Unglaubliches Ende

Arnor Gunnarsson sichert das Last-Second-Remis - mit Podcast

Man kann Arnor Gunnarsson (l.) den Stein, der ihm nach seinem Siebenmeter zum 30:30 vom Herzen gefallen ist, ansehen. David Schmidt ist erster Gratulant.
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Man kann Arnor Gunnarsson (l.) den Stein, der ihm nach seinem Siebenmeter zum 30:30 vom Herzen gefallen ist, ansehen. David Schmidt ist erster Gratulant.

Handball-Bundesliga: Der Bergische HC holt in Hannover innerhalb von 70 Sekunden drei Tore Rückstand auf und spielt 30:30. Im neuen BHC-Podcast gibt es die Stimmen zum Spiel.

Aus Hannover berichtet Thomas Rademacher

Jubelnd liegen sich die Bundesliga-Handballer des Bergischen HC in den Armen, nachdem Arnor Gunnarsson den Siebenmeter zum 30:30 bei der TSV Hannover-Burgdorf verwandelt hat. Ausgerechnet Gunnarsson – schließlich war er es, der zuletzt gegen die HSG Wetzlar in einer ähnlichen Situation gescheitert war. „Nach dem vergebenen Strafwurf gegen Wetzlar habe ich schlecht geschlafen, das muss ich zugeben“, wird der Isländer, der an diesem Freitag seinen 33. Geburtstag feiert, später sagen. „Aber ich habe mich bereit gefühlt. Den Druck habe ich gespürt, aber ich habe nicht zu viel nachgedacht. Ich denke, der Punktgewinn war das schönste Geschenk, das ich mir selbst machen konnte.“

Zu Beginn der Partie dauerte es aber ein paar Minuten, bis der BHC ins Spiel kam. Die Löwen lagen 1:3 und 3:5 hinten, arbeiteten sich aber in aller Ruhe wieder heran. Gunnarsson per Siebenmeter sowie David Schmidt glichen zum 5:5 aus. Eine Hannoveraner Unterzahl nutzten die Bergischen durch Jeffrey Boomhouwer und Tom Kare Nikolaisen, der ein tolles Anspiel von Fabian Gutbrod verwertete, zum 7:5-Vorsprung.

Die Gäste spielten sich nun offensiv in einen ähnlichen Rausch wie am ersten Spieltag beim SC Magdeburg. Tomas Babak überragte als Spielmacher mit gutem Auge und Zug zum Tor, Maciej Majdzinski, der für Schmidt im rechten Rückraum eingewechselt worden war, sorgte für die Durchschlagskraft aus der Distanz. Weil auch noch Christopher Rudeck, der in der 15. Minute für den etwas glücklosen Tomas Mrkva zwischen die Pfosten gegangen war, häufiger die Hand an den Ball bekam, setzten sich die Bergischen vor der Pause ab.

Rudeck selbst traf in Überzahl mit einem Wurf ins verwaiste gegnerische Gehäuse zum 13:11. Gunnarssson und Majdzinski legten mit je zwei Toren einen 4:0-Lauf hinterher. Lohn war eine 17:12-Führung, die zur Pause immerhin noch 17:13 lautete. Doch die Löwen verloren nach Wiederanpfiff völlig den Faden. Sie gerieten ins passive Spiel, begingen durch Gutbrod ein Stürmerfoul und fanden keine guten Abschlüsse mehr. Hannover nutzet dies auf der anderen Seite umgehend mit schnellen Treffern zum 17:17.

In der Auszeit appellierte BHC-Coach Sebastian Hinze an sein Team, die letzten Minuten zu vergessen. Es entwickelte sich eine echte Achterbahnfahrt mit vielen Führungswechseln. Die Löwen traten nun den Beweis an, dass sie sich von einer sehr schlechten eigenen Phase nicht beeindrucken lassen. Anstatt dem verlorenen Fünf-Tore-Vorsprung nachzutrauern, besann sich die Mannschaft immer auf die nächste Aktion. Beinahe unspektakulär traf Schmidt zum 23:23 und legte mit tollen Schüssen in den Winkel zu 24:23- und 25:24-Führungen nach.

Freie Paraden von Tomas Mrkva ebnen den Weg zum Sieg

Zehn Minuten vor Schluss war die Partie offen. Schmidt stellte zunächst auf 26:24, doch zwei schnelle Hannoveraner Tore verhinderten ein Absetzen. Schmidt schloss nun mit viel Selbstvertrauen ab, scheiterte aber – und der BHC beging ein paar Fehler, die die Recken beflügelt von 1635 Fans scheinbar zum Sieg nutzten. Weil Fabian Böhm auf 29:27 stellte und Gutbrod an Urban Lesjak scheiterte, hatten die Hausherren 80 Sekunden vor Schluss alle Trümpfe in der Hand. Böhm legte mit seinem neunten Tor das 30:27 nach, die Löwen schienen verloren zu haben.

Doch die Umstellung auf eine offensive Manndeckung, zwei frei Paraden von Mrkva, zwei schnelle Tore von Babak und ein herausgeholter Siebenmeter von Schmidt stellten das Spiel auf den Kopf. Arnor Gunnarsson ging an die Linie – und er behielt die Nerven. 30:30 – ein unfassbares Ende.

Personal

Max Darj musste mit Fieber zu Hause bleiben und fiel damit neben Linus Arnesson (Muskelverletzung) und Alexander Weck (Kreuzbandanriss) aus. Der Schwede wurde zwei Tage vor der Partie negativ auf Covid-19 getestet, und auch eine zweite, sicherheitshalber durchgeführte Kontrolle brachte keinen positiven Befund, so dass von einem gewöhnlichen grippalen Infekt auszugehen ist.

Lesen Sie auch: Die Stimmen zum Spiel

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