Handball

Angeschlagener BHC gibt Führung aus der Hand

Der Frust war Tim Nothdurft und seinen Mannschaftskameraden nach Spielende anzusehen.
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Der Frust war Tim Nothdurft und seinen Mannschaftskameraden nach Spielende anzusehen.

Handball-Bundesliga: Das 27:30 (13:10) beim HC Erlangen ist bereits die vierte Niederlage in Serie

Von Thomas Rademacher

Geschwächt trat der Bergische HC beim HC Erlangen an. Neben zwei kurzfristigen Ausfällen (Kasten) waren gleich mehrere Handballer leicht erkältet und somit nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. Trotzdem gehörte die erste Halbzeit klar den Gästen. Doch der 13:10-Vorsprung zur Pause fiel angesichts der Überlegenheit zu gering aus, so dass der HCE die Gelegenheit bekam, das Spiel zu drehen. Dies gelang – auch, weil die Bergischen unter Druck nachließen, sich Fehler, Ballverluste und ausgelassene Großchancen erlaubten. Das 27:30 (13:10) war bereits die vierte Niederlage in Folge.

Saft- und kraftlos wirkten in der Anfangsphase ausschließlich die Gastgeber. Sie benötigten bis zur 16. Minute, ehe sie ihren ersten Treffer aus dem Feld erzielten. Zu diesem Zeitpunkt führten die Bergischen 7:3, profitierten dabei von einem starken Christopher Rudeck zwischen den Pfosten sowie einer gut eingestellten Abwehr. Vorne erspielten sich die Löwen vielversprechende Möglichkeiten, ließen aber auch einige liegen. So scheiterten Yannick Fraatz beim Gegenstoß und Frederik Ladefoged vom Kreis. Zudem hatte der angeschlagen ins Spiel gegangene Lukas Stutzke etwas Pech bei seinen Aktionen Richtung Tor.

Über zwei starke Treffer von Alexander Weck und einen Wurf von Rudeck ins leere HCE-Gehäuse führten die Gäste 9:4, versäumten es aber in der Folge immer wieder, sich entscheidend abzusetzen. Erlangen kam nach und nach etwas besser ins Spiel, so dass die 13:10-Halbzeitführung keinesfalls beruhigend für die Gäste war – schließlich hatten sie erst vier Tage zuvor in Stuttgart binnen kürzester Zeit einen 17:12-Pausenvorsprung aus der Hand gegeben.

Nach Wiederanpfiff erhöhte Stutzke auf 15:10, in dem er sich zwei Mal durchsetzte. Und Tomas Babak zog wie schon in der ersten Halbzeit erfolgreich zum Tor. Der Tscheche war ab der ersten Minute Denker und Lenker des BHC-Spiels – zumal Linus Arnesson erkältungsbedingt nur für die Siebenmeter eingewechselt wurde. Doch es half nichts. Das Spiel drohte zu kippen. Die Erlanger fanden Lücken in der Deckung, die sie konsequent nutzten. Und unter Druck leisteten sich die Löwen Fehler und Ballverluste im Positionsangriff, die zum Ausgleich in der 40. Minute führten.

Gute Sechs-Meter-Gelegenheiten waren beim BHC nun zwar Mangelware, doch die Brechstange mit Würfen aus neun Metern funktionierte über Weck und Djibril M'Bengue. Ernüchternd war hingegen Fraatz' liegen gelassener Gegenstoß zum möglichen 20:18 – kurz darauf lagen die Bergischen beim 19:20 zum ersten Mal hinten. Diesen Trend bekamen sie zwar noch einmal gestoppt, weil sie sich insbesondere defensiv berappelten, doch auch Fraatz' 25:24 oder Ladefogeds 26:25 brachte keine Sicherheit ins Angriffsspiel mehr.

Der eingewechselte Peter Johannesson bekam genauso wenig zu fassen wie Rudeck in der zweiten Hälfte. Und dann kassierte das Team sogar noch einen Treffer ins leere Tor, weil die Einwechslung des Schlussmanns nicht zügig gelang. Die stressige Schlussphase meisterten die Hausherren einfach souveräner – was angesichts der jüngsten knappen BHC-Niederlagen ins Bild passte. Als Weck und Stutzke mit ihren Würfen scheiterten und der HCE auf der anderen Seite jeweils traf, war die Entscheidung gefallen.

„Dass es noch mal eng wird, war durch unsere kleine Rotation im Rückraum fast klar“, sagte Trainer Jamal Naji. „Wir hatten einfach nicht die Wechselmöglichkeiten.“

„Uns fehlt die Kaltschnäuzigkeit“

Stimmen zum Spiel

-trd-Taktisch eingeschränkt musste Jamal Naji das Spiel seines BHC coachen. Tom Kare Nikolaisen und Lukas Stutzke waren nur eingeschränkt verfügbar, Linus Arnesson eigentlich überhaupt nicht. „Wir haben deshalb nicht viel in unsere zweite Welle investiert, um mit den Kräften zu haushalten“, sagte der BHC-Trainer, dessen Rezept in der ersten Halbzeit voll aufging, am Ende aber trotzdem nicht zum Sieg genügte.

Auf Tomas Babaks Schulten lastete die Verantwortung in der Spielsteuerung.

„Wir hätten vor der Pause noch ein, zwei Tore mehr machen müssen, ansonsten konnten wir mit der Leistung bis dahin sehr zufrieden sein“, meinte Naji angesichts des 13:10-Vorsprungs. Dass es 30 Spielminuten später 27:30 hieß, war natürlich ernüchternd. „Es war klar, dass bei uns die Kräfte schwinden. So musste Erlangen auch nicht mehr so intensiv für seine Tore arbeiten.“ Trotzdem sah der Coach auch einen anderen Grund für die erneute Niederlage in der Crunchtime. „Uns fehlt derzeit einfach die Kaltschnäuzigkeit im Abschluss. Wir denken vielleicht einen Moment zu lange nach. Das nimmt uns entscheidende Ressourcen.“ Positiv hob Naji Alexander Weck hervor, der das Selbstvertrauen der Vorbereitung gezeigt habe.

Enttäuscht war freilich Tomas Babak. „Wir waren wieder nah dran und bekommen es nicht bis zum Ende durchgezogen“, haderte der Spielmacher, der sechs Tore und drei Assists verbuchte. „Leider machen wir in der zweiten Halbzeit dann auch dumme Fehler und haben nicht schlau genug gespielt.“

Bei aller Ernüchterung angesichts der aktuellen Situation zeigte sich Naji optimistisch: „Unsere Erfolgserlebnisse werden kommen. Wir werden gestärkt aus dieser Saisonphase hervorgehen.“

Personal: Neben Tom Bergner fiel auch Noah Beyer kurzfristig erkrankt aus, so dass 14 Spieler auf dem Protokoll standen.

Termine: Der November-Spielplan wurde von der Handball-Bundesliga verkündet. Der BHC absolviert drei Heimspiele an Sonntagen: Am 6. ist die HSG Wetzlar zu Gast in der Unihalle, am 13. und 27. ist die Klingenhalle Spielort für die Partien gegen den VfL Gummersbach und Frisch Auf Göppingen. Anwurf ist jeweils um 16.05 Uhr.

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