Handball

Bergischer HC kassiert eine brutale Klatsche

Nicht nur für Simen Schönningsen war es ein gebrauchter Tag – der Bergische HC bekam in Hamburg offensiv fast nichts hin.
+
Nicht nur für Simen Schönningsen war es ein gebrauchter Tag – der Bergische HC bekam in Hamburg offensiv fast nichts hin.

Der HSV Hamburg fegt die Löwen mit 33:23 (15:11) aus der Barclays Arena.

Aus Hamburg berichtet Thomas Rademacher

Nach knapp einer Viertelstunde nahm Torsten Jansen die erste Auszeit der Partie. Der Trainer des HSV Hamburg war unzufrieden, obwohl seine Mannschaft mit 7:5 gegen den Bergischen HC führte. Eine Tatsache, die nicht für die Gäste sprach – und auch ins Bild passte. Die Löwen leisteten sich unheimlich viele Fehler, mit denen sie die Hanseaten zum Tore werfen einluden. Nach einer ersten Halbzeit, die offensiv fast zum Vergessen war, gerieten die Gäste letztlich sogar noch drastischer unter die Räder. Das 23:33 (11:15) war ohne Zweifel der bisherige Tiefpunkt der Saison aus BHC-Sicht.

Dass die Bergischen zur Pause lediglich mit 11:15 hinten lagen, durfte angesichts des Spielverlaufs beinahe noch als Erfolg gewertet werden. In der Deckung machten die Bergischen den Hausherren phasenweise das Leben sehr schwer, auch wenn Torhüter Christopher Rudeck bei einigen Paraden Pech hatte, weil der Ball genau zum Gegner zurücksprang. Was der BHC allerdings offensiv bot, hätte in wohl keinem Bundesligaspiel zum ansprechenden Halbzeitresultat gereicht. Tomas Babak, Linus Arnesson und Simen Schönningsen leisteten sich reichlich Fehlpässe, die Hamburg zum Beispiel durch Casper Mortensen und Dani Baijens im Gegenstoß nutzte.

Lukas Stutzke war einziger BHCer, der mit Biss und Durchsetzungsvermögen Richtung Tor zog oder den Abschluss entschieden suchte. Der Rest des Teams blieb blass – auch mögliche Tempospiel-Situationen verpufften häufig. Dazu griff HSV-Schlussmann Johannes Bitter mal mehr, mal weniger spektakulär ein.

Das Fazit zur Halbzeit war klar: Die Hamburger führten folgerichtig, doch wenn der BHC zu seinem Spiel finden würde, wäre eine Wende noch locker möglich. Es wurde nichts daraus. Der eingewechselte Isak Persson verkürzte zwar per Gegenstoß auf 12:15, doch im Positionsangriff blieben die Gäste fast durchgängig ungefährlich. Djibril M'Bengues Initiative verpuffte, über die Außenpositionen lief wenig, auch die Fehler wurden nicht abgestellt.

Als dann Johannes Bitter ins leere BHC-Tor zum 24:14 traf, als die Gäste es mit dem siebten Feldspieler versuchten, waren die Bergischen auch mental endgültig erledigt. Trainer Jamal Naji hatte in der ersten Hälfte noch während einer Auszeit an seine Mannschaft appelliert, einer schlechten Phase nicht so viel Bedeutung beizumessen. Es half nichts, so dass der Coach 13 Minuten vor Schluss zu einer drastischeren Ansage griff: „Wir reden alle davon, dass wir den nächsten Schritt machen wollen.“ Jetzt laufe es einmal schlecht – Naji benutzte ein derberes Wort – und „alle lassen die Köpfe hängen“. Seine Mannschaft könne doch nicht der ganzen Welt zeigen, dass gerade alles schlecht ist.

Er sprach damit wohl den meisten BHC-Fans am Fernseher – die lange Fahrt nach Hamburg hatten nicht viele auf sich genommen – aus der Seele. Freilich hätte diese Ansage auch im Optimalfall nicht mehr die Wende bedeuten können. Längst war der HSV enteilt, so dass letztlich die einzige Frage darin bestand, ob die Löwen mit mehr oder weniger als zehn Toren untergehen würden. Am Ende war es exakt der zweistellige Abstand – die Löwen verließen wie geprügelte Hunde das Feld.

„Es war wirklich ein schlechtes Spiel von uns“, sagte Rückraumspieler Alexander Weck. „Wir haben schnell gemerkt, dass das, was vorige Woche gegen Lemgo geklappt hat, nicht funktioniert und dann die Nerven verloren. Klar macht der HSV es wirklich gut, aber wir dürfen ihm nicht so viel geben.“

BHC-Trainer Jamal Naji: „Wir haben die Situation nicht angenommen“

Jamal Naji (r.) räumte ein, dass das Spiel auch auf der Bank keinen Spaß gemacht habe.

Große Unzufriedenheit beim Bergischen HC.

Von Thomas Rademacher

Jörg Föste analysiert gerne und bricht dabei oft die Partie des Bergischen HC treffend auf ein paar Sätze herunter. Diesmal aber hatte der Geschäftsführer nur ein Statement: „Ein fürchterlicher Abend für den BHC.“ Tatsächlich war an der 23:33-Pleite in Hamburg nur wenig Beschönigendes zu finden. Jamal Naji nannte die erste Hälfte in der Abwehr: „Da haben wir nur sechs Gegentore im Positionsangriff bekommen.“ Davon abgesehen zeigte sich auch der BHC-Coach ernüchtert.

„Es gibt Tage, an denen wenig funktioniert. Die haben fast alle Mannschaften, und die werden auch wiederkommen“, holte der 36-Jährige aus. „Aber: Wir haben die Situation nicht angenommen. Es ist ein Unterschied, ob wir mit zehn oder sechs Toren verlieren. Ich muss sehen, dass uns jedes Gegentor ärgert.“ Das sei am Donnerstagabend aber nicht der Fall gewesen. Unabhängig von der Leistung – das hatte der Coach schon vor der Saison gesagt – möchte Naji in jedem Spiel eine Mannschaft sehen, die frei formuliert ihr Herz auf dem Feld lässt. Dies hat in Hamburg irgendwann nicht mehr so ausgesehen. „Ich bin mir trotzdem sicher, dass jeder 100 Prozent geben wollte“, meinte Rückraumspieler Alexander Weck. „Aber so dürfen wir nicht wirken.“

Sportlich betonte Naji, dass seine Mannschaft natürlich zu viele Fehler und Fehlwürfe gehabt habe. „Aber ich finde es etwas respektlos dem Gegner gegenüber, wenn man nur darüber spricht. Hamburg hatte einen guten Plan und gutes Timing in der Abwehr“, sagte der Coach, der sich in der Pause noch etwas ausgerechnet hatte. „Leider haben wir danach auch schnell den Faden verloren.“

Personal: Der BHC präsentierte sich mit unverändertem Kader. 16 Spieler sind fit, Csaba Szücs und Fabian Gutbrod noch verletzt.

Arena: Nur gut 2600 Zuschauer fanden den Weg in die Barclays Arena. Hexenkessel-Atmosphäre kam dabei freilich nicht auf. Die eigentlich vom HSV genutzte Sporthalle war nicht verfügbar.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare