Handball-Bundesliga

BHC verliert in Balingen: Frühe Rote Karte ist eine zu hohe Hypothek

Ein schwieriger Gang: Tom Kare Nikolaisen kassierte in der achten Minute Rot und musste das Spielfeld verlassen. Foto: Mathias M. Lehmann
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Ein schwieriger Gang: Tom Kare Nikolaisen kassierte in der achten Minute Rot und musste das Spielfeld verlassen.

Die Wende liegt zwar in der Luft, doch der Bergische HC verliert in Balingen mit 28:30 (15:17).

Von Thomas Rademacher

Solingen. Der größte Aufreger aus Sicht des Bergischen HC ereignete sich bereits in der achten Minute: Tom Kare Nikolaisen wurde in die Mangel genommen, der Norweger versuchte sich zu befreien und erwischte dabei Gegenspieler Daniel Ingason leicht mit dem Ellbogen. Die folgende Rote Karte gegen den Norweger war eine Fehlentscheidung, die dem BHC im Innenblock und am Kreis die Optionen raubte. Die Löwen glichen bei HBW Balingen-Weilstetten zwar spät noch aus, verloren aber trotzdem mit 28:30 (15:17) – für die Gallier von der Alb war es erst der dritte Saisonsieg.

Der Zwei-Tore-Rückstand zur Pause war für die Gastgeber zu wenig. Denn HBW überrollte den BHC immer wieder im Tempospiel, hatte in Vladan Lipovina einen sicheren Rückraumschützen, der damit den Positionsangriff aufwertete, und profitierte zudem von einer mauen Torhüterleistung der Gäste. Tomas Mrkva und Christopher Rudeck brachten es in Hälfte eins jeweils nur auf eine Parade, während Balingens Schlussmann Mario Ruminsky zumindest in der Phase auftrumpfte, als die Hausherren davonzogen. Problem war dabei auch, dass der BHC in der Deckung oft keinen Zugriff fand. Durch Nikolaisens Fehlen versuchte es Trainer Sebastian Hinze zum Beispiel mit Tom Bergner im Innenblock oder setzte auf eine 5:1-Variante.

„Das war das eigentlich Entscheidende“, sagte der Coach später. Es gehe nicht darum, ob die Rote Karte richtig war, sondern „dass wir zu lange gebraucht haben, um einen vernünftigen Innenblock hinzubekommen.“ Noch vor der Pause erholte sich der BHC, der mit 10:15 in Rückstand geraten war. Csaba Szücs versenkte im erweiterten Tempospiel, Fabian Gutbrod ließ es zwei Mal im gebundenen Angriff krachen. So waren die Gäste trotz des 15:17-Rückstands zur Pause psychologisch in einer guten Position. Gleich nach Wiederbeginn traf Sebastian Damm sogar per Heber zum Anschluss. Ein Ballverlust von Lukas Stutzke lud Balingen allerdings wieder zum Gegenstoß ein.

Rudeck hielt zwar nun ein paar Bälle mehr, und Stutzke brachte den BHC noch mal auf ein Tor heran, doch die Bergischen liefen trotzdem noch ins Balinger Konterspiel. Zudem setzten sich die Gastgeber erneut einige Male gegen die BHC-Deckung durch. Patrick Volz hatte sogar die Chance, auf vier Tore Abstand für die Balinger zu stellen – Rudeck parierte aus sechs Metern. Gleiches schaffte aber Ruminsky auf der anderen Seite. David Schmidt war in dieser Phase der Einzige, der jeweils nach schönen Einzelaktionen für die Löwen traf.

Sebastian Hinze macht seinen jungen Spielern keinen Vorwurf

Eine Wende der Partie lag häufiger in der Luft, doch sie kam zunächst einfach nicht. Tom Bergner, auf dem wegen des Nikolaisen-Verweises auch offensiv viel Verantwortung lastete, vergab zum Beispiel völlig frei vom Kreis. Die Balinger blieben mit drei Treffern vorn. Erst nachdem Jona Schoch für ein hartes Einsteigen gegen Simen Schönningsen ebenfalls Rot gesehen hatte, versenkten die Gäste durch Sebastian Damm und Arnor Gunnarsson zum Anschluss. Danach hielt die Deckung, und Schmidt donnerte die Kugel mit Latte in zum 27:27 in die Maschen.

Die Gäste hatten nun das Momentum auf ihrer Seite, das Spiel in den letzten Minuten doch noch zu kippen. Sie leisteten sich nun aber Pannen. So kassierte Alexander Weck ein Stürmerfoul, und Bergner verwertete erneut aus sechs Metern nicht. „Ich mache den Jungs keinen Vorwurf, dass sie in den entscheidenden Situationen mal einen Fehler machen oder einen Ball verwerfen“, betonte Hinze. Die Niederlage war damit allerdings besiegelt.

