Handball

BHC findet seine gute Linie nicht mehr wieder

Die erste Heimniederlage gegen Hannover seit November 2013 war eine ganze bittere für die BHC-Profis.
+
Die erste Heimniederlage gegen Hannover seit November 2013 war eine ganze bittere für die BHC-Profis.

Bundesliga: TSV Hannover-Burgdorf gewinnt in der Klingenhalle mit 23:22 (9:10)

Von Jürgen König

Sechs Mal hatte der Bergische HC die TSV Hannover-Burgdorf zuletzt mit einer Niederlage auf die Heimreise geschickt, jetzt durfte das Team von Ex-Bundestrainer Christian Prokop jubeln. Mit 22:23 (10:9) unterlagen die Löwen, waren am Ende noch einmal sehr nahe am Punktgewinn – doch das Happy End blieb aus. „Es war ein sehr zerfahrenes Spiel“, sagte Trainer Jamal Naji. „Hannover hat es in der Crunchtime besser hinbekommen als wir.“

Es war ein mühsamer Weg zum ersten Saisontreffer des BHC vor heimischer Kulisse. Satte sechs Minuten dauerte es, bis Frederik Ladefoged den Bann brach, nachdem zuvor vier Teamkollegen zum Teil freistehend gescheitert oder einen technischen Fehler produziert hatten. Dass der späte Auftakttreffer des dänischen Kreisläufers dennoch das 1:0 bedeutete, war einem klasse Auftritt der Löwen-Abwehr samt des erstmals eingesetzten Peter Johannesson zwischen den Pfosten zuzuschreiben. Die Gäste trafen nach 0:2-Rückstand erst in Überzahl doppelt durch Linksaußen Hannes Feise, die folgenden Minuten sollten aber eindeutig den Hausherren gehören.

Dank Top-Paraden von Johannesson und einem in jeder Hinsicht überzeugenden Angriffsspiel seiner Vorderleute zog das Team von Chefcoach Jamal Naji bis zur 18. Minute auf 7:3 – erster Klingenhallen-Moment der neuen Spielzeit samt bebender Haupttribüne inklusive. Zwar gab es weitere Glanzlichter durch den BHC, so das Kempa-Tor durch Isak Persson auf Zuspiel von Linus Arnesson, aber insgesamt ging die Kurve auch in Überzahl nach unten. Vorne stieg die Fehlerquote spürbar, zudem steigerte sich Hannovers Schlussmann Dario Quenstedt auf Johannesson-Niveau. Die Niedersachsen, mit Ex-BHCer Renars Uscins im rechten Rückraum, nutzten eine doppelte Überzahl, so dass am Ende des ersten Durchgangs fast noch der 10:10-Ausgleich gefallen wäre. Doch Johannesson parierte den direkten Wurf von Feise und setzte so den vorläufigen Schlusspunkt unter eine durchgehend gute Defensiv-Leistung.

Danach gestaltete sich das nunmehr zähe Geschehen auf Augenhöhe, beim BHC war der Glanz dahin. Die Gäste schnupperten an ihrer ersten Führung, weil die Bergischen nicht mehr zwingend agieren konnten und die wenigen Chancen vergaben. So durch Arnor Gunnarsson, der nach seiner Einwechslung zur Pause einen unglücklichen Eindruck hinterließ, dann aber hinten wie vorne binnen weniger Sekunden explodierte und nach einem weiteren vergebenen Gegenstoß durch Noah Beyer zum 12:11 traf.

Doch dies war nur eine Momentaufnahme, die Kreativität der Löwen war im Keller, woran auch die Hereinnahme von Djibril M'Bengue nichts änderte. Das 13:15 (45.) sorgte für Ernüchterung in der mit über 2000 Zuschauern gut gefüllten Klingenhalle. Die wurde noch größer, als M'Bengue im Abwehrverhalten wiederholt schlecht aussah und die Rote Karte kassierte. Nunmehr mit Christoph Rudeck zwischen den Pfosten bot der BHC weiter Paroli, lebte dabei von vielen gelungenen Aktionen durch Tomas Babak. Das 18:18 (51.) von Lukas Stutzke ließ die Halle brodeln, aber Hannover schloss nun variabel und sicher ab, vornehmlich über den Kreis mit Ilja Brozovic. Der scheiterte dann in der 57. Minute an Rudeck und ließ die Löwen noch etwas leben. Zubeißen konnten sie aber nicht mehr. „Das war eine Niederlage der Kategorie unnötig“, meinte Geschäftsführer Jörg Föste. „Wir haben uns für die hervorragende Abwehrarbeit nicht genug belohnt.“

Linus Arnesson verlängert bis Sommer 2025

Im Angriff lief es für Linus Arnesson und die Löwen nicht rund.

Von Thomas Rademacher

Unmittelbar vor dem Anwurf verkündete Hallensprecher Jens Scheffler eine wichtige Weichenstellung des Bergischen HC: Linus Arnesson hat seinen Vertrag um zwei Jahre bis Sommer 2025 verlängert. Der Spielmacher, der aktuell seine sechste Saison für die Löwen bestreitet, freute sich über den Applaus der 2031 Fans in der Klingenhalle, musste sich dann aber auf die bevorstehende Aufgabe konzentrieren, die er und sein Team beim 22:23 (10:9) letztlich nicht meisterten.

„Torwartspiel und Abwehr waren wirklich gut“, sagte der 32-Jährige. „Aber im Angriff mussten wir viel kämpfen. Hannover hat vor allem in der zweiten Halbzeit die Tore etwas einfacher erzielt, was letztlich der Unterschied war.“ Die Niederlage sei frustrierend, räumte der Schwede ein. „Gerade, weil wir so gut verteidigt haben.“

Seine Vertragsverlängerung hätte Arnesson freilich gerne mit einem Mannschaftserfolg zelebriert. „Aber es war eine einfache Entscheidung“; sagte der Spielmacher. „Meine Familie und ich fühlen uns unheimlich wohl hier. Und sportlich hat der BHC noch viel vor. Da möchte ich dabei sein.“ Um was es sich dabei genau handelt, definierte er nicht. „Aber wir wollen natürlich in jedem Jahr auch in der Tabelle einen Schritt nach oben machen.“

Auf diesem Weg mussten die Löwen gegen die Hannoveraner einen kleinen Dämpfer hinnehmen. „Wir müssen von Anfang an mehr Kapital aus unserer guten Verteidigung schlagen“, meinte BHC-Coach Jamal Naji. „Hannover hätte sich nicht beschweren können, wenn wir statt 7:3 höher, also zum Beispiel 10:4 führen. So schafft es ein Team von der Qualität der TSV, zurück ins Spiel zu finden.“

Der Trainer betonte: „So zerfahren das Spiel ist, so gut haben beide Teams verteidigt. Das gehört auch zum Handball.“ Etwas enttäuscht zeigte er sich, dass es seinem Team in der zweiten Halbzeit nicht länger gelungen sei, das Spiel offen zu halten. „Man kann Hannover nur gratulieren. Sie haben in der hitzigen Atmosphäre noch mal eine Schippe draufgelegt.“

Bei Gäste-Coach Christian Prokop war die Stimmung mit einer Ausnahme logischerweise besser. Ihm war die Soundanlage in der Klingenhalle zu laut, sportlich hatte er für seine Mannschaft aber nur Lob übrig. Das ließ sich über Jörg Föste nicht sagen. „Es war ein Spiel, das man nach 10 Minuten hoch anführen muss. Dann zu verlieren, ist immer ärgerlich“, sagte der BHC-Geschäftsführer, der dafür viele Gründe nannte – unter anderem: die Abschlussschwäche aus sechs Metern, falsche Entscheidungen in Überzahl und zuweilen auch mangelnde Geduld im Aufbau.

Rund um den Bergischen HC

Personal: Fabian Gutbrod und Csaba Szücs sind weiterhin verletzt. Davon abgesehen war der komplette BHC-Kader am Mittwochabend einsatzbereit.

Ausblick: Viel Zeit zum Ausruhen bleibt den Löwen nicht. Am Sonntag geht es nach Kiel, kommende Woche Donnerstag ist um 19.05 Uhr der TBV Lemgo Lippe zu Gast in der Klingenhalle.

Podcast: Die Löwenzeit, der BHC-Podcast von ST und Radio RSG, sorgt auch in dieser Saison für akustische Unterhaltung abseits der Spiele. Künftig geht es wieder häufiger ins Studio. Zum Auftakt der Spielzeit ist Torhüter-Zugang Peter Johannesson zu Gast. Die Sendung ist unter anderem abrufbar auf iTunes, Spotify und Soundcloud sowie:

solinger-tageblatt.de/podcast

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Jamal Naji geht mit maximaler Freude in den Umbruch
Jamal Naji geht mit maximaler Freude in den Umbruch
Jamal Naji geht mit maximaler Freude in den Umbruch
Mit dem Löwen im Herzen, auf dem Arm und der Brust
Mit dem Löwen im Herzen, auf dem Arm und der Brust
Mit dem Löwen im Herzen, auf dem Arm und der Brust
BHC ist auf der Suche nach dem Spielglück
BHC ist auf der Suche nach dem Spielglück
BHC ist auf der Suche nach dem Spielglück

Kommentare