Handball-Bundesliga

Bergischer Kraftakt bleibt bei der MT unbelohnt

David Schmidt gehörte zu den Aktivposten beim Bergischen HC. Dem Linkshänder gelang nicht alles, doch auch seine acht Tore hielten die Löwen im Spiel. Foto: Mathias M. Lehmann
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David Schmidt gehörte zu den Aktivposten beim Bergischen HC. Dem Linkshänder gelang nicht alles, doch auch seine acht Tore hielten die Löwen im Spiel.

Der BHC unterliegt bei der MT Melsungen mit 31:32 – zum Schluss fehlt eine entscheidende Abwehraktion.

Aus Kassel berichtet Thomas Rademacher

David Schmidt sucht nach der Bundesliga-Partie seines Bergischen HC bei der MT Melsungen nach den passenden Worten. „Das ist eine der bittersten Niederlagen, die ich bisher einstecken musste“, sagt der Rückraumspieler über die knappe 31:32-Niederlage. „Das ist unheimlich bitter. Wir haben unheimlich viel investiert, unfassbar gekämpft, stehen aber mal wieder mit nichts da. Auch wenn es gegen ein Topteam war, das ist völlig egal.“

Einen kleinen Kraftakt musste der BHC bereits in der ersten Halbzeit vollbringen. Zwar gingen die Gäste schnell durch Jeffrey Boomhouwer per Siebenmeter und einen Gegenstoß von Max Darj 2:0 in Führung, doch Schmidt vergab nach einem weiteren technischen Fehler der Melsunger das mögliche 3:0. Und in der Folge waren es dann eher die Löwen, die sich entscheidende Fehler leisteten. So warf Tomas Babak in den Block, Schmidt verlor den Ball, und einige gute Chancen führten nicht zum Erfolg.

Silvio Heinevetter entschärfte diverse BHC-Gelegenheiten und war damit ein wichtiger Faktor in den ersten Minuten. Protagonist war er auch, als Boomhouwer beim 6:8-Rückstand zum Strafwurf antrat und den Nationaltorhüter im Gesicht traf. Nach kurzer Beratung verwiesen die Unparteiischen den Niederländer vom Feld – eine vertretbare Entscheidung. Als die Löwen in der Unterzahl noch deutlicher in Rückstand gerieten und Yves Kunkel nach einem Passfehler Babaks auf 11:7 für die Gastgeber stellte, deutete sich bereits eine Weichenstellung an.

Doch die Bergischen erholten sich und hatten in Schmidt, der zu Beginn noch glücklos agiert hatte, einen Spieler, der die Verantwortung übernahm. Der Linkshänder verkürzte auf 10:13, 11:14, 13:14 sowie 15:16. Und auch der für Boomhouwer linksaußen spielende Sebastian Damm tankte bei einem Konter Selbstvertrauen im Abschluss. Gleiches galt während der gesamten Begegnung für Yannick Fraatz. Der 21-Jährige nutzte seine Chance auf der rechten Außenbahn, wo er den verhinderten Arnor Gunnarsson (| Kasten) mit einer 100-prozentigen Wurfquote würdig vertrat.

Nach der Pause hatte der BHC in Überzahl die Chance, auf ein Tor zu verkürzen. Zunächst scheiterte Damm, dann misslangen gleich zwei Anspiele in Folge. Melsungen antwortete jeweils konsequent – womit die Geschichte Ähnlichkeiten zu den beiden Partien zuvor gegen Kiel und Berlin hatte, als die Löwen das Duell jeweils unmittelbar nach Wiederanpfiff aus der Hand gegeben hatten. Fraatz per Siebenmeter und mit viel Gewalt Schmidt zum 18:20 sorgten aber dafür, dass die Löwen nicht abreißen lassen mussten.

Fraatz trifft drei Mal zum Anschluss, doch der Ausgleich fällt nicht

Die Wende deutete sich in der Kasseler Rothenbach-Arena mehrere Male an. Fraatz schaffte das Anschlusstor, Christopher Rudeck parierte einen Siebenmeter von Timo Kastening. Nach einem Fehler und einem Wurf über das Tor von Fabian Gutbrod zogen die Hausherren wieder auf drei Treffer weg. Fraatz aber blieb bei seinen Abschlüssen unheimlich abgezockt. Er verwandelte zum 22:23, 23:24 und 26:27 – beim 27:28 soll er im Kreis gestanden haben, doch dann war es Damm, der erneut zum Anschluss verwandelte.

Der Ausgleich lag auch nach Gutbrods und Schmidts Anschlusstreffern in der Luft. Aber in der Defensive gelang den Löwen nicht die entscheidende Aktion, um die MT zu stoppen. So war es Timo Kastening, der immer wieder auf zwei Tore Unterschied für die Melsunger stellte – ob von außen oder per Einläufer an den Kreis.

Die Löwen mussten in den Schlusssekunden eine Wurffalle stellen. Rudeck parierte, doch es waren nur noch fünf Sekunden, um das 32:32 zu markieren. Einen Wurf gab es nicht mehr. Melsungen jubelte, der BHC haderte angesichts der vierten Niederlage in Serie.

Geburtstage

Nachwuchs: Dass Linus Arnesson, Daniel Fontaine und Alexander Weck verletzungsbedingt ausfallen würden, hatte bereits im Vorfeld der Partie festgestanden. Kurzfristig im Bergischen Land blieb außerdem Arnor Gunnarsson. Die Geburt seines zweiten Kindes, einem Sohn, stand kurz bevor.

Rundung: Jörg Föste nahm die Fahrt nach Kassel an seinem 60. Geburtstag auf sich. Der Geschäftsführer organisierte nach der Partie in der Halle ein Essen für das Team.

Meinung: The Show must go on

Von Thomas Rademacher

Es sind besondere Umstände, mit denen auch Profisportler in diesen Tagen umgehen müssen. So ist die MT Melsungen erst am Mittwoch aus einer zweiwöchigen Quarantäne gekommen.

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Das für Donnerstag angesetzte Duell in der Handball-Bundesliga gegen den Bergischen HC wurde deshalb auf Sonntag verlegt. Das ist fair der MT gegenüber. Umso merkwürdiger mutet es an, dass Trainer Gudmundur Gudmundsson im Vorfeld der Begegnung die Quarantäne mit einem Gefängnis verglich und die Angst um die Gesundheit seiner Spieler zum Ausdruck brachte. 

Anstatt die Verlegung, die auch die BHC-Pläne beeinflusst hat, zu würdigen, womöglich sogar Dankbarkeit zu zeigen, sprach der MT-Coach von einem „klaren Wettbewerbsnachteil.“ Angesichts der für alle Teams ungewohnten Lage handelt es sich um Jammern auf hohem Niveau – zumal sich doch alle einig sind, dass die Show, die maßgeblich zum Überleben der Vereine beiträgt, weitergehen soll. Derlei selbstgerechte Kommentare erweisen dem Handball also generell einen Bärendienst. Ein wenig mehr Größe wäre wünschenswert.

Stimmen: Der MT-Trainer spricht von einem Riesen-Sieg.

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