Handball

Bergische Löwen kämpfen auch gegen die Müdigkeit an

Die Hoffnung auf eine Rückkehr von Tom Kare Nikolaisen in den BHC-Kader ist groß. Der 23-jährige Norweger soll auch Max Darj wichtige Pausen verschaffen. Foto: Mathias M. Lehmann
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Die Hoffnung auf eine Rückkehr von Tom Kare Nikolaisen in den BHC-Kader ist groß. Der 23-jährige Norweger soll auch Max Darj wichtige Pausen verschaffen.

Handball-Bundesliga: Mit der Euphorie des jüngsten Sieges tritt der BHC am Samstagabend bei der HSG Wetzlar an.

Von Thomas Rademacher

Zur Ruhe kommen die Erstliga-Handballer des Bergischen HC in diesen Tagen nicht. Und der Rhythmus, zwei Partien in einer Woche auszutragen, wird sich bis zum Saisonende auch nicht mehr gravierend ändern. Einzig das Wochenende des 12. und 13. Juni haben die Löwen frei, so dass zwischen dem Duell in Lemgo (Donnerstag, 10. Juni) und dem Heimspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen (Mittwoch, 16. Juni) zumindest sechs Tage Pause liegen. Die darauf folgenden Partien in Coburg und gegen Stuttgart sind nun ebenfalls festgezurrt worden. Sie finden am 19. beziehungsweise 23. Juni statt – gefolgt vom Saisonfinale in Berlin vier Tage später. Dass dieses Pensum eine Herausforderung darstellt, deutet sich bereits vor der Aufgabe bei der HSG Wetzlar an diesem Samstag (20.30 Uhr, Rittal Arena) an.

Das 25:24 (13:12) gegen GWD Minden war das dritte kampfintensive Spiel binnen acht Tagen, das vor allem bei Max Darj Spuren hinterlassen hat. Da Kreisläufer-Kollege Tom Kare Nikolaisen mit einem Magen-Darm-Infekt ausgefallen war, musste der Schwede 60 Minuten offensiv wie defensiv durchspielen. „Der Plan war, ihm im Angriff Pausen zu verschaffen, indem Tom Bergner aushilft“, erläutert Trainer Sebastian Hinze. „Aber es hat einfach zu gut mit Max funktioniert.“ Darj agierte gewohnt überragend und hielt das Pensum durch. „Aber jetzt müssen wir gucken, dass wir ihn wieder fit kriegen. Er ist müde und hat kaum Zeit zur Regeneration“, sagt der Coach, der gleichzeitig hofft, dass Nikolaisen bis Samstagabend wieder einsatzbereit ist, um die Minuten von Darj entsprechend ein wenig herunterschrauben zu können.

Mit der Belastung seiner Spieler geht Sebastian Hinze aber auch darüber hinaus vorsichtig um. Am Tag nach dem für alle Beteiligten erleichternden Sieg gegen Minden sind nur die Spieler in die Halle gegangen, die weniger zum Einsatz gekommen waren. Seit Freitag liegt aber bei allen der Fokus auf der HSG Wetzlar, bei der die Truppe am Samstag zu später Stunde gefordert sein wird. „Wetzlar steht voll im Saft“, sagt Hinze mit Blick auf den 36:28-Erfolg der Mittelhessen beim HC Erlangen. Es war das erste Spiel der HSG nach zwölf Tagen Pause, während der HCE wie die Bergischen in dieser Phase viele Partien nachholen mussten. „Das hat man auch gemerkt. Erlangen wirkte müde, Wetzlar frisch. Sie haben verdient gewonnen.“

„Wir sind alle an der absoluten Grenze.“

Kai Wandschneider, Trainer der HSG Wetzlar

Der Respekt vor dem Team von Trainer Kai Wandschneider ist ohnehin groß. Im Hinspiel verloren die Löwen 20:22 und fanden kaum Lösungen im Angriff. „Wetzlar ist qualitativ hochwertig besetzt und zeigt das auch“, findet Hinze und hebt derzeit vor allem Lenny Rubin hervor. „Er befindet sich in Topform.“ Überzeugt ist der Coach auch von den Spielmachern Magnus Fredriksen und Filip Mirkulovski sowie Kreisläufer Anton Lindskog, der defensiv zu den besten Blockspielern der Liga gehört. „Für uns ist wichtig, dass die Basis stimmt“, sagt er und meint das eigene Abwehr-Torhüter-Paket sowie einen disziplinierten Angriff. „Dann können wir vielleicht auch etwas freier aufspielen.“ Aus einem Guss agieren die Löwen nach der doppelten Quarantäne zwar weiterhin nicht, doch während des Duells gegen Minden hat Hinze Lerneffekte beobachtet. „Gerade mit der Crunchtime war ich zufrieden. Da ist unser Mut belohnt worden, und wir sind zu guten Abschlüssen gekommen.“

Sein Gegenüber am Samstag weiß, dass eine Quarantäne ins Kontor schlagen kann. „Der BHC hatte vorher einen tollen Lauf. Ich glaube aber, dass die Mannschaft nach dem Sieg gegen Minden wieder da ist“, sagt Kai Wandschneider, der mit Olle Forsell Schefvert, Alexander Feld und Torjäger Stefan Cavor auf drei langzeitverletzte Spieler verzichten muss.

Der HSG-Trainer, der mit dem aktuell siebten Tabellenplatz (34 Punkte) hochzufrieden ist, sehnt das Saisonende entgegen. „Es war eine physisch und psychisch extrem belastende Spielzeit. Wir sind alle an der absoluten Grenze“, verweist der 61-Jährige auf den Beginn der Vorbereitung im Juli 2020. „Zwölf Monate später werde ich froh sein, dann mal eine Weile nicht mehr an Handball zu denken.“ Der Coach hört nach mehr als neun Jahren (unfreiwillig) bei den Mittelhessen auf. „Zunächst mache ich eine Pause, aber beenden möchte ich meine Karriere noch nicht.“ Ob der im Sommer 2022 frei werdende Posten beim BHC interessant für ihn wäre? „Es gibt viele interessante Stellen. Jetzt bin ich aber erst einmal platt und kaputt. Aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt.“

Rund um den BHC

Personal: Sollte Tom Kare Nikolaisen wieder fit sein, stehen 18 Spieler zur Verfügung. Demnach muss Trainer Sebastian Hinze auf zwei davon verzichten.

Bilanz: In der Bundesliga treffen die beiden Mannschaften zum 16. Mal aufeinander. Die Bilanz ist extrem ausgeglichen: Sieben Mal gewann der BHC, sechs Mal Wetzlar, zwei Mal gab es ein Remis.

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