Interview

Adrenalin-Junkie sucht die Harmonie

Michael Röttgen dort, wo er sich in der fußballfreien Zeit am wohlsten fühlt: im Phantasialand.
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Michael Röttgen dort, wo er sich in der fußballfreien Zeit am wohlsten fühlt: im Phantasialand.

Fußball-Torhüter spricht im Interview über seinen Weggang von Solingen und vieles mehr.

Von Fabian Herzog

Mit der Bekanntgabe seines Wechsels zum Fußball-Bezirksligisten SC Ayyildiz hat Michael Röttgen große Wellen geschlagen. Der 51-Jährige kehrt vom A-Kreisligisten 1. FC Solingen zu dem Verein zurück, bei dem er bereits von 2010 bis 2015 als Torwart und Trainer im Einsatz gewesen ist.

Wie kam es dazu, dass sich so ein „uralter Torhüter“, wie Sie sich selbst im Scherz bezeichnet haben, noch einmal einem Siebtligisten anschließt?

Michael Röttgen: Nach dem Artikel in ST und RGA über meine Ankündigung, zur nächsten Saison noch einmal eine neue Herausforderung suchen zu wollen, gab es unglaublich viele Reaktionen. Das war fast erschreckend. Vereine aus der Düsseldorfer, Wuppertaler und Remscheider Kreisliga A haben mich kontaktiert, was mich einerseits natürlich ehrt, andererseits aber auch verwundert hat. Schön war aber, dass es keinerlei negative Rückmeldungen gab.

Wie viele Vereine waren es denn?

Röttgen: Elf! (lacht) In meine nähere Auswahl kamen dann aber nur zwei Clubs.

Und zwar?

Röttgen: B-Kreisligist BSC Union Solingen und eben der SC Ayyildiz.

Was war ausschlaggebend?

Röttgen: Für mich war wichtig, dass ich wirklich Lust drauf hab, wir uns als Familie dort wohlfühlen und ein harmonisches Umfeld vorherrscht. Außerdem wollte ich einfach sportlich auch noch mal angreifen und habe eine Aufgabe gesucht, die mich reizt. Denn mein Ehrgeiz ist ungebrochen. Deshalb habe ich mich sehr über Erdal Demirs (Trainer des SCA, Anmerkung der Redaktion) Anruf gefreut.

In dessen Kader gibt es mit Onur Topal aber doch einen Torhüter, der in den vergangenen Jahren sehr konstante Leistungen abgerufen hat.

Röttgen: Dessen bin ich mir auch bewusst. Ich habe einige Spiele von Onur gesehen und weiß, was er kann. Er hat es sich auch verdient, im Gleichstand einen Vorteil zu haben. Ich weiß aber aus den Gesprächen mit Erdal Demir, dass er immer die Besten aufstellt. Also möchte ich Onur einen heißen Kampf bieten, habe aber auch kein Problem damit, die Nummer zwei zu sein. Was zählt, ist der Erfolg der Mannschaft.

Ist für den Fall denn auch die Ayyildiz-Zweite, die in der Kreisliga A spielt, eine Option?

Röttgen: Auf jeden Fall. Da ist mit Vasfi Ince ja ein ehemaliger Mitspieler von mir Trainer.

Blicken wir zurück auf Ihre zwei Saisons in Solingen, wo Sie zuletzt ja auch die Trainerrolle übernommen hatten. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Röttgen: Als ich kam, waren wir ein Abstiegskandidat. Dann sind wir in der Saison 2018/19 Dritter geworden und anschließend an zu hohen Zielen gescheitert. Dadurch ist Unruhe reingekommen. Weil ich die auch in Zukunft befürchtet habe, bin ich gegangen. Ich weiß, dass ich nicht mehr all zu viele Fußballjahre vor mir habe.

Wo Sie Ihr Alter quasi ansprechen: Wie ist es um Ihre Fitness bestellt? Wie fühlen Sie sich am Morgen nach den Spielen?

Röttgen: Ich habe morgens echt keine Probleme. Das war mit 36 mal so, aber mittlerweile nicht mehr. Vielleicht ist das aber auch eine Form von Demenz, dass mein Körper das Spiel vergisst (lacht).

Also fit wie mit 25?

Röttgen: Naja, das nun auch wieder nicht. Ich habe jetzt schon großen Respekt vor der Vorbereitung und den Waldläufen. Da merke ich das Alter von Jahr zu Jahr mehr.

Wie lange haben Sie denn eigentlich noch vor zu spielen?

Röttgen: Also ich sage jetzt nicht, dass die kommende meine letzte Saison wird. Dafür macht es mir einfach auch noch zu sehr Spaß. Das mache ich einfach davon abhängig, wie das nächste Jahr läuft und ich mich dann im März/April fühle.

Ihr Geheimrezept für den Zaubertrank, den Sie doch jeden Morgen trinken müssen, haben Sie aber immer noch niemandem verraten, oder?

Röttgen: Die gute Pflege meiner Frau hält mich fit.

Und das Adrenalin. . .

Röttgen: Garantiert auch das. Deswegen spiele ich Fußball, um im Training und Spiel alles aus mir rauszuholen.

Zu Michael Röttgen genau so dazu gehört seit einigen Jahren ja auch sein Markenzeichen. War das rosa Torwarttrikot Teil der Vertragsverhandlung?

Röttgen: Nein, das nicht (lacht). Aber ich werde heimlich eins zum Beflocken dazulegen.

Zur Person

Michael Röttgen wurde am 19. August 1968 in Wermelskirchen geboren, wo er mit Ehefrau Sonja auch heute lebt. Der Projektleiter für Elektroplanung in Leverkusen begann seine Laufbahn in der Jugend von TuRa Pohlhausen. Im Seniorenbereich spielte er für TuRU Wermelskirchen, 1. Spvg. Remscheid, FC Remscheid, Union Solingen, 09/35 Wermelskirchen, TuSpo Richrath, Ayyildiz, Dabringhauser TV und 1. FC Solingen.

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