Handball

Bergischer HC stoppt die Leipziger Show

Mit diesem BHC-Jubelkreis in Leipzig hatten wohl nur wenige gerechnet. Die Löwen überzeugten durch die Bank und sorgten damit für Frust beim SC DHfK und dessen Fans.
+
Mit diesem BHC-Jubelkreis in Leipzig hatten wohl nur wenige gerechnet. Die Löwen überzeugten durch die Bank und sorgten damit für Frust beim SC DHfK und dessen Fans.

Handball-Bundesliga: Die Löwen beeindrucken mit einem 32:27 (17:17)-Erfolg beim SC DHfK.

Von Thomas Rademacher

Sechs Mal in Folge hatte der SC DHfK Leipzig in der Handball-Bundesliga unter seinem neuen Trainer Runar Sigtryggsson gewonnen. Die Serie endete am Sonntagabend gegen den BHC. Die Löwen zeigten eine beeindruckende Vorstellung nach der 18:31-Pleite gegen die SG Flensburg-Handewitt, steigerten sich in der zweiten Halbzeit in der Deckung, legten aber vor allem eine nahezu durchgängig starke Angriffsleistung hin. Angeführt von Spielmacher Tomas Babak und einem in der zweiten Halbzeit aufdrehenden Peter Johannesson zwischen den Pfosten sorgten die Bergischen beim 32:27 (17:17) für erste dicke Überraschung ihrer Saison.

Geprägt von guten Offensivaktionen war bereits die erste Hälfte. Babak strahlte Torgefahr aus, kreierte aber auch viel. Sehenswert setzten die Löwen den Kreis und ihre Rückraum-Schützen in Szene. Djibril M'Bengue traf mit brachialer Gewalt. Lukas Stutzke war für die Durchbrüche zuständig. Kurzum: Der Angriff funktionierte bei den Gästen, die selektiv auch ins Tempo gingen und kurz vor der Pause sogar das Spielglück auf ihrer Seite hatten. Nach einem Ballgewinn startete Stutzke durch und glich in letzter Sekunde zum 17:17 aus.

Auf der anderen Seite des Feldes waren allerdings auch die Leipziger kaum zu stoppen. Als letzte Instanz der Defensive entschärfte Torhüter Christopher Rudeck sieben Würfe inklusive eines Siebenmeters, doch die herausgespielten Abschlüsse des SC DHfK waren überwiegend zwingend. Die Partie, die mit Ausnahme weniger Phasen auf einem hohen Niveau geführt wurde, konnte doch kaum nach Wiederanpfiff so weitergehen. Oder doch? Beim BHC schon. Ein Fehlpass von M'Bengue lud die Gastgeber zwar zum Gegenstoß ein, doch gleich der nächste Angriff wurde durch Babak wieder genutzt. Der schon Ende der ersten Halbzeit zwischen den Pfosten eingewechselte Peter Johannesson hielt nun auch, und zwei Mal in Folge traf Tom Kare Nikolaisen zur neuerlichen BHC-Führung (20:19).

Die Hausherren antworteten zwar mit der schnellen Mitte und hatten durch Mohamed El-Tayar eine spektakuläre Parade gegen Noah Beyer, aber der BHC erarbeitete sich nun ein Übergewicht. Tom Bergner vollendete einen Gegenstoß nach einem Ballgewinn Stutzkes. Babak tanzte die Deckung zum 22:20 aus.

Leipzig stellte auf eine 5:1-Abwehr um, doch auch das beeindruckte die Bergischen kaum. Stutzke traf sogar bei angezeigtem passiven Spiel zum 24:21. Vor allem aber gelangen den Gästen mit Unterstützung des heiß laufenden Johannesson nun noch mehr Ballgewinne in der Abwehr. Einen davon nutzte Beyer, ein komplett überraschender Kempa-Trick glückte hauchdünn nicht.

Peter Johannesson drehte in der zweiten Halbzeit auf und schraubte seine Fangquote auf knapp 48 Prozent hoch.

Den offensiven Fluss stoppte dies aber nicht, und vor allem reagierten die Leipziger mehr und mehr verzweifelt. Sie kamen kaum noch zu guten Lösungen und mussten sich spätestens nach Fabian Gutbrods 31:25 gut fünf Minuten vor dem Ende mit der Niederlage anfreunden.

