Fußball

Robin Becker erlebt Höhen und Tiefen

Jubel wie Bastian Schweinsteigers Double: Robin Becker erlangte nach seinem Treffer gegen Würzburg bundesweit Bekanntheit. Archivfoto: imago
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Jubel wie Bastian Schweinsteigers Double: Robin Becker erlangte nach seinem Treffer gegen Würzburg bundesweit Bekanntheit.

Fußball-Profi aus Witzhelden kann auf eine wahre Achterbahnfahrt zurückblicken. In Braunschweig fühlt er sich pudelwohl.

Von Fabian Herzog

Mit seinen erst 22 Jahren hat er schon mehr Höhen und Tiefen erlebt, als manch ein Fußballer in seiner gesamten Karriere. Robin Becker, gebürtiger Witzheldener und Innenverteidiger beim Drittligisten Eintracht Braunschweig, kann bereits jetzt auf eine spannende Laufbahn, vor allem aber auch auf ein bewegendes Jahr 2019 zurückblicken.

Der Weg zum Fußball

Weil Mutter Angelika sowie seine Schwestern Lisa und Jessica in Leichlingen schwammen, verschlug es auch Robin Becker in frühester Kindheit dorthin. „Wegen der Verletzungsgefahr wollte meine Mutter zunächst nicht, dass ich Fußball spiele“, erinnert er sich. Vater Frank und sein damaliger Kumpel Tim Fiedler brachten den Bennert-Grundschüler aber etwa mit zehn Jahren zum VfL Witzhelden. Becker: „Dann ging es schnell.“ Bei einem Turnier in Schlebusch wurde er von Bayer Leverkusen entdeckt und zum Probetraining eingeladen.

Die Zeit bei der Werkself

Ab der U12 schnürte der Witzheldener bei Bayer die Fußballschuhe, durchlief alle Jugendmannschaften und schaffte den Sprung in den Seniorenbereich. Dann aber folgte der erste große Rückschlag. Wegen einer Schambeinentzündung und eines Risses des Syndesmose- und Innenbandes im Knie fiel der Außenverteidiger 13 Monate aus. Ausgerechnet in dieser wichtigen Phase seiner Karriere. „Das war schon hart“, erinnert er sich. Doch Becker gab nicht auf, kämpfte sich zurück und bekam die Chance, zum Zweitligisten 1. FC Heidenheim ausgeliehen zu werden. „Für mich eine super Sache und ein wichtiger Schritt“, sagt Becker. „Innerhalb von 24 Stunden bin ich ausgezogen.“

Der Einstieg in den Profibereich

Unter Heidenheims Kulttrainer Frank Schmidt feierte Robin Becker in der Saison 2016/17 sein Profidebüt, als er am 20. September 2016 beim 0:0 in Sandhausen das Vertrauen erhielt. Es folgten sechs weitere Zweitliga-Einsätze für den FCH, ehe er im Sommer zu Ligakonkurrent Eintracht Braunschweig wechselte, der den Sprung in Liga eins in der Relegation gegen Wolfsburg knapp verpasst hatte.

Der Start in Braunschweig

Bei den Niedersachsen und Trainer Torsten Lieberknecht erkämpfte sich der 23-fache Junioren-Nationalspieler (U16 bis U20) zunächst einen Stammplatz. Auch privat fasste er sofort Fuß, mit Jugendliebe Anna Lena zog er in Braunschweig zusammen. Sportlich lief es nach gutem Start aber plötzlich immer schlechter, am Ende der Saison – auf tragische Art am letzten Spieltag – stieg die Eintracht sogar in die 3. Liga ab. „Das war für mich in den jungen Jahren nicht ohne“, gibt der Witzheldener, dessen Verwandtschaft zu großen Teilen in Solingen lebt, zu.

Die Entwicklung bei der Eintracht

Aus diesem Erlebnis nahm Becker aber auch einiges mit in die Saison 2018/19, die für den Verein wie auch ihn selbst einer sportlichen Achterbahnfahrt glich. Als Innenverteidiger, zu dem ihn Trainer André Schubert umschulte, musste er nach der Hälfte der Saison befürchten, erneut abzusteigen. Zur Winterpause betrug der Rückstand auf das rettende Ufer sieben Punkte. Doch Becker und die Eintracht legten eine famose Rückrunde hin und sicherten sich am letzten Spieltag den Klassenerhalt. Durch ein 1:1 gegen Energie Cottbus. „Das war das aufregendste Spiel meines Lebens“, sagt der 22-Jährige.

ROBIN BECKER

AMBITIONEN Wie sein aktueller Verein hat auch Becker das Ziel, in naher Zukunft in die 2. Bundesliga zurückzukehren. „So schnell wie möglich“, sagt der Witzheldener, der keine Gedanken an die 1. Liga verschwendet: „Da bin ich realistisch.“ Bei der Eintracht hatte er für drei Jahre unterschrieben – also bis zum Sommer 2020. „Die Gespräche laufen“, erzählt der Verteidiger, der von einigen Clubs umworben wird, aber gerne in Braunschweig bleiben würde.

HEIMAT Besuche bei der Familie in Witzhelden und Solingen sind angesichts des eng gestrickten Terminplans weniger geworden. Stattdessen wählt seine Verwandtschaft immer wieder den umgekehrten Weg. Weihnachten hat Becker aber in Witzhelden verbracht.

Die Rassismus-Vorwürfe

Wenige Wochen vor dem emotionalen Happy End erlebte Becker aber auch die unschönen Seiten des Profigeschäfts. Nach der Partie gegen 1860 München wurde er urplötzlich beschuldigt, sich rassistisch gegenüber einem Spieler der Löwen geäußert zu haben. „Das war die totale Farce und absolut erfunden“, sagt er. Das DFB-Sportgericht sperrte ihn dennoch zunächst, sprach ihn kurz darauf wieder frei. „Wenn du unschuldig bist und so etwas passiert, ist das schon extrem hart“, sagt Becker, der „sehr gerne auf diese Erfahrung verzichtet“ hätte.

Den „Schweini“-Jubel

In der aktuellen Spielzeit gehört Braunschweig zu den Aufstiegskandidaten. Wozu Becker nicht nur als Stamm-Innenverteidiger, sondern bislang auch mit zwei Toren beigetragen hat. Beim 5:2 gegen Würzburg traf er per Kopf und erlangte anschließend bundesweit Berühmtheit, weil er beim Jubel wie Bastian Schweinsteiger aussah und einige Medien drüber berichteten. „Schon in Leverkusen wurde ich von einigen Teamkollegen Basti gerufen“, leugnet der Witzheldener die Ähnlichkeit nicht.

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