Handball

Jörg Föste: „Die letzten beiden Spiele stehen über allem“

Während der Hinrunde war es auch für Jörg Föste offenbar nicht immer ein Vergnügen, seiner Mannschaft zuzusehen.
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Während der Hinrunde war es auch für Jörg Föste offenbar nicht immer ein Vergnügen, seiner Mannschaft zuzusehen.

Interview: Jörg Föste, der Geschäftsführer des Bergischen HC, blickt nach einer anstrengenden Phase optimistisch nach vorne.

Das Gespräch führte Thomas Rademacher

1:15-Punkte in Serie hatte Handball-Bundesligist Bergischer HC geholt und dabei teilweise schlechte Leistungen gezeigt. Vor der Winterpause befreite sich das Team mit einem 27:27 beim TBV Lemgo und einem erlösenden 27:26-Erfolg beim HSV Hamburg – dem ersten Pflichtspiel-Sieg seit zehn Begegnungen, der für ein Polster von vier Punkten auf die Abstiegsregion sorgte. Ob die Löwen nun entspannt auf die Restsaison blicken, verrät Jörg Föste im ST-Gespräch.

Herr Föste, vor Saisonbeginn hatten Sie eine im Vergleich zur vorigen Spielzeit noch engere Handball-Bundesliga mit vielen extrem umkämpften Partien vorausgesagt. Sehen Sie sich bestätigt?

Jörg Föste: Ja, es haben sich alle Prognosen bewahrheitet. Zum einen ist das Teilnehmerfeld erwartungsgemäß so dicht beieinander wie selten zu vor. Viele sehr knappe Ergebnisse sind die Folge. Zweitens haben wir mit Lübbecke und Hamburg zwei Aufsteiger, die die Qualität haben, um sehr gut mitzuhalten. Zum Saisonstart klang es vielleicht so, dass ich unsere ersten beiden Gegner stark reden wollte. Aber die Resultate der beiden Teams führen dazu, dass sie sich bisher behauptet haben. Keines der beiden Teams steht auf einem Abstiegsplatz. Drittens ist es in dieser Saison ganz besonders wichtig, sein Punktekonto so schnell wie möglich in eine beruhigende Zone zu bringen, um nicht in eine Situation zu kommen, in der man Zählbares händeringend braucht. Aktuell sehe ich ein Bild, in dem die Hälfte der Liga eher nach unten schauen muss.

Der Bergische HC gehört ohne Zweifel noch dazu. 13 Punkte aus 18 Spielen sind gewiss nicht die Optimalausbeute. Wie haben Sie die vergangenen Wochen und Monate erlebt?

Föste: Es war eine anstrengende Phase, aus der sich die Mannschaft aber befreit hat. Die letzten beiden Spiele stehen über allem. Die drei Punkte in Lemgo und Hamburg waren sehr viel wert, um mit einem guten Gefühl in die Pause gehen zu können. Das ist auch rückblickend das Wichtigste und hat vieles verändert. Darauf können wir aufbauen.

Hat Sie die Leistung zuvor denn enttäuscht, oder lag es einzig und allein an den Ausfällen, die dem Team unverkennbar zu schaffen gemacht haben?

Föste: Eine ganze Reihe von Gründen haben zu der einen oder anderen unbefriedigenden Phase geführt. Diese waren nicht ausschließlich externer Natur. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir es nun aufgearbeitet haben und uns damit voll auf die anstehenden Aufgaben konzentrieren können.

Würde es Konsequenzen geben, wenn kein Aufwärtstrend zu erkennen wäre?

Föste: Das ist eine Konjunktiv-Frage, so dass wir darüber nicht sprechen müssen. Aber ich kann sagen: Es war wirklich anstrengend. Und der Trend geht ja in die richtige Richtung.

Wie blicken Sie auf die verbleibenden 16 Spiele? Orientiert sich der BHC nach oben Richtung Mittelfeld oder muss er nach unten schauen?

Föste: Zur positiven Beantwortung dieser Frage kann unser Team eine ganze Menge beitragen. Wir müssen uns auf unsere Stärken und Tugenden besinnen. Wir haben einen guten Kader und alle Instrumente, die wir benötigen, um gute Bundesligaspiele zu absolvieren. Wir müssen alles dafür tun, um das zu schaffen. Das ist eine Frage der Arbeitsmoral und Einstellung, so dass die ab Montag beginnende Vorbereitung von großer Bedeutung sein wird.

Dabei steht die tägliche Arbeit im Leistungszentrum natürlich im Vordergrund. Wird es denn auch noch Testspiele vor dem Bundesliga-Auftakt gegen Frisch Auf Göppingen am 9. Februar geben?

