Handball

Bergischer HC zittert sich zu zwei Punkten

Isak Persson dreht nach seinem Treffer zum 23:21 jubelnd ab – in diesem Moment scheint der Bergische HC zum wiederholten Male die Weichen Richtung Sieg zu stellen. Doch zum Schluss entscheidet trotzdem ein Pfostenwurf.
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Isak Persson dreht nach seinem Treffer zum 23:21 jubelnd ab – in diesem Moment scheint der Bergische HC zum wiederholten Male die Weichen Richtung Sieg zu stellen. Doch zum Schluss entscheidet trotzdem ein Pfostenwurf.

Bundesliga: Die Löwen ringen die HSG Wetzlar in einem Kampfspiel mit 24:23 (12:9) nieder.

Von Thomas Rademacher

Drei Mal hatte der Bergische HC die Chance, das Bundesligaspiel gegen die HSG Wetzlar in seine Bahnen zu lenken. Doch weder das 12:9 zur Pause noch das 20:16 Mitte der zweiten Halbzeit oder das 23:21 dreieinhalb Minuten vor Schluss genügten. Nachdem Tomas Babak den letzten BHC-Angriff dank einer überragenden Eins-gegen-Eins-Situation zum 24:23 abgeschlossen hatte, gehörte den Gästen der letzte Angriff. Sie machten fast alles richtig, Jonas Schelker schloss ab, die anvisierte Ecke war frei. Doch der Ball prallte an den Pfosten und landete in den Händen von Tom Kare Nikolaisen, der ihn eine Sekunde später vor Freude auf den Boden knallte. Die Schlusssirene ertönte, der Bergische HC war glücklicher 24:23 (12:9)-Sieger – die Bundesliga-Punkte fünf und sechs sorgten für spürbare Erleichterung.

Eine solch heiße Schlussphase hatte sich zunächst nicht abgezeichnet. Fast 22 Minuten war die Partie extrem zäh. 6:5 führten die Gastgeber. Die Mannschaften rieben sich aneinander auf und hatten zudem in ihren Torhütern zwei Protagonisten. Christopher Rudeck aufseiten der Löwen und Till Klimpke zwischen den Pfosten der Mittelhessen parierten zwischendurch überragend. Trotzdem konnte BHC-Coach Jamal Naji nicht zufrieden sein, so dass er eine Auszeit nahm, die viel veränderte.

Hatten die Bergischen zunächst unheimlich viele freie Gelegenheiten zum Beispiel durch Tom Kare Nikolaisen, Djibril M'Bengue, Isak Persson und Noah Beyer ausgelassen, fanden sie kurz vor Najis Auszeit auch kaum noch Lösungen. Um seinem Team Sicherheit zu verschaffen, setzte der Trainer auf das taktische Mittel des siebten Feldspielers. Das Rezept ging auf. Der BHC nutzte die dadurch entstehenden Überzahl-Situationen mit einer bemerkenswerten Sicherheit. Frederik Ladefoged, zwei Mal Alexander Weck, Beyer, Nikolaisen und Linus Arnesson trafen, während die Gäste sich kaum nennenswert verbesserten. Sie profitierten allerdings zwei Mal davon, dass die Löwen es nach ihren Toren nicht rechtzeitig schafften, Torhüter Rudeck wieder zwischen die Pfosten zu bekommen.

Der 12:9-Vorsprung zur Pause war folgerichtig – wenige Hundertstelsekunden fehlten, um sogar mit einer Vier-Tore-Führung in die Kabine zu gehen. M'Bengues Nachwurf soll ganz knapp zu spät im Netz gewesen sein. Auch nach Wiederanpfiff setzten die Löwen zunächst auf den siebten Feldspieler. Nachdem Klimpke aber gegen M'Bengue und Tomas Babak pariert hatte, gingen sie wieder zurück in den Angriff mit sechs Spielern. Sie hatten nun jedoch erneut Probleme, gute Möglichkeiten herauszuarbeiten. Außerdem war das Abpraller-Glück auf der anderen Seite bei den Gästen, die herankamen und beim 15:15 wieder ausglichen.

