Handball-Bundesliga

BHC feiert gegen Leipzig ein Handballfest

Gelungener hätte der Abend für Christopher Rudeck nicht sein können. Der Torhüter hielt, was zu halten war. Foto: Moritz Alex
+
Gelungener hätte der Abend für Christopher Rudeck nicht sein können. Der Torhüter hielt, was zu halten war.

„100 Prozent Leidenschaft, 100 Prozent Engagement, 100 Prozent Siegeswille“: Die Löwen legen mit einer herausragend agierenden Abwehr den Grundstein zum souveränen 30:20 (15:10). Vor dem Spiel gab es eine Schweigeminute.

Von Thomas Rademacher

Solingen. Die Intensität in der Deckung des Bergischen HC war enorm. Das bekamen die Löwen beim Stand von 10:7 auch untereinander zu spüren, nachdem Christopher Rudeck gerade einen Wurf von Oskar Sunnefeldt pariert hatte. Csaba Szücs wollte den Abpraller retten, indem er in den Kreis sprang, um den Ball im Fallen zu passen. Der Plan misslang, der Abwehrchef landete mit der Kugel in der Hand auf dem Boden, so dass der SC DHfK Leipzig weiter angreifen durfte.

Rudeck fauchte Szücs an, der das überhaupt nicht lustig fand und seinem Torhüter im Gegenzug ein paar deutliche Worte mit auf den Weg gab. Eine Szene, die zwei Dinge belegte: die Leidenschaft, mit der die Löwen zu Werke gingen, und die insgesamt herausragende Abwehrqualität, in der der Umgang mit einem Abpraller das größte „Problem“ darstellte. Diesem Umstand war auch die Deutlichkeit des 30:20 (15:10)-Erfolgs über die Sachsen geschuldet.

„100 Prozent Leidenschaft, 100 Prozent Engagement, 100 Prozent Siegeswille – all das hatten wir in diesem Spiel. Dann kommt das dabei heraus“, sagte BHC-Geschäftsführer Jörg Föste mit Blick auf das Resultat. Nachdem die Gäste in den ersten Minuten noch mit Anspielen an den Kreis zu Maciej Gebala Erfolg gehabt hatten, nahmen die Bergischen auch diese weg – und die Gäste fanden in den nächsten 55 Spielminuten keine Mittel mehr. Hier geht es direkt zum LöwenZeit-Podcast mit Stimmen zum Spiel.

Bergischer HC gegen SC DHfK Leipzig: Jörg Föste vom Team begeistert

Aus dem Rückraum ließen die Löwen fast nur Notwürfe zu, Durchbrüche verteidigten sie mit flinken Beinen und hoher Zweikampfbereitschaft. „Es passte unglaublich viel. Wenn man mit dieser Konsequenz zu Werke geht, kann jeder Plan aufgehen. Heute haben wir gezeigt, zu was wir imstande sind“, zeigte sich Föste begeistert.

Dass die Mannschaft auch im Angriff fast konstant überzeugte, überforderte die Gäste mit zunehmender Spielzeit sichtlich. War es in der ersten Halbzeit vor allem das Tempo- und Konterspiel, das wieder in der Effektivität vorgetragen wurde, in der die Löwen einst vielen Gegnern das Fürchten lehrten, präsentierten sich die Hausherren auch im Positionsangriff von Minute zu Minute gefährlicher.

Vor allem agierten sie flexibel: Ob über die Außenspieler Sebastian Damm oder Arnor Gunnarsson, durch Rückraumwürfe von Fabian Gutbrod oder Kreisanspiele zu Tom Kare Nikolaisen und Tom Bergner: Die Chancen waren zumeist hochkarätig und fanden größtenteils auch den Weg ins Netz. „Diesmal fällt es besonders schwer, den Sieg an Einzelleistungen festzumachen. Es war eine wunderbare, formvollendete Mannschaftsleistung, die zu diesem Handballfest geführt hat“, fand Föste. Auch Trainer Sebastian Hintze war begeistert - ein Duo hob er besonders hervor.

„Jetzt hat echt mal alles geklappt. Da war auch ich einfach heiß.“

Linus Arnesson, BHC-Spielmacher

Dass er damit recht hatte, war in den Gesichtern der Spieler abzulesen. Linus Arnesson, der auf der Mitte genauso überragte wie in der Abwehr, zeigte für ihn ungewohnte emotionale Regungen – so etwa beim 20:13, als er den Ball in der Deckung eroberte, ihn selbst nach vorne dribbelte und vollstreckte. Der Schwede riss kurz die Arme hoch und nahm die 1610 Zuschauer in der Wuppertaler Unihalle mit. „Jetzt hat echt mal alles geklappt. Da war auch ich einfach heiß“, beschrieb der Spielmacher, der neben sieben Toren auch vier Vorlagen auf dem persönlichen Konto hatte, seine Gemütslage.

