Handball

Alina Bohnen findet ihr Handball-Glück im schönen Wien

Am vergangenen Samstag war Alina Bohnen noch mal in der Klingenhalle: beim Pokalspiel ihres Ex-Vereins. Foto: Lars Breitzke
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Am vergangenen Samstag war Alina Bohnen noch mal in der Klingenhalle: beim Pokalspiel ihres Ex-Vereins.

Ehemalige Spielerin des HSV Solingen-Gräfrath studiert in Österreich

Von Jürgen König

Man muss nicht lange mit Alina Bohnen gesprochen haben, bis klar ist, dass sie sich an ihrer neuen Handball-Station pudelwohl fühlt. WAT Atzgersdorf heißt der Club, der vom Namen her eher bescheiden klingt, aber in Österreich durchaus hohen Stellenwert besitzt. Hinter Hypo Niederösterreich, zwischen 1989 und 2000 gleich acht Mal in Europa Champions-League-Sieger, ist das Team aus Wien die Nummer zwei des Landes. „Wir haben eine super coole und junge Truppe“, schwärmt die Solingerin.

Seit Ende Juli befindet sich die 21-Jährige in der Alpenrepublik, eigentlich war ein anderer Weg geplant. Bohnen gehörte in der vergangenen Saison dem Kader des HSV in der 2. Bundesliga an, sollte auch bleiben und parallel beim Drittligisten TB Wülfrath Spielpraxis sammeln. Aber dann steigerte sich die Idee, im Ausland zu studieren und dort auch Handball zu spielen. „Ich habe ein paar Vereinen in Österreich eine Mail geschrieben, und letztlich hat es geklappt“, war die Rechtshänderin von ihrem neuen sportlichen Umfeld auf Anhieb angetan.

Schon der Grundlagenplan für die Zeit vor der gemeinsamen Vorbereitung hatte es in sich, „ziemlich anstrengend“ ging es weiter. Ein Turnier in Tschechien ist ebenso in guter Erinnerung geblieben wie das Super-Cup-Spiel zwischen dem Ersten Hypo und dem Zweiten aus Atzgersdorf. „Da war die Hütte voll“, konnte Alina Bohnen mit der Niederlage gegen den Favoriten leben. In der Meisterschaft hat sich ihr Team bislang schadlos gehalten, lediglich ein Unentschieden steht auf der Verlust-Seite. Und da hat der Neuzugang aus der Klingenstadt erheblichen Anteil dran. „Ich bin in der Start-Sieben und komme pro Spiel auf 45 bis 50 Minuten Einsatzzeit, es läuft prima“, sagt Bohnen und durfte sich nach starken Leistungen am Kreis und in der Abwehr sogar schon über zwei Nominierungen als wertvollste Spielerin freuen. Das Vertrauen des Trainers kommt ihr dabei sehr entgegen.

Die Begeisterung im familiären Verein ist enorm. Ich habe es keinen Moment bereut.

Alina Bohnen über ihren Club WAT Atzgersdorf

Das Niveau betrachtet die auch auf ausgeprägte Athletik bedachte 1,76 Meter große Handballerin als sehr gut – bezogen auf die deutschen Top-Ligen zwischen unterer 1. und oberer 2. Liga. Und ihre eigene sportliche Heimat macht sie ohnehin glücklich: „Die Begeisterung im familiären Verein ist enorm. Ich habe es keinen Moment bereut.“

Alina Bohnen in Aktion – für ihren neuen Verein aus Wien liegt sie derzeit als erfolgreichste Kreisläuferin auf Platz zehn der Erstliga-Torschützenliste.

Das gilt auch für ihre Ausbildung, Alina Bohnen studiert Sport und Deutsch auf Lehramt an einer Institution ähnlich der Sporthochschule in Köln. Die geräumige Wohnung hat sie von Atzgersdorf zur Verfügung gestellt bekommen, die Nähe zur Sporthalle macht ihr das tägliche Leben angenehm. Und Österreichs Hauptstadt mit ihren rund 1,9 Millionen Einwohnern bietet natürlich auch eine Menge. Da wird selbst der Lauf durch den Park von Schloss Schönbrunn zum Erlebnis. „Es ist wie Urlaub“, sagt die Abiturientin des Mildred-Scheel-Berufskollegs, die sich somit in allen Belangen gut eingelebt hat.

Aber selbstverständlich hängt ihr Herz auch noch an der Heimat – allein schon wegen der Familie, und auch wegen ihres HSV. So ließ es sich Alina Bohnen angesichts eigener Freizeit nicht nehmen, das Pokal-Achtelfinale der Gräfratherinnen gegen den Top-Erstligisten Thüringer HC zu verfolgen und eine achtbare 24:29-Niederlage mitzuerleben. „Die vergangene Saison war schon klasse, und auch jetzt sind es starke Leistungen, durch die sie es sich verdient haben, oben mitzuspielen. Ich bin stolz darauf, ein Teil des HSV gewesen zu sein“, fasst Alina Bohnen ihre Eindrücke zusammen.

Die Beziehung fast zu allen im Team ist noch gegeben bis intensiv, zu Merit Müller besteht gar eine besondere, die wohl etwas mit Aberglaube zu tun hat. „Früher hat sie mich immer direkt gefragt, welche Wadenbandagen sie zum Warmmachen tragen soll, jetzt schreiben wir dazu vor den Spielen“, bestätigt die „Österreicherin“ den engen Kontakt. Dass der auch in Zukunft so bleibt, davon darf man ausgehen. Denn neben dem Studium soll der Handball – derzeit ist sie vom HSV für ein Jahr ausgeliehen – stets fest im Leben der am 1. Oktober 2000 geborenen Solingerin verankert sein. Und vielleicht erfüllt sich ja eines Tages der Wunsch, mit internationaler Erfahrung wieder in Deutschland zu spielen.

Rückblick

Das Jahr 2019 bleibt Alina Bohnen handballerisch in besonders guter Erinnerung. Damals schaffte nicht nur die Erste den Sprung als Westdeutscher Meister in die 2. Liga, sondern zudem stieg die aus A-Jugendlichen bestehende Zweite in die Oberliga auf. Mit der gelernten Kreisläuferin im Rückraum als Torjägerin: 225 Mal traf Bohnen in einer Saison.

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