Leichtathletik

Ausgebremst – Sehnsucht nach Läufen

Der Klingenlauf im Südpark, hier von oben – das Spektakel musste in diesem Jahr auch passen. Foto: Christian Beier
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Der Klingenlauf im Südpark, hier von oben – das Spektakel musste in diesem Jahr auch passen.

Peter Weckwarth ist seit neun Monaten tatenlos und arrangiert sich mit der Situation.

Von Daniel Bernards

Der Laufsport ist bekanntermaßen kein Kontaktsport und ohne viele Mitstreiter sehr coronagemäß – die bekannten Laufveranstaltungen hingegen sind sportliche Großereignisse und bereits seit vielen Monaten tabu. Der ehrgeizige Solinger Läufer Peter Weckwarth gehört zu jenen Sportlern, die im Corona-Jahr jäh ausgebremst wurden.

Noch vor knapp zehn Monaten stürzte sich der inzwischen 60-Jährige erfolgreich in die Duisburger Winterlauf-Serie. Mit den großen Ambitionen für diesen Herbst wurde es dann aber schon nichts mehr. Ein Wettkampf über 15 Kilometer, der zweite Teil der Duisburger Serie im Februar, avancierte zum vorerst letzten Wettkampf des Solingers. Dieser führte in der Serienwertung seiner Altersklasse – die Veranstalter kürten ihn schließlich zum Sieger, nachdem ein abschließender Halbmarathon nicht mehr ausgetragen werden konnte. Seitdem fehlen dem ambitionierten Wettkämpfer die Ereignisse, die ihn maßgeblich zum Training antreiben.

„Ich bin nicht existenziell betroffen, und darüber kann ich mich glücklich schätzen.“
Peter Weckwarth, der in seiner Altersklasse unter die zehn schnellsten Marathonläufer Deutschlands kommen wollte

Für Weckwarth, gerne auf der Korkenziehertrasse oder überhaupt in den Straßen der Stadt aktiv, bedeutete das nicht nur eine veränderte Saisonplanung, sondern auch ein Anpassen des Trainingspensums an die nun eher traurigen Bedingungen: „Inzwischen habe ich den Trainingsumfang gegenüber meinen Spitzenjahren um etwa 30 Prozent reduziert.“ Peter Weckwarth gibt ganz offen zu: „Die Wettkämpfe waren und bleiben für mich der Hauptmotivator, um den Laufsport in dem Umfang und der Intensität, wie ich ihn betrieben habe, durchzuführen.“ So sei es nicht ganz einfach, die Motivation hoch zu halten, bei einer weiterhin noch eher ungewissen Lage, zumindest für die erste Hälfte des kommenden Jahres. „Derzeit versuche ich mein Leistungslevel so hoch zu halten, dass ich innerhalb von acht bis zehn Wochen wieder auf wettkampftauglichem Niveau sein könnte“, sagt der Solinger.

Peter Weckwarth lief auch schon in Berlin.

Dabei waren sowohl Aussichten als auch Planungen für 2020 vielversprechend: Primäres Ziel stellte die Teilnahme an einem der großen Herbstmarathons dar. Weckwarth, dessen Marathon-Bestwert bei 2:59:57 Stunden steht, startete erstmals in der Altersklasse M60: „Ich habe mir realistische Chancen ausgerechnet, in meiner Klasse unter die zehn schnellsten Marathonläufer Deutschlands zu gelangen.“ Als Vorbereitungen sollten mehrere Wettkämpfe in den Unterdistanzen, zum Beispiel über zehn Kilometer, dienen, ohne dass konkrete Termine und Wettkämpfe ins Auge gefasst wurden. Dennoch: Diese Planungen warf, wie so vieles andere, die Corona-Pandemie über den Haufen. Erstmals sind sie aufgeschoben auf eine Zeit, in der größere Läufe mit über tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmern wieder gefahrlos möglich sind.

Auch als Handball-Fan ohne Live-Atmosphäre

Peter Weckwarth gewinnt dem sportlich „verlorenen Jahr“ jedoch auch Positives ab: „Ich hatte jetzt plötzlich Zeit, mich vermehrt um private Dinge zu kümmern, die daraufhin sehr wichtig wurden.“ Überhaupt sieht er das tägliche Leben einem nie da gewesenen Wandel ausgesetzt und stellt fest: „Ich bin nicht existenziell betroffen wie andere Menschen und darüber kann ich mich glücklich schätzen.“ Im Berufsalltag des kaufmännischen Angestellten habe sich zwar viel geändert, weg von persönlichen Kontakten und hin zu digitalen Kommunikationsmöglichkeiten.

Durchaus bedauernd sieht Peter Weckwarth da eher die ganz passive Rolle als Handball-Anhänger des Männer-Bundesligisten BHC und des HSV Gräfrath bei den Frauen: „Leider muss ich mich derzeit ganz mit dem Zuschauen vor dem Fernseher oder einem Display begnügen.“ Auch da, im Wunsch nach der Live-Atmosphäre vor Ort, schimmert also etwas durch, was bei dem Läufer und so vielen anderen Menschen in diesen Tagen intensiv zu spüren ist: Die Sehnsucht nach der Normalität vergangener Tage.

Große Läufe der Region

Klingenlauf: Musste 2020 ausfallen. Ausrichter SLC hofft nun auf die 32. Auflage am 3. Juni 2021 im Südpark-Gelände, behält sich eine Absage angesichts eines weiteren verschärften Infektionsgeschehens jedoch vor.

Miss-Zöpfchen-Lauf: Aufgrund der Corona-Pandemie wurde dieser 2020 frühzeitig abgesagt. Ein neuer Versuch soll, so die derzeitigen Planungen, am 5. September 2021 stattfinden.

Sengbach-Talsperrenlauf: Dieser Lauf konnte im Sommer immerhin virtuell stattfinden, was bei den vielen „Fans“ durchaus Anklang fand. Statt der erwarteten und geplanten 250 Läuferinnen und Läufer verzeichneten die Veranstalter deutlich mehr als 600 Teilnehmer. Dennoch: Wenn es möglich ist, soll der vom TV Witzhelden ausgerichtete Lauf nächstes Jahr am 22. August wieder real eine Möglichkeit sein.

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