Babak drückte der Partie nun seinen Stempel auf. Der Tscheche setzte sich mit einem spektakulären Zweikampf zum 17:15 durch, in der Abwehr blieb der Zugriff hoch. Das 20:16 brachte aber wieder keine Sicherheit. Die Gäste nutzten eine sehr offensiv eingestellte Deckung, um heranzukommen. Sogar eine Siebenmeter-Parade von Rudeck stoppte die Truppe nicht. Beim 21:21 war wieder alles offen – die Partie glich nun einer Handballschlacht mit 1687 frenetischen Fans. Die bejubelten Nikolaisens 22:21 genauso wie Lenny Rubins Pfostenwurf, den Linus Arnesson zum Konterpass auf Isak Persson nutzte. Die Messe war trotzdem noch nicht gelesen. Der entscheidende Pfostenwurf kam noch. Es wäre der dritte Buzzer-Beater für einen BHC-Gegner in dieser Saison gewesen. „Das war wirklich einfach nur Glück“, meinte Tomas Babak. „Aber das braucht man manchmal und ist für uns extrem wichtig.“

Christopher Rudeck (r.) bot sich mit Till Klimpke im Wetzlarer Gehäuse ein Torhüter-Duell auf Augenhöhe.

Rudeck: „Ich hätte eine Woche mit keinem mehr geredet“

-trd- Als Jonas Schelker das 24:24 für die HSG Wetzlar in den letzten Sekunden in der Hand hatte, hielten die knapp 1700 Zuschauer in der Wuppertaler Unihalle den Atem an. Der Innenblock war genauso geschlagen wie Christopher Rudeck im BHC-Tor, doch der Ball schlug am Pfosten ein und beendete eine vom Kampf geprägte Partie zugunsten der Löwen. „Das war ein Produkt unserer Leidenschaft“, meinte Geschäftsführer Jörg Föste. „Dass der Ball an den Pfosten prallte, hatten wir uns in diesem Spiel einfach verdient.“

Der 61-Jährige bezog sich dabei vor allem auf die Abwehrleistung, die über 60 Minuten stimmte. „Ich habe mich gut gefühlt, wir haben uns in der Deckung gut gefühlt“, beschrieb Torhüter Christopher Rudeck, der mit elf Paraden großen Anteil am Sieg seines BHC hatte. „Wir haben phasenweise alles richtig gemacht, Wetzlar hat mich abgeschossen, weil ich nur eine Ecke des Gehäuses verteidigen musste. Aber trotzdem ist es uns nicht gelungen, vorne die Handbremse zu lösen.“

Die Produktivität im Angriff blieb nahezu konstant unterdurchschnittlich. „Wir hätten es niemals auf den letzten Wurf ankommen lassen dürfen. Das muss man schon sagen“, betonte Rudeck und stieß damit ins gleiche Horn wie Jamal Naji. „Wir müssen den Sack früher zumachen“, sagte der Trainer und bemängelte fehlende Cleverness: „Gegen die offensive Wetzlarer Deckung haben wir den Kopf verloren.“

Es reichte trotzdem, weil der BHC ganz zum Schluss dann auch das vielzitierte Spielglück hatte. „Dass Tomas Babak das 24:23 erzielt hat, war ganz wichtig“, sagte Rudeck. „Dadurch war ein Punkt sicher. Der Pfostenschuss war dann das Quäntchen Glück, das hoffentlich der Startschuss für eine gute Phase von uns ist.“ Nicht auszudenken, wenn der BHC diese Partie noch verloren hätte. „Ich hätte eine Woche mit keinem mehr geredet“, malte sich der Keeper aus. Doch dazu kommt es nun nicht. Stattdessen hat das Team die Gewissheit, knappe Spiele für sich entscheiden zu können. „Manchmal ist ein so dreckiger Sieg vielleicht sogar besser als einer mit sechs oder sieben Toren Abstand“, prognostizierte Naji.

Personal

Keine Überraschungen hielt der Kader des Bergischen HC bereit. Lukas Stutzke und Simen Schönningsen hatten als Ausfälle ohnehin festgestanden, bei Csaba Szücs fiel die Entscheidung kurzfristiger. Nach einem Sehnenriss am Fuß ist das Abwehr-Ass aber noch nicht wieder richtig fit.

Meinung: Wichtige Zähler

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Der 24:23-Erfolg gegen die HSG Wetzlar könnte ein Knotenlöser für den Bergischen HC gewesen sein. Nicht, weil die Mannschaft überragend auftrat. Das tat sie insbesondere im Angriff weniger. Vielmehr, weil sie es geschafft hat, den Sieg irgendwie ins Ziel zu bringen. Die Gewissheit, dass man auch selbst Spielglück haben kann, ist gut fürs Gemüt – und vor allem: Bis Sonntagnachmittag hatten es die Löwen in dieser Saison noch nicht. Insofern kann der Sieg für die nächsten drei ebenfalls lösbaren Aufgaben richtungsweisend sein. Wichtig ist er allemal, weil andere Teams im Tabellenkeller sensationell gepunktet haben. So bleibt der BHC auch tabellarisch in der Komfortzone.

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