Für den BHC war das Spiel in doppelter Hinsicht ein Ausrufezeichen: Zum einen zeigten sie nach der deftigen Heimniederlage gegen Flensburg eine spektakuläre Reaktion, zum anderen stoppten sie die seit mehr als einem Monat anhaltende Leipziger Show in bemerkenswert souveräner Manier. Am Schluss war es in der Leipziger Arena mucksmäuschenstill. Das darf als Qualitätssiegel verstanden werden. „Wir haben alle daran geglaubt“, betonte Peter Johannesson. „Es war eine starke Teamleistung.“

„Das Spielglück haben wir uns durch den Auftritt verdient“

Stimmen zum Spiel

-trd- Hochzufrieden waren die Profis des Bergischen HC nach dem 31:27-Erfolg beim SC DHfK Leipzig. „Unabhängig vom Ergebnis bin ich sehr stolz auf die gesamte Mannschaft“, sagte Kapitän Fabian Gutbrod. „Weil wir nach der Leistung gegen Flensburg eine solche Reaktion gezeigt haben.“ Die 18:31-Pleite hatte allen vor einer Woche zugesetzt. „Das darf so nicht passieren“, weiß Torhüter Peter Johannesson. „Aber wir sind zusammengerückt. Das hat heute richtig Spaß gemacht.“

Logisch: Denn nicht alle Tage punktet man auswärts gegen eine Mannschaft, die sechs Mal in Folge gewonnen hat. „Ich hatte eigentlich gar kein Gefühl vorher“, meinte Gutbrod. „Es hätte vieles passieren können, denn Leipzig hat gut gespielt und viele enge Begegnungen für sich entschieden. Aber ich hatte gehofft, dass wir alles reinwerfen – das haben wir getan und letztlich hochverdient gewonnen. Wir waren über 60 Minuten die bessere Mannschaft.“ Der 34-Jährige lobte außerdem die taktischen Änderungen, die Coach Jamal Naji und Co-Trainer Peer Pütz während des Spiels vornahmen. „Da hatten wir immer die richtige Antwort.“

Für Begeisterung sorgte bei Gutbrod auch Tomas Babak, der vor allem, als Leipzig auf eine 5:1-Deckung umgestellt hatte, mit seinem „überragenden Eins-gegen-Eins-Verhalten dafür gesorgt hat, dass sie wieder zurückstellen mussten“. Dass dann auch noch an der einen oder anderen Stelle Fortune hinzukam, passte ins Bild. „Das Spielglück haben wir uns durch den Auftritt verdient“, betonte Gutbrod.

Glücklich war freilich auch Babak, der meinte: „Das war das Gegenteil von Flensburg. Wir waren von Anfang an vorne sehr gut und hatten 60 Minuten Selbstvertrauen. Und dann kam auch die Abwehr gut ins Spiel.“ Darin hat Naji den Schlüssel zum Sieg gesehen. „Selbst wenn im Angriff nicht mehr alles funktionierte, hatten wir immer den Glauben in unsere Abwehrqualität“, fand der Trainer. „Die war in der zweiten Halbzeit ausschlaggebend.“

Leipzigs Coach Runar Sigtryggsson musste nach seiner ersten Niederlage schlucken und einsehen: „Das war ziemlich bitter.“

Personal

Linus Arnesson trat die Reise nach Leipzig aufgrund seiner Bauchmuskelverletzung nicht an. Auch Csaba Szücs fehlte erneut. Vom BHC II mit dabei war Aaron Exner, der zum Schluss sogar per Siebenmeter sein erstes Bundesliga-Tor erzielte.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Löwen arbeiten in stattlicher Runde
Löwen arbeiten in stattlicher Runde
Löwen arbeiten in stattlicher Runde
Bergischer HC arbeitet den Fehlstart solide auf
Bergischer HC arbeitet den Fehlstart solide auf
Bergischer HC arbeitet den Fehlstart solide auf
WM: Stutzke verhilft Deutschland zum fünften Rang
WM: Stutzke verhilft Deutschland zum fünften Rang
WM: Stutzke verhilft Deutschland zum fünften Rang

Kommentare