Pandemie im Sport

2G-Regel fordert Solinger Vereine

Der VfB ist in Person von Davide Mangia umzingelt: gleichermaßen von Abstiegsangst wie von Corona-Auflagen. Foto:
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Der VfB ist in Person von Davide Mangia umzingelt: gleichermaßen von Abstiegsangst wie von Corona-Auflagen.

Die neue Corona-Schutzverordnung schließt ungeimpfte Sportler nahezu aus

Von Moritz Jonas, Jürgen König und Thomas Rademacher

Die am Mittwoch in Kraft getretene Corona-Schutzverordnung zur Eindämmung der stetig steigenden Infektionszahlen hat neue Auflagen für den Amateursport hervorgebracht. Ab sofort müssen sich sowohl Spieler als auch Zuschauer an die 2G-Regel halten. Konkret bedeutet das: Nur noch Personen, die vollständig geimpft oder genesen sind, dürfen an den Sportveranstaltungen teilnehmen. Die Regel gilt für alle ab 16 Jahren. Diese neuerliche Änderung wirft viele Fragezeichen bei den Solinger Vereinen auf.

„Zwar treffen diese Einschränkungen auch wieder den Sport in vielen Bereichen, aber wir können froh sein, dass ein weiteres Sporttreiben möglich ist“, sagt Karen Leiding, Geschäftsführerin des Solinger Sportbundes zur neuen Situation. Sie informierte die ihrer Interessenvertretung angeschlossenen Vereine der Klingenstadt am Dienstagabend per Mail über die veränderten Gegebenheiten. Und Leiding appellierte: „Umso mehr Sportlerinnen und Sportler geimpft sind und somit sich und andere vor schweren Erkrankungen schützen, desto mehr Möglichkeiten haben wir, auch im Sport möglichst lange ohne komplette Schließungen aktiv zu bleiben.“

„Wir sind froh, dass der Ball weiter rollen darf.“

Thomas Palapies-Ziehn vom Fußballverband Niederrhein

Bei den Solinger Fußballvereinen herrscht eine große Unklarheit über das Hinterlegen der Impf- und Genesenennachweise ihrer Spieler. „Für uns als Verein ist das ein enormer Verwaltungsaufwand und wir wissen bisher auch noch gar nicht, wo und wie wir die Zertifikate unserer Spieler eintragen müssen“, erklärt Yorik Heiber, Sportlicher Leiter vom TSV Solingen. Ähnliche Probleme gibt es auch bei DV Solingen: „Für uns ist es aktuell sehr schwer, das kommende Spiel zu planen, weil so viele Fragen offenbleiben“, sagt Sportdirektor Vedat Atalay. Zunächst müsse sich ein Überblick über die Impfsituation innerhalb der Mannschaft gemacht werden. Beim hochklassigsten Solinger Verein, dem Landesligisten VfB, ist derweil klar, dass das Trainer-Duo Rossi Tilaro und Erdim Soysal aufgrund der neuen Regelung auf vier seiner Spieler verzichten müsste.

Beim TSV gibt es unterdessen nur noch einen nicht geimpften Spieler, Heiber hegt allerdings noch andere Bedenken, was die neue Regelung angeht: „Ich fühle mich eigentlich nicht so richtig wohl dabei, die Nachweise der Spieler zu kontrollieren. Denn woher sollen wir wissen, ob die echt sind – die Bundesliga liefert da gerade das Beispiel“, gibt Heiber mit Blick auf das Geschehen um Bremens Coach Markus Anfang zu bedenken. Deshalb wolle der TSV es seinen Fußballern auch selbst überlassen, ob sie spielen und sich möglicherweise einem Risiko aussetzen, erklärt Heiber. Klar ist: Der Spielbetrieb innerhalb des Niederrheinverbandes (FVN) soll bis zur Winterpause in zwei Wochen aufrecht gehalten werden. „Wir sind froh, dass der Ball weiter rollen darf“, sagt Thomas Palapies-Ziehn vom FVN.

Maskottchen Bergi darf den Fans bei den Heimspielen des Bergischen HC weiterhin einheizen.

Spuren wird die 2G-Pflicht auch im Amateurhandball hinterlassen, wobei die Impfquote dem Vernehmen nach recht hoch ist. Die Oberliga-Mannschaft des Bergischen HC II zum Beispiel ist komplett geimpft, wie Mirko Bernau berichtet. „Daher hat die neue Gesetzgebung für uns keine direkten Konsequenzen“, sagt der Trainer. Vergleichbar ist die Lage wohl auch in vielen anderen Vereinen. Landesligist WMTV spielt ebenfalls mit komplett geimpftem Team. BHC-Nachwuchskoordinator Christoph Rath kommt mit seinen Mannschaften auch gut durch, hat im betroffenen Teil der Jugendabteilung aber zwei (noch) nicht geimpfte Spieler. „Die dürfen auch nicht mehr trainieren“, sagt er. „Da die Impfempfehlung für Minderjährige noch nicht so lange existiert, fände ich es fairer, den Spielbetrieb im Nachwuchs zu unterbrechen.“ Geplant ist so etwas offenbar aber nicht.

Auch im Tennis am Niederrhein gibt es derzeit keine Hinweise auf eine ähnlich trübe Entwicklung wie im Vorjahr, als die Hallensaison ausfiel. „Natürlich ist jetzt noch mehr Disziplin gefragt, aber wir haben auch bislang in unserem Sportbetrieb stets kontrolliert“, sieht die Vorsitzende Simone Carius ihren STC 02 gut gerüstet – was auch am hilfreichen Buchungssystem liege. Den Niederrheinliga-Männern (Samstag, 14 Uhr) und den Frauen in der 1. Verbandsliga (Sonntag, 11 Uhr) stehen Heimspiele an der Widderter Straße als Härtetest bevor.

Testungen für Geimpfte und Genesene sind bei Sportveranstaltungen weder für Zuschauer noch Aktive vorgesehen.

Im Profisport gilt derweil noch eine Ausnahme von der strikten 2G-Regelung. So müssen zwar auch die Berufssportler generell geimpft oder genesen sein, doch sie dürfen übergangsweise noch einen PCR-Test, der nicht älter als 48 Stunden ist, beibringen. Im Solinger Sport sind davon theoretisch die Bundesliga-Handballer des Bergischen HC und die Zweitliga-Handballerinnen des HSV Solingen-Gräfrath betroffen – wobei es in beiden Mannschaften wohl niemanden gibt, der noch nicht geimpft ist. Die Übergangsregelung ist freilich auch im hochklassigeren Fechtsport denkbar, zumal in der Verordnung von Teilnehmern „an Profiligen, an Ligen und Wettkämpfen eines Verbands, der Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund ist, sowie Teilnehmenden an berufsvorbereitenden Sportausbildungen“ die Rede ist.

Hintergrund

Kontrolle: Um den Impf- oder Genesenenstatus zu überprüfen, soll ab Freitag die CovPassCheck-App des Robert-Koch-Instituts genutzt werden. Diese erleichtert auch den Vereinen die Überprüfung. Der QR-Code mit dem Status des Einzelnen kann dort eingescannt und direkt auf Echtheit geprüft werden. Zusätzlich werden beim Scan Name und Geburtsdatum zum Abgleich mit dem Personalausweis angezeigt.

Veranstaltungen: Unverändert dürfen Sportevents mit bis zu 5000 Zuschauern ohne Kapazitätsbegrenzungen stattfinden. Auch die Maskenpflicht am Sitzplatz gilt beim 2G-Prinzip weiterhin nicht. So ergibt sich zum Beispiel für die Heimspiele von Handball-Bundesligist Bergischer HC nur die Änderung, dass künftig Ungeimpfte und Nicht-Genesene keinen Zutritt zu den Partien mehr haben werden.

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