Die Woche im Sport von Thomas Rademacher

Abbruch der Jugend-Handballsaison kommt zu früh

+
thomas.rademacher@solinger-tageblatt.de

Christoph Rath findet klare Worte für die Handball-Saison im Nachwuchs.

„Es ist ein verlorenes Jahr“, sagt der Jugendkoordinator des Bergischen HC. Die Einschätzung ist nicht überraschend, schließlich hat der Großteil der Spieler seit Anfang November keinen Ball mehr in der Hand gehabt. Nur Kaderathleten dürfen während des Lockdowns trainieren, die Breite muss sich mit Fitnessübungen in Form halten. Mit Handball, insbesondere taktischer und spielerischer Entwicklung, hat das freilich nichts zu tun. Sobald die Sportler ihrem liebsten Hobby wieder nachgehen dürfen, müssen Rath und viele weitere Solinger Trainer eine Menge aufholen. Zu viel, um die Entwicklung mit der außerhalb einer Pandemie zu vergleichen.

Während für die Verbände der sportliche Lockdown als höhere Gewalt unvermeidlich war und in diesen Tagen weiterhin ist, hätte man den Abbruch der gesamten Handballsaison noch nicht beschließen müssen. Nordrhein, Niederrhein sowie der Bergische Handballkreis haben entschieden, in dieser Saison keinen Spielbetrieb im Jugendbereich mehr durchzuführen. Einzig der Deutsche Handball-Bund will die A-Jugend-Bundesliga weiterhin austragen und auch eine Deutsche Meisterschaft in der B-Jugend ausspielen.

Daher rührt wohl auch die Entscheidung der untergeordneten Verbände. Weil ab Mai die DM beginnen soll, fehlt die Zeit für reguläre Saisonspiele. Das lässt sich nicht abstreiten, doch muss es wirklich oberste Priorität sein, eine B-Jugend-Meisterschaft auszutragen?

Der Erste und Zweite der Regionalliga-Nordrhein qualifizieren sich eigentlich für die DM-Endrunde. Die Endspiele um den Titel sind der Lohn für eine lange, erfolgreiche Saison – sozusagen das Ende einer langen Reise. Davon kann diesmal keine Rede sein. Teams, die sich für gut genug halten, bekommen die Chance, sich zu qualifizieren – wenn denn im April gespielt werden darf. Ansonsten wird nach Setzliste nominiert. Wer auch immer den Titel gewinnt, feiert den bildlich gesprochen nicht nach einer langen Reise, sondern nach einer kurzen Tagestour.

Das erinnert ein wenig an das Champions-League-Final-Four der Männer, das der THW Kiel im Dezember für sich entschied. Nicht falsch verstehen: Als Event war das eine tolle Sache, doch die Teilnehmer wurden nach der Gruppenphase bestimmt und traten im Final-Four mit neuem Kader an. Der THW spielte grandios, ließ sich zu Recht feiern, aber es wird immer der Corona-Titel bleiben – auch wenn das böse klingt. Das droht nun auch in der B-Jugend, hier aber ist der Preis ein anderer. Während das Final-Four für den THW und Co. eine Mehrbelastung war, hat es kein anderes Team benachteiligt. Im Jugendbereich leiden aber alle Vereine, die nun wissen, dass sie keine Meisterschaftsspiele mehr absolvieren. Gerade in der Breite macht das Sorgen. Wer trainiert schon gerne, wenn er sich nicht messen kann? So hat Rath recht, wenn er sagt, dass man unbedingt spielen muss – dann eben auf freundschaftlicher Basis. Dass viele junge Handballer mit ihrem Sport aufhören könnten, ist eine Befürchtung. Um das zu verhindern, sind Anreize für alle immens wichtig. Spiele sind einer – wenn nicht sogar der wichtigste.

TOP In Jorden van Foreest gewinnt ein SG-Spieler das Schach-Wimbledon.

FLOP Ungewissheit im Lockdown geht immer mehr Sportvereinen an die Nerven.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

16 Kreisrekorde untermauern das beträchtliche Leistungsniveau
16 Kreisrekorde untermauern das beträchtliche Leistungsniveau
16 Kreisrekorde untermauern das beträchtliche Leistungsniveau
BV Gräfrath und Eintracht starten Kooperation
BV Gräfrath und Eintracht starten Kooperation
BV Gräfrath und Eintracht starten Kooperation
VfB feiert gelungenen Spinella-Einstand
VfB feiert gelungenen Spinella-Einstand
VfB feiert gelungenen Spinella-Einstand
STB landet den Befreiungsschlag
STB landet den Befreiungsschlag
STB landet den Befreiungsschlag

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare