BHC

Die triumphale Rückkehr des Handball-Rentners

Kristian Nippes muss lachen, als er wenige Sekunden nach seiner Einwechslung mit blutender Lippe vom Feld geht. Foto: Andreas Fischer
+
Kristian Nippes muss lachen, als er wenige Sekunden nach seiner Einwechslung mit blutender Lippe vom Feld geht.

Handball-Bundesliga: 25:20 (15:11) beim HC Erlangen – der Bergische HC jubelt zum ersten Mal in Nürnberg

Da musste sogar der sonst recht ernste Trainer des Bergischen HC lachen. Gerade hatte Sebastian Hinze Kristian Nippes zum ersten Mal in dieser Saison eingewechselt, da kam der einstige Kapitän auch schon wieder mit einer blutenden Lippe an die Bank. „Willkommen zurück“, hieß es, während Nippes ebenfalls sichtlich amüsiert den Weg zu Physiotherapeut Severin Feldmann suchte. „Ich konnte da gar nicht viel machen“, sagte der 33-Jährige später über das Stürmerfoul von Benedikt Kellner. „Da wurde ich ein bisschen über den Haufen gerannt.“ So kurios der Anfang von Nippes’ Comeback in der Handball-Bundesliga war, so triumphal endete es. Der Linkshänder hatte seinen Anteil am in allen Belangen überzeugenden 25:20 (15:11)-Erfolg beim HC Erlangen – dem ersten BHC-Sieg in der Nürnberger Arena überhaupt.

Dass die Löwen diesen Erfolg unbedingt wollten, war ihnen ab der ersten Minute anzumerken. Ein klein wenig wollten sie wohl doch das etwas bittere 25:25 gegen die HSG Nordhorn-Lingen wiedergutmachen. Es gelang hervorragend. Nach fünf Minuten waren Torhüter Tomas Mrkva sowie die Deckung mit Max Darj und Tom Kare Nikolaisen im Zentrum bereits in Hochform. Der Tscheche parierte gleich den ersten Gegenstoß von Johannes Sellin. Hatte der Keeper zu Beginn noch retten müssen, unterband der BHC das gegnerische Tempospiel in der Folge immer besser und legte damit den Grundstein zum Sieg. Denn im gebundenen Angriff fand der HCE über weite Strecken keine Lösung – was neben der Löwen-Abwehr auch an den Ausfällen von Antonio Metzner oder Sime Ivic gelegen haben könnte.

Ihren Vorteil gaben die Gäste nie aus der Hand. Fabian Gutbrod und David Schmidt funktionierten als Rückraum-Schützen mit sechs beziehungsweise vier Toren, Spielmacher Tomas Babak glänzte als Vorbereiter unter anderem für Max Darj am Kreis, und Arnor Gunnarsson traf von rechtsaußen sicher. Hinten drehte Mrkva mit elf Paraden und einer Fangquote von 36,67 Prozent auf.

Premiere für den Bergischen HC: In der Nürnberger Arena dürfen die Löwen zum ersten Mal kollektiv nach dem Schlusspfiff einen Sieg bejubeln. Zuvor hatten sie dort selten gut ausgesehen.

Und dann war da noch Kristian Nippes: Der gab ausgerechnet in der Nürnberger Arena sein Comeback. Am Ort, an den der 33-Jährige bislang kaum gute Erinnerungen hatte. Nicht nur hatte der BHC noch nie dort gewonnen, im letzten Spiel vor Beginn der Corona-Pandemie waren die Bergischen ebenfalls in Nürnberg zu Gast. „Das war ein schlechtes Spiel – auch von mir persönlich“, meinte Nippes mit Blick auf die 26:28-Niederlage im März 2020. „Dass es diesmal so gut gelaufen ist, setzt dem Ganzen die Spitze auf.“

Ich hatte das Gefühl, dass wir Erfahrung auf dem Feld brauchen.

Sebastian Hinze, BHC-Trainer

Denn für den Linkshänder war der Arbeitstag nach seiner blutenden Lippe noch lange nicht beendet. Als Positionskollege David Schmidt kurz vor der Pause für zwei Minuten vom Feld musste, kam Nippes wieder, ging an den Kreis vor und brachte den Ball vom Pfosten über Torhüter Klemen Ferlin ins Tor zum 15:11. „Viel Platz habe ich da nicht gesehen, so dass ich schon sehr glücklich war, dass der Ball dann doch irgendwie reinging.“

Dass der Solinger, der seine Profikarriere eigentlich im vorigen Sommer beendet hatte, sich seit der schweren Verletzung von Maciej Majdzinski aber wieder im Training befindet, ausgerechnet beim HC Erlangen sein Comeback gab, war kein Zufall. „Es hatte weniger mit dem Ausfall von Yannick Fraatz zu tun, als mit der Situation, in der wir uns befanden. Ich hatte das Gefühl, dass wir Erfahrung auf dem Feld brauchen“, erläuterte Coach Hinze seine Beweggründe, sich für Nippes statt Renars Uscins als Schmidt-Ersatz zu entscheiden. Der 18-Jährige war zuletzt vor allem stark, wenn er frei aufspielen konnte. Nach dem Remis gegen Nordhorn erwartete Hinze eine größere Drucksituation.

Die war es tatsächlich. Auch wenn sich die Löwen nach der Pause auf 21:13 absetzten und Erlangen zwölf Minuten ohne Tor hielten, sorgten die Gastgeber mit einer offensiven 3:3-Deckung noch für ein wenig Stress bei den Löwen. Nippes behielt die Ruhe und krönte seinen Abend mit dem 24:19 nach einem Wackler. Bei dem Tor sah es aus, als wäre er nie weg gewesen. „In der offensiven Abwehr muss man dann auch drauf gehen, wenn man die Chance sieht. Ich bin froh, dass es geklappt hat“, meinte Nippes. Und BHC-Geschäftsführer Jörg Föste fand ebenfalls klare Worte für die Leistung der gesamten Mannschaft und insbesondere die Nippes-Performance: „Hut ab!“

Verletzung

Yannick Fraatz war am Donnerstag im Training weggeknickt. Der Rechtsaußen zog sich dabei eine komplexe Verletzung des linken Kniegelenks inklusive eines Kreuzbandrisses zu. Er fällt damit längerfristig aus und wird bereits am Montag im Wuppertaler Helios Klinikum von Teamarzt Diederich von der Heyde operiert.

Podcast: BHC gewinnt erstmals in Nürnberg.

Die Stimmen zum Spiel.

Die Meinung von Thomas Rademacher.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

BHC-Profis schaffen die Basis für die Saison
BHC-Profis schaffen die Basis für die Saison
BHC-Profis schaffen die Basis für die Saison

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare