Mein Blick auf die Woche im Sport

Arena: Zuschauer-Argument führt zu Trugschluss

thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de
+
thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

ST-Sportredakteur Thomas Rademacher blickt auf die Zuschauersituation im Sport.

Das war doch noch mal ein echtes Handballfest am vergangenen Sonntag. Der Bergische HC empfing den VfL Gummersbach in der Handball-Bundesliga. Die Klingenhalle war mit 2683 Fans ausverkauft, die Stimmung atemberaubend. Und das Ergebnis – ein 30:30 nach hartem Kampf – wurde dem bergischen Derby gerecht.

Insgesamt jedoch sind die Zuschauerzahlen beim BHC (und vielen anderen Teams) noch nicht auf einem guten Niveau. 2123 Fans sind im Schnitt in dieser Saison bislang dabei. Beim Pokalspiel gegen Göppingen wollten gar nur 1200 Menschen live zusehen. Zahlen wie diese scheinen Wasser auf die Mühlen für Kritiker der Arena Bergisch Land zu sein, die am Weyersberg realisiert werden soll. Die Multifunktionshalle soll beim Handball mindestens Platz für 5000 Fans bieten. Das Argument ist klar: Das braucht der BHC doch sowieso nicht. Der Verein verkauft ja nicht einmal die Klingenhalle aus. Was für ein Trugschluss!

Völlig abgesehen von anderen Gründen, die für die Arena sprechen (ja, es gibt reichlich), ist empirisch bereits bewiesen, dass das Zuschauer-Argument eine Mär ist. Ein Beispiel: Die HSG Wetzlar spielt seit 1998 ununterbrochen in der Bundesliga und absolvierte bis zum Frühjahr 2005 den Großteil seiner Heimspiele in der 1750 Zuschauer fassenden Sporthalle Dutenhofen. Bis zuletzt waren im Schnitt immer etwa 1500 Fans dabei. Mit Eröffnung der etwa sieben Kilometer entfernten Mittelhessen-Arena, die inzwischen Buderus-Arena genannt wird, verdoppelte sich der Schnitt. In der ersten komplett dort absolvierten Saison (2005/06) wollten sogar pro Partie mehr als 3700 dabei sein.

In der letzten Spielzeit vor Corona waren es 4000. Entwicklungen wie diese sind beim Umzug in moderne Spielstätten immer wieder zu beobachten. Der VfL Gummersbach verkaufte die kleine Eugen-Haas-Halle in seiner letzten Saison dort zwar fast immer aus (im Schnitt gut 2000 Zuschauer), mit Einzug in die Schwalbe-Arena 2013 wollten rund 3500 Leute den VfL live erleben. Ein Wert, der sogar in dieser durch die Pandemie noch immer gehemmten Spielzeit Bestand hat.

Warum ist das so? Weil eine moderne Halle nicht nur die hartgesottenen Fans anlockt, die auch in die kleinen, alten, ungemütlichen Sportstätten gehen. Es kommen auch mäßig Interessierte, die dann vielleicht zu Fans werden, Event-Publikum sowie selbstverständlich Firmenkunden und sogenannte VIPs, die das Spiel gerne mit gutem Essen, Netzwerken und Gesellschaft verbinden. Aktuelle Zuschauerzahlen gegen die Arena zu verwenden, ist jedenfalls irreführend.

Top: Fußball-Landesligist DV ist heiß und nur vier Punkte von der Spitze entfernt.

Flop: Fußball-WM im Winter droht von anderen Sportarten abzulenken.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Gute BHC-Stimmung wird durch die Duschen vermiest
Gute BHC-Stimmung wird durch die Duschen vermiest
Gute BHC-Stimmung wird durch die Duschen vermiest
Droht der Klingenhalle das Aus?
Droht der Klingenhalle das Aus?
Droht der Klingenhalle das Aus?
Sechs ambitionierte Solinger Oberligisten
Sechs ambitionierte Solinger Oberligisten
Sechs ambitionierte Solinger Oberligisten
Bergische Löwen vergolden ihren November
Bergische Löwen vergolden ihren November
Bergische Löwen vergolden ihren November

Kommentare