In den letzten Minuten ließen die Löwen zur Freude der glücklichen Fans sogar noch eine Kür folgen. Beim Stand von 24:19 legten die Gastgeber einen 6:0-Lauf hin mit Toren, von denen eines schöner als das andere war: Als Highlights fungierten Nikolaisens Treffer auf Zuckerpass von Simen Schönningsen und Arnessons Gegenstoß nach einer Rudeck-Parade.

Der Torhüter hatte zum Schluss 16 gehaltene Bälle – inklusive zwei Siebenmetern – bei einer Fangquote von 45,71 Prozent in seiner Bilanz. „Wir haben unglaublich gut verteidigt, so dass ich wusste, wo der Ball vorbeigehen kann“, beschrieb Rudeck seinen Arbeitstag. „Leipzig hat uns den Gefallen getan, dass sie dann auch noch genau die Würfe genommen haben, die wir erwartet hatten. Deshalb sah das dann ganz gut aus.“

Seine Meinung zur eingangs beschriebenen Szene mit Szücs hatte sich inzwischen auch relativiert. „Ich habe gesehen, dass wir den Abpraller bekommen hätten, aber Csaba kann das ja nicht erkennen. Im Zweifel ist es besser, den Ball zu nehmen“, sagte Rudeck. „Wir haben uns schnell wieder vertragen und trinken gleich ein Bierchen zusammen.“ Das hatten sich diesmal wirklich alle verdient. Kommentar von Thomas Rademacher.

Schweigeminute für verstorbenen Zuschauer

Schweigeminute: Unmittelbar vor dem Anwurf der Partie gedachte der BHC des vor knapp zwei Wochen verstorbenen Klaus Fach. Er war als Zuschauer in der Unihalle beim Duell gegen die HSG Wetzlar zusammengesackt, wurde zunächst wiederbelebt, verstarb später aber im Krankenhaus.

Personalplanung: Keine kurzfristigen Ausfälle

Personal: Diesmal erlebte der BHC keine bösen Überraschungen. Dass Max Darj (Bauchmuskelverletzung) und Tomas Babak (Rückenbeschwerden) fehlen, hatte im Vorfeld festgestanden. Kurzfristige krankheitsbedingte Ausfälle gab es nicht. Auch der unter der Woche erkältete David Schmidt trat an.

Kommentar: Überfällige Belohnung

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Die Meinung von Thomas Rademacher

Schon bei der MT Melsungen vor elf Tagen legte der Bergische HC eine beachtliche Leistung in der Handball-Bundesliga hin. Trotz eines arg dezimierten Rückraums kratzten die Löwen am Punktgewinn, bevor sie sich mit 24:26 geschlagen geben mussten. Langsam, aber sicher zeichnete sich ab, dass es der Mannschaft in dieser Saison schwer fallen würde, sich für ihren Aufwand zu belohnen.

Dieser Eindruck hat sich nach dem 30:20 über Leipzig komplett zerschlagen. Das Team absolvierte sein mit Abstand bestes Spiel in dieser Saison und holte sich damit die längst überfällige Belohnung ab.

An dieser Partie gibt es wirklich nichts zu meckern – auch wenn nahezu sicher ist, dass Trainer Sebastian Hinze Kleinigkeiten finden wird. Dieser Erfolg ist einer für das Selbstvertrauen. Was dieses beim BHC bewirken kann, war zum Beispiel im vorigen März zu sehen, als die Löwen 27:17-Punkte hatten. Anschnallen!

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Zum Spiel des BHC: Wie ein Absteiger
Zum Spiel des BHC: Wie ein Absteiger
Zum Spiel des BHC: Wie ein Absteiger
BHC-Geschäftsführer Föste: „Alle wollen erkennbar besser werden“
BHC-Geschäftsführer Föste: „Alle wollen erkennbar besser werden“
BHC-Geschäftsführer Föste: „Alle wollen erkennbar besser werden“
Hinze verlässt den BHC im Sommer 2022
Hinze verlässt den BHC im Sommer 2022
Hinze verlässt den BHC im Sommer 2022
Sebastian Hinze verlässt den Bergischen HC in 15 Monaten
Sebastian Hinze verlässt den Bergischen HC in 15 Monaten
Sebastian Hinze verlässt den Bergischen HC in 15 Monaten

Kommentare