Abbruch der Bundesliga

Bergischer HC sieht sich für die Krise gerüstet

Bergischer HC sieht sich für die Krise gerüstet
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Pressekonferenz in Zeiten der Corona-Pandemie: Vorbildlich präsentieren sich das Geschäftsführer-Gespann Philipp Tychy (l.) und Jörg Föste (M.) sowie Trainer Sebastian Hinze mit Maske und Abstand.

400.000 Euro könnte den Club der Abbruch der Bundesliga kosten. Der Fokus liegt nun auf einem Saisonstart Anfang September.

Von Thomas Rademacher

Es sei ein trauriger und stolzer Tag zugleich gewesen, eröffnet Jörg Föste die Pressekonferenz des Bergischen HC mit Blick auf den Dienstag, als die Saison in der Handball-Bundesliga (HBL) endgültig abgebrochen wurde. „Traurig, weil dieser Schritt zum ersten Mal in 54 Jahren (die HBL wurde 1966 gegründet, Anm. d. Red.) notwendig war“, erläutert der BHC-Geschäftsführer. „Stolz, weil die Entscheidung mit einer sehr großen Mehrheit gefällt wurde.“ Eine Solidarität unter den Clubs sei spürbar.

Föste untermauert noch einmal, dass der Abbruch aufgrund der Corona-Pandemie alternativlos gewesen sei. „Auch wir haben uns frühzeitig darauf festgelegt.“ Dabei hätten wirtschaftliche Aspekte eine untergeordnete Rolle gespielt. „Es geschah aus gesellschaftlicher Verantwortung. Zum einen haben wir eine Fürsorgepflicht den Spielern gegenüber.“ In Windeseile hätten die Profis wieder auf ihr altes Leistungslevel gebracht werden müssen, was ein erhöhtes Verletzungsrisiko zur Folge haben würde.

„Zum anderen ist in der derzeitigen Lage ein Teamtraining überhaupt nicht angedacht. Es wäre auch das falsche Zeichen an die Gesellschaft“, sagt Föste. „Daher haben wir auch nicht mehr nachgerechnet, ob ein Weiterspielen unter drastischen Auflagen oder ein Abbruch wirtschaftlich sinnvoller ist. Unser Entschluss stand sowieso schon fest.“

Wie viel den BHC der Abbruch kosten wird, kann der 59-Jährige nur schätzen: „Wir rechnen mit Einbußen von 300 000 bis 400 000 Euro.“ Vor allem die vier nun ausfallenden Heimspiele schlagen ins Kontor. Zuschauer-Erlöse fehlen genauso wie Einnahmen aus der Zentralvermarktung (wie Fernsehgelder) sowie Sponsoren-Gelder, die auf einzelne Spieltage bezogen sind. „Die staatlichen Subventionen – wie Kurzarbeiter-Geld – verschaffen etwas Linderung, doch wie hoch diese genau ausfallen, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.“

Föste freut sich über die Solidarität

Große Freude herrscht beim Geschäftsführer angesichts der Solidarität, die er aus dem Partner-Pool und vonseiten der Fans verspürt: „Kein Partner möchte Geld zurückhaben, und bei den Tagestickets sowie Dauerkarten haben wir bisher nur wenige Rückläufer.“ Dadurch seien die Einbußen gerade auch im Vergleich mit anderen Bundesligisten geringer.

Sorgen bereitet Föste aber eine Forderung der Berufsgenossenschaft, die den Beitrag rückwirkend für 2019 erhöht hat. „Das betrifft alle Profivereine und würde uns einen fünfstelligen Betrag kosten“, erläutert Föste. „In dieser Größenordnung habe ich das noch nie erlebt.“ Auf politischer Ebene regt sich bereits breiter Widerstand – ansonsten wären die Beträge am 15. Mai fällig.

Grundsätzlich aber sehen sich die Löwen für die Krise gerüstet. „Das liegt vor allem an der positiven wirtschaftlichen Entwicklung der vergangenen drei bis vier Jahre“, sagt der Handball-Funktionär. Gerechnet hatte der Club in dieser Saison mit einem Gesamterlös von knapp vier Millionen Euro – wenn die Saison normal zu Ende gespielt worden wäre. Die Prognose vor der Saison hatte bei 3,6 Millionen Euro gelegen.

Löwen möchten im September vor Zuschauern spielen

So bleibt es offen, ob der BHC auf Hilfen angewiesen sein wird. Um die Liquidität zu erhöhen, haben die Gesellschafter einen Kredit von 500 000 Euro gewährt. Außerdem soll bei der KfW-Bank die gleiche Summe beantragt werden. „Dabei handelt es sich um eine Vorsichtsmaßnahme, die nach aktuellem Stand nicht notwendig ist“, betont Föste, dem es besonders am Herzen liegt, die über die vergangenen Jahre erarbeitete Struktur in die nächste Saison zu übertragen.

„Wir planen fest mit einem Saisonstart Anfang September – natürlich vor Zuschauern“, sagt der 59-Jährige. „Wir orientieren uns am Berliner Modell, nach dem Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern bis Ende August und mit mehr als 5000 Fans bis zum 24. Oktober untersagt bleiben.“ Unter welchen Auflagen die Spiele dann durchgeführt werden können, ist natürlich noch nicht geklärt. Es gilt, zu differenzieren: „4000 Zuschauer in einer großen Arena sind anders zu bewerten als in der Unihalle.“ Generell rechnet Föste mit einer deutlichen Verschärfung der Hygiene-Vorgaben.

RUND UM DEN BHC

ABSCHIEDE Für Kapitän Kristian Nippes, Rafael Baena und Leos Petrovsky ist die 26:28-Niederlage beim HC Erlangen jeweils das letzte Spiel im BHC-Trikot gewesen. Eine klassische Verabschiedung kann es nicht geben. „Ich bin mir sicher, wir werden irgendetwas machen“, sagt Trainer Sebastian Hinze. Für Nippes ist es besonders bitter. Der Solinger beendet seine Karriere.

Sebastian Hinze benötigt viel Feingefühl in der Planung

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