Handball-Bundesliga

Noch bleiben die Mannheimer Könige der Löwen

Die BHC-Deckung mit Max Darj (l.) und Tom Kare Nikolaisen im Innenblock funktionierte fast über die gesamten 60 Spielminuten. Fotos: Mathias M. Lehmann
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Die BHC-Deckung mit Max Darj (l.) und Tom Kare Nikolaisen im Innenblock funktionierte fast über die gesamten 60 Spielminuten.

Der BHC unterliegt nach einer grandiosen zweiten Halbzeit mit 23:24 (9:13) bei den Rhein-Neckar Löwen.

Aus Mannheim berichtet Thomas Rademacher

Im letzten Angriff der Bundesliga-Partie will sich der Bergische HC bei den Rhein-Neckar Löwen mit einem Punkt belohnen. Die Gäste haben sich im Löwenduell von einem Fünf-Tore-Rückstand erholt, sind selbst in Führung gegangen und haben bei noch etwa 30 Sekunden auf der Uhr noch einen letzten Angriff. Doch das Timing stimmt nicht, wohl auch, weil Tom Kare Nikolaisen beim Versuch, an den Kreis zu laufen, gehalten wird. So verfehlt David Schmidts Pass Lukas Stutzke, der Ball fliegt ins Aus, die große Gelegenheit ist verpasst. Zwar kommen die Gäste durch einen kuriosen Wurf von Alexander Petersson über das gesamte Feld weit neben das Tor noch mal in Ballbesitz, doch ein Foul an Tomas Babak wird nicht mehr gepfiffen – es hätte wohl ohnehin nur noch einen direkten Freiwurf gegeben. So bejubeln die Mannheimer einen hauchdünnen 24:23-Erfolg im Duell der Löwen – und der BHC hadert.

„Das ist extrem bitter“, ärgert sich Stutzke, der mit fünf Treffern in der zweiten Hälfte herausragend agierte. „Wir kommen so gut zurück, und am Ende fehlt nur ein kleines bisschen, um einen Punkt oder sogar mehr mitzunehmen.“

Linus Arnesson erarbeitete in der ersten Hälfte gute Chancen.

Schon in der ersten Halbzeit hatte sich angedeutet, dass für den Bergischen HC etwas zu holen sein könnte. Die Gäste erwischten zwar einen denkbar schlechten Start mit vier vergebenen Großchancen durch Tomas Babak, Max Darj, Jeffrey Boomhouwer sowie per Siebenmeter Arnor Gunnarsson, doch sie erarbeiteten sich die Möglichkeiten in hervorragender Manier. Angeführt von Linus Arnesson fand der BHC immer wieder den freien Mann, der den Ball jedoch nicht immer mit aller Konsequenz im Tor unterbrachte.

Das Problem zog sich wie ein roter Faden durch die Hälfte. Tom Kare Nikolaisen vergab ebenfalls völlig blank, und Fabian Gutbrod hatte einen gebrauchten Tag erwischt. Der Kapitän leistete sich neben Fehlversuchen auch zwei technische Fehler. Die Angriffseffizienz der Gäste blieb während der gesamten Hälfte deutlich unter 40 Prozent.

Trotzdem deutete sich kein Kantersieg für die Hausherren an. Schließlich funktionierte die Deckung über weite Strecken sehr gut. Nur zu Beginn hatten die Mannheimer über Kreisläufer Jannik Kohlbacher mehrere Male Erfolg. Auch Torhüter Christopher Rudeck fand immer besser ins Spiel. Er kam zwar in der ersten Hälfte nicht an sein Gegenüber, Andreas Palicka, heran, doch nach der Pause übernahm immer mehr Rudeck die Hoheit zwischen den Pfosten.

Schnell holte der BHC den 9:13-Pausenrückstand auf. Trainer Sebastian Hinze stellte um, brachte Tomas Babak zusammen mit Stutzke und Maciej Majdzinski im Angriff – eine Kombination, die konstant Gefahr ausstrahlte und durch die beiden Erstgenannten die Bälle auch im Tor unterbrachte. Stutzke traf zum 11:14, 13:15 und 15:15 in der stärksten BHC-Phase der gesamten Begegnung.

Der BHC verpasst die Zwei-Tore-Führung

In der Deckung blieben die Bergischen stark. Hinze stellte auch hier um, setzte Darj nur noch defensiv ein und ließ Nikolaisen angreifen. Der blieb bei seinen Abschlüssen abgezockt und war auch Schütze der ersten Gäste-Führung (19:18). Dazu funktionierte das Tempospiel zum Beispiel über Yannick Fraatz, der den Ball nach einer Eroberung gleich selbst verwandelte.

Die Bergischen befanden sich nun auf bestem Wege, das Löwenduell zu gewinnen. Doch sie machten auch Fehler. Zwei weitere vergebene Strafwürfe verhinderten genauso einen möglichen Zwei-Tore-Vorsprung wie gleich zwei ausgelassene Chancen durch Majdzinski und David Schmidt beim Stand von 20:19 aus BHC-Sicht.

Nachdem Stutzke mit aller Entschlossenheit das 22:22 erzielt hatte und Mait Patrail eine Zeitstrafe erhielt, lag die Überraschung vier Minuten vor Schluss trotzdem in der Luft. Doch genau dann fanden die Gastgeber die defensive Lücke und hatten am Schluss ein wenig glücklich die Nase vorn. Die Mannheimer bleiben also Könige der Löwen – noch.

Rund um den BHC

Personal: Erwartungsgemäß musste der BHC im Löwenduell auf Csaba Szücs verzichten. Der Abwehrchef war mit Leistenproblemen gar nicht erst mit nach Mannheim gefahren.

Ausblick: Bereits am Mittwoch geht es für die Bergischen weiter. Ungewohnt spät um 20.15 Uhr beginnt die Partie in der Klingenhalle gegen den Tusem Essen.

Meinung: Tabellarisch unter Wert

Von Thomas Rademacher

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Die 23:24-Niederlage des Bergischen HC war tatsächlich bitter. Das gilt grundsätzlich für jedes enge Spiel, in dem nichts Zählbares herausspringt. Auswärts bei den Rhein-Neckar Löwen gab es aber so viele Situationen, in denen die Begegnung einen gänzlich anderen Verlauf nehmen konnte. In der ersten Hälfte ließ die Truppe viel zu viel liegen, in der zweiten schien sie in den letzten Momenten zu wackeln, als sie kurz davor war, sich für ihren Aufwand zu belohnen. Der BHC ist nicht gegen irgendwen zurückgekommen, sondern gegen einen haushohen Favoriten in der Bundesliga . Das beweist die Qualität, die in der Mannschaft steckt, so dass sich der 13. Tabellenplatz, den die Bergischen derzeit belegen, sogar ein wenig unter Wert anfühlt.

Stimm: BHC liefert in der zweiten Hälfte ein "Versprechen für die Zukunft"

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