zu sprechen.“

Die 18:31-Niederlage sorgt für Frust beim BHC

Bedient waren sie nach dem Schlusspfiff alle beim Bergischen HC. „Wir haben im Angriff kein Mittel gefunden“, sagte Mannschaftskapitän Fabian Gutbrod insbesondere mit Blick auf die erste Halbzeit bei der 18:31 (5:14)-Niederlage gegen Flensburg. „Das Spiel war damit im Prinzip schon entschieden.“

Eine Erklärung für den schwachen Auftritt stellten gewiss auch einige Ausfälle sowie Spieler dar, die unter der Woche krank waren, und es am Sonntagnachmittag irgendwie versuchten. Lukas Stutzke und Noah Beyer gehörten dazu. Als Entschuldigung führte dies allerdings niemand ins Feld. „Fakt ist, wir schießen fünf Tore in einer Halbzeit. Das ist nicht unser Anspruch, egal mit welchem Personal. Und es nervt extrem“, betonte Gutbrod.

Trainer Jamal Naji erwähnte zwar die Krankheits- und Erkältungswelle, die sich derzeit ihren Weg durch die Mannschaft bahnt, fügte aber an: „Das ist nicht der Grund für diese Niederlage. Mit fitten Spielern hätten wir statt mit 13 vielleicht mit 8 Toren Unterschied verloren.“

Die Enttäuschung war auch deshalb besonders groß, weil der BHC seit Anfang November einen 8:2-Punktelauf ohne Niederlage hingelegt hatte. „Vor einer Woche hatte ich noch an die Chance geglaubt, Flensburg hier schlagen zu können“, sagte Naji. „Aber die Struktur war nicht gut genug. Wir haben versucht, zu viele gleiche Situationen zu kreieren. In der zweiten Halbzeit war das ein bisschen besser.“

Ganz anders war die Stimmung bei Maik Machulla. „Wir haben auswärts bei einem Team mit 13 Toren Abstand gewonnen, das zuletzt gute Ergebnisse erzielt hat. Das macht mich zufrieden“, sagte der Flensburger Coach. „Wir haben uns in einer schwierigen Phase befunden, hier aber sehr viele Dinge richtig und gut gemacht.“

Personal

Einige BHC-Spieler – wie Lukas Stutzke und Noah Beyer – gingen nach Erkältungen angeschlagen ins Spiel. Alexander Weck konnte erkrankt gar nicht auflaufen. Auch Linus Arnesson fehlte mit einer Bauchmuskelverletzung weiterhin.

Kommentar von Thomas Rademacher: Im Dome läuft's nicht

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Die Mission Dome 15 ist krachend gescheitert, um nicht zu sagen: Sie war ein Absturz. Das gilt natürlich nur mit Blick auf das Resultat, was im 15. Versuch das aus BHC-Sicht schlechteste jemals im PSD Bank Dome Düsseldorf war. Die Zuschauerzahl war mit 4358 hingegen Saisonbestwert. Doch der Funke will ohne ein Erfolgserlebnis nicht so recht überspringen – das kann man beim Halbzeitstand von 5:14 auch keinem Fan vorwerfen.

Gefallen hat es am Sonntag nur den Flensburgern. Deren Coach betonte sogar, dass die Vorfreude groß gewesen sei, weil der Verein 2019 seine bisher letzte Deutsche Meisterschaft im Dome gefeiert hat.

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