Bergischer HC

Rückschau mit Christopher Rudeck: Das waren die Aufs und Abs der Saison 2021/22

HSG Wetzlar vs. Bergischer HC
- 1. Handball-Bundesliga 2021/22 - 25. Spieltag
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Christopher Rudeck (blaues Trikot) und der BHC bejubeln in Wetzlar den wohl denkwürdigsten Sieg der Saison.

Sportliche Tief- und Höhepunkte, zu viel Hilfe für die Konkurrenz und ein Moment, der den Sport komplett in den Hintergrund rücken ließ: eine ganz persönliche Rückschau auf die Handball-Bundesligasaison 2021/22.

Solingen. Seit 2015 hütet Christopher Rudeck das Tor des Bergischen HC und ist damit trotz seiner erst 27 Jahre einer der dienstältesten Spieler des Vereins. Der Keeper hat Humor, immer einen Spruch auf den Lippen, ordnet die Saison 2021/22 aber auch kritisch ein. Ein Rückblick auf die wenig konstante Spielzeit – mit Kommentaren Rudecks.

Der Auftakt

Gegen die beiden Aufsteiger – in Lübbecke und Hamburg daheim – gelang ein Saisonstart nach Maß mit zwei weitgehend souveränen Siegen (24:20, 31:26). „Da war direkt Druck da, und wir haben ihm standgehalten. Das war der BHC, wie wir ihn kennen.“

Das Déjà-vu

Am dritten Spieltag setzte es eine 20:28-Pleite in Hannover. „Das war unser klassischer Auftritt dort. Dort verlieren wir sehr gerne früh in der Saison.“ Zum ersten Mal in der Saison wuchs mit Domenico Ebner ein gegnerischer Torwart über sich hinaus.

Normale Ergebnisse

26:25 gegen Stuttgart, 24:27 in Göppingen, 25:25 gegen die Rhein-Neckar Löwen. „Das sind alles normale Ergebnisse, ohne dass wir den Riesenlauf hatten. Bei Göppingen hat Daniel Rebmann überragend gehalten. Es ist aber auch ein Pech: Wir haben in dieser Saison quasi immer gegen den Torhüter aus der Mannschaft der Woche gespielt.“

Die Tragödie

Im Oktober wurde die Partie gegen die HSG Wetzlar in der Wuppertaler Unihalle abgebrochen, weil es zu einem medizinischen Notfall auf der Tribüne kam. Einige Tage später starb der BHC-Fan. „Da hat man gemerkt, wie egal eigentlich unsere Ergebnisse sind, wenn es um Leben und Tod geht.“

Die Gala

30:20 hieß es am Ende gegen den SC DHfK Leipzig. „Da lief es mal wirklich gut.“ Rudeck brachte es auf 16 Paraden und eine Fangquote von 45,71 Prozent – Saisonbestwert über ein ganzes Spiel. „Es ging aber da schon los: Eigentlich ist es untypisch für uns, dass wir solche starken Ausreißer nach oben oder unten haben. Dies war einer nach oben.“

Der bittere Moment

Beim THW Kiel holten die Löwen einen Sieben-Tore-Rückstand in der zweiten Halbzeit auf und hatten im letzten Angriff den Ball zum Ausgleich in der Hand. Der Rekordmeister rettete einen 24:23-Sieg ins Ziel.

„Wenn ich eine Szene aussuchen dürfte, die wir noch mal machen dürften, wäre es diese. Es wäre unser erster Punkt überhaupt gegen Kiel gewesen und das absolute Highlight. So war es bitter.“

Der Abwärtstrend

Es begann mit einem 28:30 in Balingen. „Das war das erste von mehreren Malen, dass wir einem am Boden liegenden Gegner wieder auf die Füße geholfen haben. Darin hatten wir in dieser Saison ein Talent.“

Es folgten ein 25:25 gegen Erlangen nach guter Leistung sowie zwei deftige Niederlagen gegen Wetzlar (17:27) und in Berlin (17:32). „Man muss differenzieren. Gegen Wetzlar hatten wir viele Ausfälle und dann musste ganz kurzfristig auch noch Linus Arnesson passen. Dann haben wir mit einer Mannschaft gespielt, die so nicht mal zusammen trainiert hat. In Berlin fehlte uns das Basis-Niveau. Dass wir dieses immer abrufen, gehörte bislang zu unseren Stärken. In dieser Saison hatten wir es leider nicht immer.“

Der Tiefpunkt

Schlusslicht Minden schlug den BHC Anfang Dezember 25:21, was bis Donnerstagabend den einzigen Heimsieg der Ostwestfalen darstellte. „Der nächste Gegner, dem wir aufgeholfen haben. Nach dem Spiel war jedem von uns klar, dass wir uns mitten im Abstiegskampf befinden.“

Gegen Magdeburg war danach erwartungsgemäß nichts zu holen, so dass der BHC nur noch drei Punkte über dem Strich stand.

