Närrisches Treiben

Rosenmontag: Schulz im Fleischwolf und Merkel als Fossil

Ganz aktuell nehmen die Narren Martin Schulz aufs Korn. Foto: Ina Fassbender
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Ganz aktuell nehmen die Narren Martin Schulz aufs Korn. Foto: Ina Fassbender
Bundeskanzlerin Angela Merkel als "Schwarze Witwe" beim Rosenmontagszug in Düsseldorf. Foto: Ina Fassbender
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Bundeskanzlerin Angela Merkel als "Schwarze Witwe" beim Rosenmontagszug in Düsseldorf. Foto: Ina Fassbender
Campino (l) und die Toten Hosen beim Rosenmontagszug in Düsseldorf. Foto: Marcel Kusch
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Campino (l) und die Toten Hosen beim Rosenmontagszug in Düsseldorf. Foto: Marcel Kusch
Immer ein beliebtes Motiv: US-Präsident Trump auf einem Mottowagen in Düsseldorf. Foto: Federico Gambarini
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Immer ein beliebtes Motiv: US-Präsident Trump auf einem Mottowagen in Düsseldorf. Foto: Federico Gambarini
Politischer Mottowagen mit der Figur von Andrea Nahles. Foto: Federico Gambarini
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Politischer Mottowagen mit der Figur von Andrea Nahles. Foto: Federico Gambarini
Zwei geschminkte Karnevalisten in Düsseldorf. Foto: Ina Fassbender
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Zwei geschminkte Karnevalisten in Düsseldorf. Foto: Ina Fassbender
Der Abgas-Skandal wird in Düsseldorf auf die Schippe genommen. Foto: Federico Gambarini
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Der Abgas-Skandal wird in Düsseldorf auf die Schippe genommen. Foto: Federico Gambarini
Mottowagen mit der Figur von Theresa May im Düsseldorfer Karneval. Foto: Marcel Kusch
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Mottowagen mit der Figur von Theresa May im Düsseldorfer Karneval. Foto: Marcel Kusch
Karneval in Düsseldorf. Foto: Federico Gambarini
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Karneval in Düsseldorf. Foto: Federico Gambarini

Deutschland steht vor einer "Großen Kollision" und wird auch im Jahr 2111 noch mit Merkel zu tun haben. Keine Panik. Solche Szenarien entstammen - Alaaf und Helau - nur einigen närrischen Fantasien. Zu sehen bei den großen Rosenmontagszügen.

Köln (dpa) - Als wäre es nicht schon heftig genug - jetzt schlagen auch noch die Narren aus den Karnevalshochburgen zu. Bei den Rosenmontagszügen in Köln, Düsseldorf und Mainz werden Angela Merkel, der Nur-Noch-Ganz-Kurz-SPD-Chef Martin Schulz, die GroKo-Quälerei und die Selbstdemontage der Sozialdemokraten verspottet.

Nach den tollen Tagen im politischen Berlin kommt das jecke Echo aus dem Rheinland. Der Frohsinn in Köln wird allerdings geschmälert, als eine Pferdekutsche durchgeht und fünf Menschen verletzt werden.

Von Schulz bleibt nicht viel übrig - in Düsseldorf dreht der einstige SPD-Superstar sich selbst als Pappkamerad mit letzter Kraft durch den Fleischwolf. Und Merkel? Da sind sich die Wagenbauer einig - die Bundeskanzlerin schafft sie alle.

Die Kölner lassen Merkel im engen roten Blaser als Discoqueen auftreten - ihre Melodie: "Staying Alive" - "Am Leben bleiben". Noch bevor ein CDU-Parteitag und die SPD-Mitglieder demnächst im realen Leben entscheiden, sind die Karnevalisten sicher: Deutschland steht wieder vor einer "Großen Kollision" - äh: Großen Koalition. Dabei schaukeln Merkel und Schulz frontal aufeinander zu. Dass Schulz in einer neuen GroKo gar nicht mehr mitschaukeln darf, konnten die Wagenbauer nicht ahnen. Sein Absturz kam zu schnell.

Plötzlicher Schnee und Hagel stören die Jecken nicht. Der Unfall mit der Pferdekutsche nicht allzu weit vom Dom entfernt aber schon. Der Zug steht eine halbe Stunde still. Erste Irritationen. Polizei und Feuerwehr berichten später von fünf Menschen, die "leicht bis mittelschwer" verletzt und ins Krankenhaus gebracht worden seien. Eine Zuschauerin, der Kutschführer und drei Insassen sind die Betroffenen. Auch Tierärzte werden herbeigerufen, um zwei Pferde zu untersuchen. Eine geworfene Flasche soll eine Rolle gespielt haben. Dann geht's weiter.

Rund 200 Kilometer entfernt blickt der Mainzer Carneval-Verein schon in die Zukunft. Ins Jahr 2111. Deutschland wird von einem "lebenden Fossil" regiert, einer moosgrünen Uraltschildkröte - die "Merkel-Raute" verrät sie. Und auf einem anderem Wagen streift sich die CDU-Regierungschefin mal wieder den alten GroKo-Frack über - unter dem "Helau" von bunt kostümierten Besuchern und immerhin bei trockener Witterung. Auch in Mainz bleibt Schulz nicht verschont: Ein Persiflagewagen sieht ihn als Rohrkrepierer.

Während das Motto der 11 000 Teilnehmer im größten und ältesten Rosenmontagszug "Mer Kölsche danze us der Reih" ("Wir Kölner tanzen aus der Reihe") lautet, heißt es beim rheinischen Rivalen in Düsseldorf: "Jeck erst recht!" Die Motive des dortigen Wagenbauers Jacques Tilly - stets bis zuletzt top secret - gelten als besonders provokant.

SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles, die die Sozialdemokraten bald auch als Parteichefin retten soll, dürfte ihr satirisches Konterfei nicht sehr charmant finden: Breiter als hoch, in roten Boxhandschuhen kommt sie daher - die Narren orakeln: "Genossen, das ENDE ist NAHles!" FDP-Chef Christian Lindner flieht vor Regierungsverantwortung - "von tollen Posen zu vollen Hosen", reimt das Tilly-Team.

In den großen Zügen wird zudem Dampf abgelassen gegen den "Dieselsumpf". Die #MeToo-Debatte ist ebenfalls Thema - etwa in Kölle, dort aber sehr brav: Zwei Männer im Schweinekostüm hecheln einer Frau hinterher. Comedian Guido Cantz, WDR-Zugkommentator, formuliert da deutlich frecher: "Nicht jeder, der mit dem Schwanz wedelt, ist ein Regisseur."

Auch die Mächtigen weit fernab der Narren-Hauptstädte sind zum Höhepunkt des Straßenkarnevals nicht sicher vor Häme: Ein nackter US-Präsident Donald Trump wird von einem russischen Bären namens "Russlands Affäre" plattgemacht. Die britische Premierministerin Theresa May bringt die Missgeburt "Brexit" zur Welt. Und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un stemmt - mit leicht debilem Lächeln - eine Atomrakete in die Höhe.

Mainz und Düsseldorf erwarteten mehrere Hunderttausend Besucher. Rund eine Million sollten es in der Domstadt sein - sogar Florian Silbereisen mischte sich als römischer Legionär unters Volk. Die Kölner "Hexe" Steffi hält Gnade mit der Politik am Rosenmontag für völlig fehl am Platz: "Im Karneval sollte man Stacheln zeigen, die Politiker müssen das schon aushalten." Unter Kamelle- und Sträußchen-Regen meint dagegen Irene aus dem Chiemgau: "Was sie hier zeigen, ist krass, das würden wir in Bayern nicht machen."

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