Stimmen zum Spiel: Löwen bekommen ihre größte Stärke nicht aufs Feld

Mit der Angriffsleistung zeigte sich Sebastian Hinze nach dem 28:30 (15:17) in Balingen einverstanden. „Natürlich hätten wir die Momente, die uns HBW gegeben hat, nutzen müssen, um das Spiel zu gewinnen“, sagte der Trainer des Bergischen HC. „Aber die Wirkung der vergebenen Chancen am Ende war diesmal größer, weil wir eigentlich ganz andere Baustellen hatten.“ Gemeint war die Abwehrleistung und dabei vor allem die Unterbindung des gegnerischen Tempospiels. „Wir sind im Rückzug eine der besten Mannschaften der Liga. Aber leider wirkte es nach der Roten Karte oft wie Bastelei.“

Die Löwen, hier mit David Schmidt, ließen sich häufiger in der Deckung überrollen – ein Kernproblem der Niederlage.

Ähnlich sah es auch Kapitän Fabian Gutbrod, der die Abwehr über weite Strecken „nicht griffig und aggressiv genug“ fand. „Zur Wahrheit gehört auch, dass wir in der ersten Halbzeit nur zwei Torhüter-Paraden hatten. Das ist natürlich nicht nur das Verschulden unserer Schlussleute, sondern eben der gesamten Defensive.“ Trainer Hinze sprach sogar davon, dass seine Mannschaft ihre „größte Stärke nicht auf die Platte bekommen“ habe.

Deshalb war die Niederlage auch für alle Beteiligten besonders bitter. „Es ist schon ärgerlich, wenn wir zwei Mal hintereinander innerhalb von drei Tagen so knapp verlieren“, meinte Gutbrod mit Blick auf das 23:24 in Kiel am vorigen Donnerstag. Und auch Jörg Föste sprach von einer „schmerzhaften Niederlage.“ Der Geschäftsführer führte aus: „Ungeachtet der zahlreichen Baustellen, die sich vor dem Spiel oder im Laufe der Partie ergeben haben, hatten wir die Chance zum Auswärtssieg. Das Momentum beim Stand von 27:27 haben wir aber ungenutzt gelassen.“

In der Schlussphase hatten die Balinger nicht zuletzt auch etwas mehr Glück. „Wir hatten gute Abschlüsse, aber Ruminsky hat für Balingen gehalten. Das müssen wir leider akzeptieren“, sagte Fabian Gutbrod und schloss sich der Analyse seines Trainers an: „Es wäre nicht so ins Gewicht gefallen, wenn wir unser Spiel aufs Feld gebracht hätten. Wir haben aber zu sehr den Balinger Weg gewählt – mit viel Kampf. Da waren sie diesmal einfach besser.“ Hinze hatte in diesem Zusammenhang auch zu oft einen hektischen Bergischen HC gesehen.

Rund um den BHC

Personal: Bei HBW Balingen-Weilstetten traten die Löwen zum dritten Mal in Folge mit identischem Kader an. Tomas Mrkvas Einsatz war aufgrund von Knieproblemen fraglich gewesen, doch auch der tschechische Torhüter war einsatzbereit und begann die Partie nach seiner überragenden Leistungen in Kiel sogar.

Gegentore: Trotz der Niederlage hat der BHC weiterhin die statistisch effektivste Abwehr der Bundesliga. 251 Gegentore sind niedrigster Wert.

Meinung: Bitter, aber erklärbar

Von Thomas Rademacher

thomas.rademacher @solinger-tageblatt.de

Seit dem Wiederaufstieg in die Handball-Bundesliga war der Bergische HC drei Mal bei HBW Balingen-Weilstetten zu Gast – und kassierte jeweils eine Niederlage mit zwei Toren Unterschied. Auch die am Sonntagnachmittag war erneut sehr bitter, da die Wende des Spiels eigentlich die ganze Zeit in der Luft lag und im entscheidenden Moment nicht gelang, weil die klaren Chancen nicht genutzt wurden. Mit Blick auf die letzten Minuten war dies ausschlaggebend, über das gesamte Spiel aber wurden zwei Dinge grausam deutlich vor Augen geführt – Erstens: Der BHC vermisst Max Darj. Zweitens: Tom Kare Nikolaisen hat sich herausragend entwickelt. Seine unberechtigte Rote Karte und das verletzungsbedingte Fehlen von Darj führten zu einer spürbaren Schwächung der Abwehr, die Balingen für sich nutzen konnte. Das ist bitter, aber erklärbar.

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