Fußball

Als die Union gleich zwei Mal Aufsteiger war

Sie schwelgten in Erinnerungen: Jaroslaw Stankiewicz (hinten v. l.), Andreas Kusel, Olaf Weber, Jörg Broch, Paul Uhrik, Michael Röttgen, Daniel Kunze, Willi Hök sowie Tim Fourberg (vorne v. l.), Olaf Rosenthal, Mentor Dzemaili und Michael Granholm.
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Sie schwelgten in Erinnerungen: Jaroslaw Stankiewicz (hinten v. l.), Andreas Kusel, Olaf Weber, Jörg Broch, Paul Uhrik, Michael Röttgen, Daniel Kunze, Willi Hök sowie Tim Fourberg (vorne v. l.), Olaf Rosenthal, Mentor Dzemaili und Michael Granholm.

Fußballer-Treff nach 20 Jahren mit dem Erfolgstrainer Olaf Rosenthal.

Von Jürgen König

Es war ein Familientreffen der besonderen Art, das sich am vergangenen Wochenende in Ohligs abspielte. Im Bräuhaus in der Nähe des Hauptbahnhofs trafen sich am Freitagabend die meisten derjenigen, die exakt 20 Jahre zuvor für einen Höhepunkt im Solinger Fußball gesorgt hatten – mit dem Aufstieg des 1. FC Union in die Oberliga, der damals vierthöchsten deutschen Spielklasse. Auf Initiative von Jörg Broch, dessen Stellenwert weit über den Job des Physiotherapeuten hinaus ging, feierte das Team von Trainer Olaf Rosenthal den runden Geburtstag. „Solingen ist für mich immer positiv besetzt geblieben. Dass wir uns jetzt wiedersehen, ist überragend“, meinte der Coach.

Er gehörte jetzt zu denen, die das ganze Wochenende in der Klingenstadt und im Hotel die kurzen Nächte verbrachten. Im Mai 2002 war es, als die Blau-Gelben am finalen Spieltag bei Bayer Wuppertal mit 1400 Fans im Rücken den Aufstieg klar machten. Dabei hatten die Feierlichkeiten eigentlich schon eine Woche zuvor begonnen, als der legendäre Stadionsprecher Jochen Güttes den Aufstieg verkündet hatte, die Aussage jedoch auf einem falschen Ergebnis der Konkurrenz basierte. So löste sich der von Jubel gekennzeichnete „Platzsturm“ am Hermann-Löns-Weg inklusive der verschenkten Trikots in kurze Enttäuschung und weitere Spannung auf, ehe es eine Woche später dann doch klappte.

Dieser Aufstieg mit der Union war zweifelsohne der emotionalste.

Michael Röttgen (53), Torhüter

„Eigentlich wäre es typisch gelaufen, wenn wir nicht aufgestiegen wären“, blickte Michael Röttgen beim Wiedersehen auf eine besondere Saison. Die begann mit deutlichen Siegen, hielt zwischendurch aber auch klare Heimpleiten gegen den SV Straelen und den FC Remscheid sowie einen Punkteabzug bereit. Mit seinen 53 Jahren hat der immer noch bei Ayyildiz Remscheid – zukünftig trainiert von André Springob – aktive Röttgen viel erlebt. „Dieser Aufstieg mit der Union war zweifelsohne der emotionalste, da hat in der Mannschaft alles gepasst.“

Nicht nur der erfahrene Torhüter, auch ein damaliger Youngster verteilte besonders viel Lob an den Trainer. „Wir hatten vor dem Saisonstart gedacht, wir tun zu wenig im Training. Und da haben wir zu Beginn gleich mal eine überzeugende Siegesserie gestartet“, sagte der heutige VfB-II-Coach Daniel Kunze. „Olaf war einer der Ersten, die auf wissenschaftlicher Basis gearbeitet haben. Das war herausragend.“ Nicht nur Kunze, auch ein Mentor Dzemaili übernahm später selbst Verantwortung, trainierte die Union und den OFC, der mittlerweile in den 1. FC Solingen aufgegangen ist. Der Stürmer erinnerte sich an die schwere Zeit rund um die Insolvenz nach dem Engagement von Thomas Brdaric, heute kickt Dzemaili bei den Alten Herren des 1. FC Monheim.

Eine Fußball-Karriere legte derweil Olaf Rosenthal hin, der trotz des Aufstiegs vom Vorstand um den damaligen Chef Berthold Rühlemann entlassen wurde – Bernd Klotz war der Nachfolger. „Das hat schon wehgetan, zumal man es mir erst eine Woche nach dem Aufstieg abschließend mitgeteilt hat“, erzählte Rosenthal, dem dadurch gute Angebote entgangen waren. „Vielleicht hat man es mir nicht zugetraut, weil ich noch jung war.“ Dabei hatte Rosenthal nach der Trennung von Gerd Zewe schon gezeigt, was er drauf hatte, und das Team dank einer prima Rückrunde von Platz zehn auf vier geführt. Mit effektiven Transfers (Andreas Kusel, Sebastian Möller-Riepe, Markus Carl, Olaf Weber) wurde am Kader gefeilt, der schließlich aufstieg und nunmehr auf einem Niveau mit dem Wuppertaler SV oder Fortuna Düsseldorf spielte.

Längst nicht alle Spieler machten unter Klotz weiter, Olaf Rosenthal zog es als gebürtigen Schleswig-Holsteiner zum FC St. Pauli, wo er zunächst die U17 betreute und später in verschiedenen Funktionen arbeitete. Unter anderem als Scout für Gegner und Spieler, dies auch bei Hannover 96, Hansa Rostock und beim VfL Bochum. Ein besonderes Kapitel wird für den inzwischen unternehmerisch tätigen Rosenthal indes stets die Zeit bei den Blau-Gelben bleiben.

Das gilt ohnehin für den Macher der Zusammenkunft, der diese äußerst positiv bewertete. „Auch wenn wir auf der Zielgeraden noch Absagen hinnehmen mussten, war es eine tolle Sache“, freute sich Jörg Broch. Im Café Kirchner – dort, wo sich jeden Samstag die Zweitliga-Unioner um Betreuer-Ikone Willi Hök treffen – wurde gemeinsam gefrühstückt. Und auch sonst gab es reichlich Gelegenheiten, eines der erfreulichen Kapitel in der wahrlich wechselhaften Union-Vereinsgeschichte Revue passieren zu lassen.

Hintergrund

Nicht alle konnten der Einladung folgen, Manuel Rodriguez musste kurzfristig wegen einer Corona-Infektion absagen. Auch Raffaele Apicella oder Sascha Meier, letzter Schütze eines Union-Tores im Ohligser Stadion, fehlten. Trauer kam bei Gedanken an Dirk Schreiber auf, der kürzlich verstorben war.

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