Handball

Bergischer HC tritt vor leeren Rängen an

Linus Arnesson und der Bergische HC werden wie beim Testspiel gegen Wetzlar auf Unterstützung von außen verzichten müssen. Foto: Andreas Fischer
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Linus Arnesson und der Bergische HC werden wie beim Testspiel gegen Wetzlar auf Unterstützung von außen verzichten müssen.

Bundesliga: Stadt und Verein müssen sich den Vorgaben des Landes beugen.

Von Thomas Rademacher

Lange hatte die Stadt Solingen die Entscheidung am Dienstag hinausgezögert. Doch letztlich mussten die 950 bereits im Vorfeld registrierten Zuschauer für die Partie des Bergischen HC gegen den HC Erlangen wieder ausgeladen werden. Damit findet das erste Heimspiel der Löwen-Handballer in der noch jungen Bundesliga-Saison an diesem Mittwoch (19 Uhr) vor leeren Rängen statt. Der gestiegene Inzidenzwert (Covid-19-Ansteckungen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen) auf knapp unter 50 und die Vorgaben des Landes NRW haben die Entscheidung unausweichlich gemacht.

„Damit sind sechs Wochen harte Arbeit umsonst gewesen.“
Jörg Föste, BHC-Geschäftsführer

„Damit sind sechs Wochen harte Arbeit umsonst gewesen“, sagt Jörg Föste. „Das ist eine sehr traurige Mitteilung für alle, die an der Partie beteiligt sind.“ Der BHC-Geschäftsführer schließt dabei auch die Stadt Solingen ein. „Ob im Gesundheitsamt, Ordnungsamt oder Büro des Oberbürgermeisters: Es gibt niemanden, der nicht alles in seinen Kräften Stehende getan hätte, um das Event doch noch wie geplant stattfinden zu lassen.“

Die Entscheidung sei nach einem Gespräch mit NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann gefallen. „Es handelt sich um eine Ordnungsverfügung des Landes. Die ist bindend“, sagt Föste. „Wir haben damit argumentiert, dass wir die Klingenhalle am Mittwoch im Prinzip zu einem Hochsicherheitstrakt machen, um das Infektionsrisiko auf ein Minimum zu reduzieren.“ Genutzt hat es nichts. Das Spiel wird für die Fans live nur am Fernsehbildschirm zu sehen sein. „Wir können nur das tun, was in unserer Kraft steht. Letztlich ist es wie bei vielen Dingen in den vergangenen Monaten. Wir sind komplett fremdbestimmt.“

Akribisch hatte der Club in den vergangenen Wochen jeden VIP- und Dauerkarteninhaber einzeln angeschrieben. Es galt, die Tickets zu personalisieren, Änderungswünsche zu bearbeiten und die Zuschauer entsprechend des Hygienekonzepts in der Halle zu platzieren. Föste: „Wir wollten unseren Fans nach dem fulminanten Saisonstart in Magdeburg unbedingt die Möglichkeit geben, beim ersten Heimspiel dabei zu sein. Es ist wirklich höchstbedauerlich, dass die damit verbundene Arbeit nicht honoriert wird.“

Die Partie wird freilich trotzdem stattfinden. Die komplette Mannschaft sowie deren engster Kern wurde erneut komplett negativ auf Covid-19 getestet. „Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass wir irgendwie Heimspiel-Atmosphäre simulieren“, sagt Föste. Immerhin die Ehrenamtlichen, die für den Auf- und Abbau in der Klingenhalle zuständig sind, dürfen dabei sein. Musik-Einspieler wird es ebenso geben, und Hallensprecher Jens Scheffler soll zur Höchstform auflaufen. „Auf ihn wird bei der Erzeugung von Stimmung viel ankommen“, weiß Föste. „Es könnte eines seiner wichtigsten Spiele sein, bei dem er je am Mikrofon stand.“

Abgesehen von den genannten Personen und den aktiv Beteiligten sind nur Medienvertreter bei dem Spiel zugelassen. Dass die Atmosphäre nicht mit einem normalen Spiel in der berüchtigten Klingenhalle gleichzusetzen sein wird, steht außer Frage. „Wir hatten uns das natürlich ganz anders vorgestellt, müssen die Situation aber jetzt so annehmen“, sagt Torhüter Christopher Rudeck. „Die Mannschaft, die es schafft, trotz der leeren Ränge in den Wettkampfmodus zu kommen, wird einen Vorteil haben. Ich bin aber überzeugt, dass wir das schaffen können.“

Kommentar: Ein falsches Signal

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Von Thomas Rademacher

Dass die Stadt Solingen und der Bergische HC sich der Weisung des Landes und den Vorgaben der Coronaschutzverordnung beugen müssen, ist klar. Dass die Regel, ab einer 35er-Inzidenz keine Zuschauer bei bundesweiten Sportwettbewerben hereinlassen zu dürfen, in dieser Form existiert, ist allerdings ein weiterer Schlag ins Gesicht aller Beteiligter. Man könnte nun sagen, es sei das falsche Signal, wenn Publikum eingelassen würde. Das Gegenteil aber ist der Fall. Das falsche Signal ist das Verbot. 

Die Klingenhalle mit 950 Zuschauern wäre im Sinne des Infektionsschutzes am Mittwochabend einer der sichersten Orte. Sicherer als jedes Restaurant, jede Hochzeit oder Geburtstagsfeier – sogar sicherer als private Treffen zum Handball-Gucken. In der Halle hätte ein ausgeklügeltes Hygienekonzept gegolten. Warum das nicht reichen soll, ist unerklärlich.

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