Föste: Wir hatten geplant, beim Turnier in Verl anzutreten, doch der Veranstalter hat abgesagt. Aktuell arbeiten wir daher an einer alternativen guten Konfiguration. Zwei, drei Tests wollen wir schon machen. Dabei orientieren wir uns natürlich auch Richtung Ostwestfalen, wo mit Lemgo, Lübbecke und Minden gleich drei Konkurrenten aus der Bundesliga beheimatet sind. Auch mit Zweitligisten der Umgebung haben wir Kontakt aufgenommen.

Wenn die Rückrunde vorbei ist, steht der größte Umbruch seit 2017 an. Nicht nur kommt mit Jamal Naji ein neuer Trainer, auch sechs Zugänge müssen integriert werden. Sind die Personalplanungen damit abgeschlossen?

Föste: Ja, wir haben alles erledigt und werden während der Rückrunde – Stand jetzt – keine weiteren Transfers mehr tätigen.

Nur die Zukunft des verletzten Maciej Majdzinski ist noch nicht klar.

Föste: Dazu werden wir zeitnah eine Information veröffentlichen.

Aktuell beherrscht Corona auch den Sport wieder stärker als noch vor einigen Wochen. Die Omikron-Variante erhöht die Quarantäne-Gefahr, Zuschauer wären bei überregionalen Sportveranstaltungen derzeit gar nicht mehr gestattet. Bereitet Ihnen das Sorgen?

Föste: Wir haben noch einen Monat bis zum ersten Pflichtspiel 2022. Das sind Zeitabschnitte, die gerade mit Blick auf Corona als sehr lang einzustufen sind. Aktuell ist es nicht von Belang, was die geltenden Verfügungen für unseren ersten Spieltag bedeuten würden, weil sie sich bis dahin noch mehrmals ändern dürften. Jetzt ist für uns erst einmal wichtig, dass wir vernünftig trainieren können. Dabei halten wir uns an die Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen der Liga. Das sind die Dinge, die wir beeinflussen können. Dazu kommt, dass bei uns selbstverständlich inzwischen jeder geboostert ist.

Als Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes haben Sie auch das Nationalteam und die anstehende Europameisterschaft im Blick. In vielen Teams gibt es Infektionen. Wie schauen sie auf das Event in Ungarn und der Slowakei?

Föste: Wir beobachten gerade, dass sich die Reihen der einsatzfähigen Spieler lichten. Es ist auch nicht auszuschließen, dass die Testungen weitere unerfreuliche Resultate bringen. Im deutschen Team sind bislang zum Glück alle negativ getestet. Da sich die Mannschaft bereits in einer Bubble befindet, gehen wir davon aus, mit voller Kaderstärke nach Bratislava reisen zu können. Trotzdem zeigt das Beispiel Serbien, das die Testspiele gegen Deutschland absagen musste, dass wir möglicherweise vor weiteren Ausfällen stehen.

Reisen Sie auch selbst in die Slowakei?

Föste: Ich bin Teil der Delegation. Mit Blick auf Corona-Infektionen machen wir es so, dass Mannschaft und interner Stab eine Einheit bilden, die weiteren Delegationsmitglieder eine zweite. Wir sind zur Sicherheit auch in unterschiedlichen Hotels untergebracht.

Mit Djibril M’Bengue ist ein künftiger BHCer im deutschen Team dabei. Achten Sie besonders auf ihn?

Föste: Ich befürworte, unterschiedliche Aufgabengebiete strikt voneinander zu trennen, und bin guter Dinge, dass mir das auch gelingen wird. Daher sehe ich Djibril als wichtigen Kaderspieler des deutschen Teams – und auch nur als solchen.

Hintergrund

Jörg Föste: Der 61-Jährige ist seit 2013 mit einer kurzen Unterbrechung Geschäftsführer des BHC. Im vorigen Jahr übernahm er zudem das Amt des Vizepräsidenten beim Deutschen Handball-Bund.

Umbruch: Sebastian Hinze verlässt den BHC im Sommer, womit der erste Trainerwechsel nach zehn Jahren ansteht. Jamal Naji ist sein Nachfolger. Dazu hat der Club je sechs Zu- und Abgänge beim Spielerpersonal. Es kommen Djibril M’Bengue, Peter Johannesson, Frederik Ladefoged, Tim Nothdurft, Noah Beyer und Isak Persson, während David Schmidt, Jeffrey Boomhouwer, Sebastian Damm, Tomas Mrkva, Max Darj und Emil Hansson gehen.

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