Handball

Begeisternder BHC geht spät zu Boden

Bei Frederik Ladefoged und dem BHC war die Enttäuschung nach dem Schlusspfiff groß.
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Bei Frederik Ladefoged und dem BHC war die Enttäuschung nach dem Schlusspfiff groß.

Handball-Bundesliga: 26:27 (11:13) gegen die Rhein-Neckar Löwen bei der Arena-Premiere in Oberbilk

Von Jürgen König
und Thomas Rademacher

55 Sekunden vor dem Spielende handeln sich die Rhein-Neckar Löwen eine Zeitstrafe ein – die Chance für den Bergischen HC, auf 26:26 zu stellen. Und tatsächlich: Linus Arnesson trifft unter großem Jubel der Fans, aber Gäste-Trainer Sebastian Hinze nimmt zehn Sekunden vor Schluss die Auszeit, und sein Team nutzt das Finish zum Führungstreffer und Endstand. Denn die letzten drei Sekunden nach dem 26:27 sind zu wenig für einen zwingenden Torwurf. „Ich möchte mich bedanken für die Atmosphäre, es hat unglaublich viel Spaß gemacht“, sagte BHC-Trainer Jamal Naji. Die Premiere des BHC in der Mitsubishi Electric Halle war zwar sportlich nicht nach Wunsch verlaufen, aber in Sachen Stimmung durchaus vielversprechend.

Die Rhein-Neckar Löwen bejubelten den Sieg in Düsseldorf überschwänglich.

Völlig von der Rolle waren die Bergischen zu Beginn. Hinten schaute man den zwingenden Aktionen von Halil Jaganjac und Kollegen zu, vorne verpufften sämtliche Ideen und Abschlüsse – das 0:3 in der 7. Minute war eine Bürde, der Coach Jamal Naji mit der ersten Auszeit entgegenwirken wollte. Besser wurde es nicht, fast jeder Angriff auf das Tor mit einer ungewohnten großen Bühne im Hintergrund landete im Zeitspiel. Acht Minuten dauerte es, bis Noah Beyer zum 1:3 traf. Es war ein schmeichelhaftes Zwischenergebnis, hatte doch BHC-Keeper Peter Johannesson bis dahin schon einige Glanzparaden eingestreut. Und tat es auch in der Folgezeit, was die Basis dafür bildete, dass die Gastgeber ins Spiel fanden. Für die Top-Momente in der Folgezeit sorgte neben dem schwedischen Schlussmann Lukas Stutzke. Dem 24-Jährigen gelang es mit einem Doppelschlag erstmals, richtig Stimmung in der Oberbilker Arena zu kreieren, sein Treffer noch aus der eigenen Hälfte ins leere Tor begeisterte. Das 6:6 (14.) war maßgeblich der Verdienst des kämpferisch ohnehin bärenstarken Stutzke, dem dann noch ein herausragendes Anspiel an Linksaußen Noah Beyer gelang. Dessen Wurf soll laut Schiedsrichtern auch ins Gesicht des guten Mannheimer Keepers Joel Birlehm gegangen sein – die Zeitstrafe war zumindest hart.

Dass für Beyer danach Tim Nothdurft den linken Flügel beackerte, war kein Grund für den neuerlichen Sand im BHC-Getriebe. Der Ex-Balinger traf drei Mal bei drei Versuchen, doch die Angriffsbemühungen seiner Nebenleute im Rückraum waren in Aufbau und Abschluss zu sehr von Defiziten geprägt. Tomas Babak, Linus Arnesson und Simen Schönningsen verzettelten sich zu oft. Der Tabellenführer nutzte dies mit schnellen Gegenstößen und leichten Toren, so durch Uwe Gensheimer.

Ab der 40. Minute ging die Post richtig ab, das Traumtor von Arnesson nach Vorarbeit von Tomas Babak hatte schon viel Geschmack bereitet. Der BHC versäumte es mehrfach durch unglückliche Aktionen wie den vergebenen Siebenmeter von Beyer gegen Mikael Appelgren, den Bock umzustoßen. Jetzt schien es zu gelingen. Weil Stutzke vorne in aller Regelmäßigkeit traf und Johannesson eine Serie an Top-Paraden hinlegte – bis zu der, bei der Gensheimer wegen Kopftreffers für zwei Minuten runter musste. Doch die in Sachen Einsatz auf Höchstmaß agierenden Blauen vergaben Big Points wie den Siebenmeter von Arnesson, Johannesson – Siebenmeter-Parade beim 22:24 – und Stutzke ließen die Halle dennoch kochen. Zumal das 7:6-Überzahlspiel Früchte trug. Am Ende jubelten aber die Gäste riesig über zwei glückliche Punkte. „Es war für uns ab der 40. Minute eine knifflige Situation“, sah Hinze eine gute Präsenz und viele Emotionen beim Ex-Club. „Wir sind vorne diszipliniert geblieben.“

Lukas Stutzke war neben Torhüter Peter Johannesson überragender Spieler aufseiten des Bergischen HC. Der Rückraum-Rechtshänder erzielte acht Tore.

