„The Unicorn“

Schwarzes Loch nahe der Erde entdeckt – Warum es den Namen „Einhorn“ trägt

Das schwarze Loch zerrt am Roten Riesenstern im Sternbild Einhorn und verformt ihn – so wurden Forschende auf das kleine schwarze Loch aufmerksam. (Illustration)
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Das schwarze Loch zerrt am Roten Riesenstern im Sternbild Einhorn und verformt ihn – so wurden Forschende auf das kleine schwarze Loch aufmerksam. (Illustration)

Das kleinste bekannte schwarze Loch erhält den Namen „Einhorn“. Es ist gar nicht weit von der Erde entfernt – zumindest in astronomischen Dimensionen.

Forschende aus den USA haben das kleinste bekannte schwarze Loch entdeckt. Das schwarze Loch, dem die Forschenden den Namen „The Unicorn“ („Das Einhorn“) gegeben haben, hat etwa drei Sonnenmassen und ist nur 1500 Lichtjahre von der Erde entfernt, es befindet sich in der Milchstraße. Dass ein schwarzes Loch einen Namen erhält, ist ungewöhnlich, hat in diesem Fall aber gleich zwei Gründe: Es ist einzigartig – eben ein echtes „Einhorn“ und wurde im Sternbild Monoceros gefunden – zu Deutsch: Einhorn. Bisher gibt es kein bekanntes schwarzes Loch, das der Erde näher ist als „The Unicorn“. Gefahr droht der Erde jedoch nicht. Es wurden bis heute nur wenige schwarze Löcher gefunden, die eine so geringe Masse haben wie das schwarze Loch im Sternbild „Einhorn“.

Das schwarze Loch scheint einen sogenannten Roten Riesen namens V723 Mon zu begleiten, also mit ihm durch Schwerkraft verbunden zu sein. Ganz sicher können sich die Forschenden nicht sein, denn sie können das schwarze Loch nicht sehen. Schwarze Löcher schlucken Licht und können auch von den verschiedensten astronomischen Werkzeugen nicht direkt sichtbar gemacht werden. Doch eine Sache hat das schwarze Loch verraten: Das Verhalten seines Begleitsterns. V723 Mon wurde bereits von zahlreichen Teleskopen – darunter das Nasa-Weltraumteleskop „TESS“ – beobachtet, er ist ein bekannter veränderlicher Stern mit schwankender Helligkeit. Die Daten sind für Forschende verfügbar, wurden jedoch bislang noch nicht so analysiert, wie es das Team um den Forscher Tharindu Jayasinghe von der Ohio State University tat.

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Schwarzes Loch „Einhorn“ nahe der Erde: Forschende finden es anhand der Gezeitenverzerrung

„Als wir die Daten angeschaut haben, ist das schwarze Loch geradezu herausgesprungen“, erklärt Jayasinghe, der Hauptautor einer Studie ist, die im Fachjournal „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“ veröffentlicht wird. Die Daten zeigten, dass etwas an dem Roten Riesen „zerrte“ und dessen Form veränderte. Dieser Effekt wird „Gezeitenverzerrung“ genannt und existiert auch auf der Erde. „Wie die Schwerkraft des Mondes die Erdmeere bewegt, sie zum Mond hin anschwellen lässt und Ebbe und Flut entstehen lässt, so verzerrt das schwarze Loch den Stern in eine Football-ähnliche Form“, erklärt Todd Thompson, Co-Autor der Studie. Die einfachste Erklärung für dieses Phänomen, das die Forschenden in den Daten fanden, sei ein schwarzes Loch – „und in diesem Fall ist die einfachste Erklärung die wahrscheinlichste Lösung“, betont Thompson.

Forschung zu schwarzen Löchern: Wie wenig Masse kann ein schwarzes Loch haben?

Aus der Geschwindigkeit des Roten Riesensterns, seiner Umlaufzeit und der Art, wie die Gezeitenkraft ihn verzerrte, konnten die Forschenden die Masse des schwarzen Lochs ermitteln. Etwa drei Sonnenmassen ist das „schwarze Einhorn“ schwer und fällt damit in eine Kategorie schwarzer Löcher, von denen Astronom:innen erst seit kurzer Zeit ausgehen, dass es sie tatsächlich gibt. Die Existenz des schwarzen Lochs „The Unicorn“ wurde bereits von einer zweiten, unabhängigen Messung aus Japan bestätigt.

Nachdem die ersten dieser kleinen schwarzen Löcher gefunden wurden, geht Co-Autor Thompson davon aus, dass es in den kommenden Jahren weitere Entdeckungen geben wird. „Ich denke, das Feld bewegt sich in diese Richtung. Wir wollen kartieren, wie viele schwarze Löcher mit geringer Masse, mittlerer Masse und großer Masse es gibt“, erläutert Thompson und fährt fort: „Jedes Mal, wenn man eines findet, gibt es einen Hinweis darauf, welche Sterne kollabieren, welche explodieren und welche dazwischen liegen“. Ziel der Forschenden ist es, herauszufinden bis zu welcher Masse ein kollabierender Stern zu einem schwarzen Loch wird und wann er stattdessen zu einem Neutronenstern kollabiert.

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Erst kürzlich haben Forschende mit Hilfe des „Event Horizon Telescope“ Magnetfelder rund um das schwarze Loch in der Galaxie M87* sichtbar gemacht. (Tanja Banner) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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