Basketball

Basketball-Umbruch macht Hoffnung auf die Regionalliga

Julian Brangs kehrt nach einer Saison bei der TG Düsseldorf zur TSG Solingen zurück. Er ist ein Puzzleteil, um die ambitionierten Ziele der Solinger Basketballer zu verwirklichen. Foto: Kurt Kosler
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Julian Brangs kehrt nach einer Saison bei der TG Düsseldorf zur TSG Solingen zurück. Er ist ein Puzzleteil, um die ambitionierten Ziele der Solinger Basketballer zu verwirklichen.

Die TSG Solingen setzt mit ihrem neuen Trainer Benjamin Heck auf viele Zugänge – fast alle bislang Etablierten sind weg.

Von Nils Buchmann

Sieben Zugänge, 14 Abgänge: Für personelle Veränderungen dieser Art hält das deutsche Sportvokabular das Wort „Umbruch“ bereit. In unmittelbarer Nachbarschaft dessen finden sich sodann auch die Begriffe „unschlagbar“ und „unzulänglich“. Welchen Weg die ambitionierten Basketball-Männer der TSG Solingen in der Oberliga letztlich einschlagen werden, darf im Herbst als eines der spannendsten Projekte des Sportjahres gelten.

Wenn es nach Trainer Benjamin Heck geht, der wie der Großteil der Spieler in seine erste Saison bei der TSG schreiten wird, ist die Richtung klar: Es soll nach oben gehen. Spielerisch, tabellarisch, in naher Zukunft auch ligatechnisch. Von Superlativen à la „unschlagbar“ ist freilich nirgendwo die Rede, von „unzulänglich“ aber natürlich auch nicht. Und weil sich Heck mit Hilfe seines großen Netzwerkes zuletzt nicht nur eine Art Wunschkader zusammenstellen durfte, sondern in den ersten Trainingswochen auch zu einem „sehr zufriedenen“ Zwischenfazit gekommen ist, scheinen sie bei der TSG ihre saisonvorbereitenden Hausaufgaben während der Corona-Pause gemacht zu haben. „Es macht unheimlich Spaß“, schwärmt der neue Trainer, der mit Abteilungsleiter Oliver Magdic und Teammanager Alexander Sauer für Wohl und Wehe des neuen Vorhabens verantwortlich ist, bereits zwei Monate vor dem Saisonstart.

Das dürfte zuvorderst der hinzugewonnenen spielerischen Qualität des Teams geschuldet sein. Amerikanische Spieler wie der Kanadier Jordan Rose, der Mexikaner José Carranza Jones und Jerred Cody (USA) sind nicht nur in Übersee ausgebildet, sondern haben – und das stand in Hecks Anforderungsprofil recht weit oben – bereits in Deutschland Erfahrung gesammelt. „Sie können ein Team führen und wissen, wie man sich ohne Allüren in eine Gruppe einfügt.“

„Die Jungs sehen die Chance, gemeinsam etwas Neues aufzubauen.“
Benjamin Heck, TSG-Trainer

Viele der anderen Zugänge haben den Basketball in der Vergangenheit bereits höherklassig bewegt und entschieden sich oft auch wegen der Aussicht auf eine (erneute) Zusammenarbeit mit Heck für einen Wechsel zur TSG, so dass der Trainer in der Rückschau womöglich sogar der wichtigste Zugang gewesen sein könnte. Konfliktpotenzial sieht der neue Chef in der Gruppe dabei nicht. Alt und jung, national und international, etabliert und aufstrebend, all das schließe sich nicht aus. „Die Jungs sehen die Chance, gemeinsam etwas Neues aufzubauen“, sagt ihr Trainer überzeugt.

Die Konsequenz der vielen neuen Gesichter am Kannenhof ist zugleich natürlich auch der Abschied vieler alter. Es sind vor allem die Perspektivspieler, die erhalten geblieben sind: Leo Funk (16) und Massimo Matrone (17), Premio Gravina (18) und Rassim Diallo (19), dazu Ali Memeti und Kapitän Christopher Wolgast. Man habe frühzeitig mit allen Spielern Gespräche geführt, betont Heck. „Die, die geblieben sind, wollen jetzt auch leistungsmäßig mitziehen. Zu einem Cut wäre es aber so oder so gekommen.“ Es ist wohl auch der undankbare Grat zwischen Breiten- und Leistungssport, der es dem einen oder anderen Leistungsträger der Vergangenheit – etwa Nils Haller oder Hasan Koc – unmöglich gemacht hat, sich der „neuen“ TSG zu verschreiben.

Ex-Co-Trainer Maik Walosch gibt hingegen zu, „noch einmal etwas frischen Wind“ gebraucht zu haben. Er möchte künftig höherklassig spielen.

José Carranza Jones ist einer der sieben Zugänge.

Eine Entscheidung steht noch aus, sicher ist aber: Er ist kein Teil der TSG-Ersten mehr. Genau wie Marc Petri, der zuletzt als Trainer verantwortlich war und sich mit seinem Nachfolger und den Vorstandsmitgliedern über die zukünftige Ausrichtung austauschte. „Die Gespräche verliefen friedlich, nichtsdestotrotz waren wir als Team der Meinung, dass wir unsere Talente fördern müssen“, sagt der 26-jährige Petri. Es sei in der Oberliga nicht notwendig, auf Importspieler zu setzen, um um den Aufstieg mitspielen zu können. Die TG Düsseldorf und Königshardt hätten das im Vorjahr bewiesen.

Zu unterschiedlich waren die Vorstellungen, als dass ein klarer Schnitt im Kader hätte vermieden werden können, so dass Benjamin Heck nun mit 13 Spielern und einer Melange aus Vorfreude und dem Druck, liefern zu wollen und zu müssen, in die neue Saison geht. Dem Solinger Basketball, der in den vergangenen Jahren häufiger unter dem Radar blieb, als es ihm lieb gewesen sein dürfte, stünde die 2. Regionalliga gut zu Gesicht. Und „ungeschlagen“ wäre auf dem Weg dorthin definitiv besser als „unzulänglich“.

Personal

Dichte: Der Kader ist bereits komplett. Massimo Matrone wird zwischen erster und zweiter Mannschaft pendeln, um gleichermaßen Erfahrung und Spielpraxis sammeln zu können. „Bei 13 Spielern können wir jedem eine Perspektive auf ausreichend Einsatzzeiten bieten“, erklärt Trainer Benjamin Heck.

Zugänge: Mustafa Al-Baghdadi (Hilden 96ers), Arnel Ambeskovic (SW Baskets Wuppertal), Julian Brangs (TG Düsseldorf), José Carranza Jones (BG Bonn), Jerred Cody (USA), Moyan Kühne (TSG 2), Jordan Rose (SV Hagen-Haspe)

Abgänge: Nderim Ahmeti, Burak Battal, Matthias Bendias, Ali Deniz, Joscha Dinger, Philipp Düsterhus, Nils Haller, Lukas Hoffmann, Hasan Koc, Martin Perry, Niklas Perry, Marc Petri, Thanushan Vasanthan, Maik Walosch (Zukunft aller noch offen)

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