Der Befreiungsschlag

In Lemgo war der BHC besser, brachte den Sieg aber nicht ins Ziel und spielte 27:27. In Hamburg gelang am 27. Dezember der erlösende Erfolg dank einer überragenden Deckungsleistung nach einem Vier-Tore-Rückstand in Halbzeit zwei mit 27:26.

„Das waren unfassbar wichtige drei Punkte. Wir brauchten ein Spiel, das den Knoten löst. Die Kabinen-Party in Hamburg war dann auch etwas größer als üblich. Und wir konnten in der Winterpause etwas entspannter arbeiten.“

Der alte BHC

Mit frischgebackenem Europameister in Person von Max Darj im Kader fegten die Löwen Anfang Februar zum Start in die zweite Saisonhälfte Frisch Auf Göppingen mit 33:27 aus der Klingenhalle. „Man muss auch sagen, dass die Göppinger noch im Bus waren, so viele Fehler wie sie gemacht haben.“

Noch besser waren die Leistungen gegen Kiel (24:26) und gegen Lemgo (32:27). „Trotzdem nervt es gegen die Kieler, weil wir es gegen sie einfach nicht schaffen, den Bock umzustoßen.“

Ein Novum gab es gegen Lemgo: Es war das erste und bisher einzige BHC-Bundesligaspiel, das Christopher Rudeck in sieben Jahren verpasst hat (Corona).

Die dritte Hilfestellung

Gerade schien der BHC zu alter Stärke zurückgefunden zu haben, da setzte es beim nächsten strauchelnden Kontrahenten eine empfindliche Niederlage. 26:27 hieß es beim abstiegsbedrohten TVB Stuttgart. „Die alte Geschichte. Wir helfen anderen. Dasselbe werden wir am Ende der Saison auch noch gegen Melsungen machen.“

Die schönsten Siege

Einem 25:38 in Magdeburg ließ die Mannschaft einen 25:23-Erfolg über die TSV Hannover-Burgdorf folgen. „Das war schön, weil wir ein verloren geglaubtes Spiel noch gedreht haben – auch, wenn Hannover geschwächt antrat.“

Noch euphorischer sind allerdings die Erinnerungen an das 27:23 in Wetzlar. „Da waren die Vorzeichen schlecht, wir waren ohne Trainer dort, Tom Kare Nikolaisen fehlte auch. Aber wir konnten mit der Situation befreit umgehen und haben alle noch fokussierter gespielt. Jeder wollte noch ein bisschen mehr beitragen. Das kann komplett in die Hose gehen – ist es aber nicht. So war es der schönste Sieg.“ Und für Rudeck das beste Spiel, wenn es um Paraden aus sechs Metern ging.

Die sporadischen Highlights

Wechselhaft verliefen die letzten Wochen der Saison. Schwächere Leistungen (23:30 in Erlangen, 25:26 gegen Minden, 24:31 gegen Melsungen) wechselten sich mit stärkeren (29:21 gegen Balingen, 26:22 in Leipzig) ab. „Wichtig war der Sieg gegen Balingen. Da waren wir nicht nur gut, sondern haben uns auch endgültig aus dem Abstiegskampf verabschiedet.“

Ein letzter Paukenschlag

Als gar keiner mehr damit gerechnet hatte, siegten die Löwen zum ersten Mal in ihrer Historie in Flensburg. Das 24:21 passt ins Bild. „Früher wusste man immer, was man von uns bekommt. Typisch wären gute Spiele, aber knappe Niederlagen in Leipzig und Flensburg gewesen, davor jedoch ein souveräner Erfolg über Minden. Aber in dieser Saison war alles anders. Man kann vielleicht sagen, dass unser Selbstbild nicht stimmt.“

Dazu auch: Saison 2022/23: BHC steht vor dem größten Umbruch seit fünf Jahren

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