Fechten

André Sanità landet Volltreffer auf und neben der Planche

Wenn ein Florettfechter eine Säbelfechterin heiratet, ergibt sich das Motiv für das Foto-Shooting am großen Tag der beiden Spitzensportler beinahe von alleine. Fotos: Augusto Bizzi
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Wenn ein Florettfechter eine Säbelfechterin heiratet, ergibt sich das Motiv für das Foto-Shooting am großen Tag der beiden Spitzensportler beinahe von alleine.

Der gebürtig aus Solingen stammende Florettfechter will sich bei Olympia in diesem Jahr den größtmöglichen aller Träume erfüllen.

Seinem besten Freund aus Schulzeiten, Simon vom Baur, hatte er es vor Jahren schon versprochen. „Irgendwann“, sagte André Sanità, „werde ich dabei sein.“ Die Rede war seinerzeit von den Olympischen Spielen. Genauer gesagt von denen 2012 in London. „Jetzt löse ich das eben mit ein bisschen Verspätung ein“, sagt der Solinger Florettfechter, der seit Jahren für den OFC Bonn startet und in der Nähe der früheren Bundeshauptstadt lebt, mit einem breiten Lächeln.

Ja, Sanità hat es geschafft und wird sich in Tokio seinen Kindheitstraum erfüllen – zumindest mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit. Die deutsche Florett-Nationalmannschaft hatte sich für Olympia 2020 qualifiziert und wird nach der coronabedingten Verschiebung bei der für diesen Sommer anvisierten Austragung an den Start gehen. Der gebürtige Solinger ist als Nummer zwei der nationalen Rangliste fester Bestandteil dieses Teams und somit seinem Traum ganz nah. „Das ist das größte Ziel, was man erreichen kann. Dafür habe ich mein Leben lang trainiert“, sagt der 28-Jährige, der auf einen bemerkenswerten sportlichen Weg zurückblicken kann.

Das waren noch Zeiten: André Sanità bei der Sport-Gala im Jahr 2006.

Die Anfänge

Als Drittklässler der Grundschule Böckerhof entschloss sich Sanità , an einer Fecht-AG teilzunehmen. „Warum nicht?“, dachte er sich damals. Die Antwort sollte schon kurze Zeit später folgen. Denn er merkte schnell, dass ihm das Florettfechten liegt. Im Jahr 2000 legte er die Fechtprüfung ab, kurz darauf bekam er sein erstes Florett geschenkt. „Das habe ich heute noch.“ Mit jedem Training und jedem Wettkampf wuchs seine Begeisterung für den Sport. „Ich lebe dafür“, verdeutlicht André Sanità , was ihm das Fechten bis heute bedeutet.

Die ersten Erfolge

Für Deutschland hat André Sanità schon so manche Schlacht geschlagen. Zu seinem persönlichen Glück fehlt ihm nun nur noch, sein Heimatland auch bei Olympia vertreten zu können.

In der Beckmannstraße aufgewachsen, führte ihn sein Weg in die Fechterschaft Romerike Berge im Solinger Turnerbund. Anfangs spielte er parallel auch Tennis, musste sich dann aber entscheiden – was rückblickend perfekt gelang. Sanità bewies schnell großes Talent und landete einen Erfolg nach dem anderen. Schon in jungen Jahren räumte er auch bei internationalen Auftritten ab und setzte sich gegen Top-Konkurrenten aus Tauberbischofsheim oder Heidenheim durch. Immer an seiner Seite: seine Eltern. „Sie haben mich überall hin begleitet und nichts für sich, sondern alles für mich gemacht“, blickt er dankbar zurück. Auch an seine Schwester Denise (32) denkt er in diesem Zusammenhang: „Sie hat darunter immer ein bisschen gelitten.“

Der Riesenschritt ins Internat

Mit dem Traum Olympia im Hinterkopf, wusste André Sanità , dass er alles auf eine Karte setzen wollte und früh den nächsten Schritt gehen musste. Der fiel mit dem Wechsel aufs Bonner Fechtinternat im Alter von 15 Jahren extrem aus. „Meine Mama war krass dagegen“, erinnert er sich. Trotzdem zog er es durch. Sanità wechselte von der Theodor-Heuss-Realschule aufs Bonner Tannenbusch-Gymnasium und verbrachte nur noch die Wochenenden in Solingen. Wenn denn kein Wettkampf anstand, was selten der Fall war.

Der Aufstieg in die nationale Spitze

Im Nachwuchsbereich wurde der Solinger Stammgast bei Deutschen Meisterschaften, wo er auch diverse Medaillen gewann. Auch bei EM und WM war er fortan vertreten und sicherte sich mit 16 bei beiden Großveranstaltungen Bronze. „Da habe ich das erste Mal gedacht: Es läuft.“ Im Juniorenbereich schaffte es Sanità bis auf Platz sieben der Weltrangliste, parallel zum Sprung in den Erwachsenenbereich schloss er sich nach absolvierter Fachoberschulreife der Sportfördergruppe der Bundeswehr an.

Der Volltreffer bei der EM 2016

Vor sechs Jahren ging es für den Florettfechter richtig los. „Da habe ich richtig Gas gegeben“, erzählt Sanità, der sich seinen Platz im deutschen Kader für EM und WM erkämpfen wollte. 2015 schaffte er es erstmals, ein Jahr später erfüllte er sich bei der Europameisterschaft im polnischen Torun den Traum von einer Medaille, schlug im Viertelfinale einen Ukrainer mit 15:14 nach 9:13-Rückstand. „Heftiger geht’s nicht“, schwärmt der Solinger noch heute. Das Turnier bleibt für ihn aber auch noch aus einem anderen Grund in ewiger Erinnerung.

Der Volltreffer in der Liebe

Sanitàs großer Moment: Bei der Europameisterschaft 2016 in Polen gewinnt er überraschend Bronze.

Bei der EM in Torun lernte Sanità die ukrainische Säbel-Fechterin Lena Voronina kennen – und lieben. Seit dem 23. August sind die beiden glücklich verheiratet, aktuell leben sie aber (noch) getrennt. Sie in Charkow, er in Alfter bei Bonn.

Die Olympia-Qualifikation

2018 gewann André Sanità in Tauberbischofsheim erstmals die Deutsche Einzel-Meisterschaft. Mit Bonn holte er im selben und auch im darauffolgenden Jahr den Mannschaftstitel. 2019 lag der Fokus dann komplett darauf, mit dem deutschen Team die Qualifikation für Olympia zu schaffen. Beflügelt vom überraschenden wie überzeugenden EM-Silber in Düsseldorf, fiel die Entscheidung beim Weltcup in Kairo. Das Extreme dabei: Sanità und Co. hatten es nicht selber in der Hand und mussten auf das Abschneiden der Russen hoffen. Die aber spielten mit und ließen Deutschland im Kollektiv jubeln. „Wir haben so krass gezittert“, erzählt der Solinger, der „ein paar Tage“ benötigte, um das Erreichte zu realisieren.

André Sanità

Corona: Erst verhinderte das Virus die Austragung der Olympischen Spiele in 2020 („Danach war ich erst mal in einem Tief“), dann infizierte sich der Solinger Ende des Jahres selber. Bevor er wieder einstieg, unterzog er sich einem gründlichen Leistungscheck im Stützpunkt in Bonn.

Zukunft: Vor wenigen Wochen hat Sanità begonnen, sich auch für die Zeit nach dem Leistungssport zu rüsten. An einer Fern-Universität hat er angefangen, Sportmanagement zu studieren.

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