Lukas Stutzke: „Es ist so schade“

Stimmen zum Spiel: Enttäuschung beim BHC

-trd/jg-Sebastian Hinze räumt ein: „Am Ende hätte der Bergische HC sich einen Punkt verdient gehabt.“ Dass es anders kam, freute den Trainer der Rhein-Neckar Löwen, der in den vergangenen zehn Saisons den Bergischen HC gecoacht hatte, selbstverständlich sehr. „Ich bin glücklich, dass wir gewonnen haben. Als der BHC sehr gut gedeckt hat und die Euphorie da war, kann das Spiel ganz schnell weg sein – das weiß ich aus Erfahrung“, meinte der 43-Jährige. „Wir haben einen klaren Kopf behalten.“ Und durch einen Rückraum-Schuss von Niclas Kirkelokke drei Sekunden vor Schluss zum 27:26-Sieg getroffen. „Das war in der Situation natürlich auch ein bisschen glücklich.“

Viel fehlte dem Bergischen HC wirklich nicht, um den Mannheimern den ersten Punkt in dieser Saison abzuknöpfen. Linus Arnesson hatte zehn Sekunden vor Schluss zum 26:26 getroffen. Ein Ergebnis, mit dem die Gastgeber wohl gut hätten leben können. „Jetzt sind wir aber alle unglaublich enttäuscht, dass dieser Kampf nicht belohnt worden ist“, sagte Jörg Föste. „Das sitzt jetzt erstmal tief.“ Der BHC-Geschäftsführer attestierte der Mannschaft, alles in die Waagschale geworfen zu haben. „Im gebundenen Angriff haben wir dem Gegner alles weggenommen, was sie an Stärken mitbringen. Leider war unsere Offensive in der ersten Halbzeit nicht immer konzentriert, was zu dem einen oder anderen Kontertor zu viel geführt hat.“

Besonders bitter fand Föste, dass „die Weltklasse-Leistung von Peter Johannesson nicht belohnt wurde“. Insgesamt 14 Mal parierte der Schwede – davon häufig sehr spektakulär und in entscheidenden Situationen. „Ich habe es in einer Auszeit in der zweiten Halbzeit gespürt, dass wir alle daran glauben, dieses Spiel gewinnen zu können“, meinte Trainer Jamal Naji. „Wenn man sieht, wie wir verteidigt haben, wäre der Punkt verdient gewesen.“

Dies war die nahezu einhellige Meinung nach dem Schlusspfiff. Auch die von Lukas Stutzke, der in der Deckung, im Tempospiel und im linken Rückraum eine herausragende Leistung mit acht Toren geboten hatte, sich darüber aber kaum freuen konnte. „Das ist leider so“, bestätigte er. „Es ist so schade, dass es nicht geklappt hat mit dem Punkt.“ Doch der 24-Jährige sah auch das Positive: „Es war ein Riesenschritt nach dem Hamburg-Spiel – wir waren nicht wiederzuerkennen.“ Vorige Woche waren die Löwen beim HSV nach enttäuschender Leistung mit 23:33 unterlegen.

Rund um den Bergischen HC

Vorgezogenes Spiel: Im Gegensatz zum Rest der Liga muss der BHC bis zum kommenden Donnerstag noch zwei Mal spielen. Am Sonntag (16.05 Uhr) steht die wegen Hallenproblemen vom 11. Spieltag vorgezogene Partie beim TVB Stuttgart an, am Donnerstag darauf geht es regulär zum HC Erlangen (19.05 Uhr).

Personal: Rechtsaußen Isak Persson musste kurzfristig passen. Der Schwede hat eine Mandelentzündung. Außerdem fehlten die bereits länger verletzten Fabian Gutbrod und Csaba Szücs – die beiden waren als Zuschauer in der Halle und sollen Mitte Oktober wieder einsatzbereit sein.

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