Weltraum

Nasa meldet Problem mit „James Webb“-Weltraumteleskop – wichtiges Instrument außer Betrieb

Das „James Webb“-Weltraumteleskop von Nasa, Esa und CSA hat offenbar ein Problem. (Künstlerische Darstellung)
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Das „James Webb“-Weltraumteleskop von Nasa, Esa und CSA hat offenbar ein Problem. (Künstlerische Darstellung)

Seit dem Sommer beeindruckt das neue „James Webb“-Weltraumteleskop mit Aufnahmen aus dem Weltall. Nun meldet die Nasa ein Problem.

Washington D.C. – Das Weltraumteleskop „James Webb“, an dem die US-Raumfahrtorganisation Nasa sowie ihre Pendants aus Europa (Esa) und Kanada (CSA) beteiligt sind, erstaunt Forschende und Laien seit dem Sommer mit atemberaubenden Aufnahmen aus den Tiefen des Weltalls. Doch nun meldet die Nasa ein Problem: Einer der 17 Beobachtungs-Modi des Teleskops scheint nicht mehr richtig zu funktionieren – und zwar bereits seit dem 24. August.

Das Instrument MIRI (Mid-Infrared Instrument) ist mit einer Kamera und einem Spektrografen ausgestattet und blickt in verschiedenen infraroten Wellenlängen ins Weltall, die das menschliche Auge nicht wahrnehmen kann. Das Instrument könne unter anderem die Verbreitung von Staub und kaltem Gas in Sternentstehungsgebieten in der Milchstraße oder anderen Galaxien zeigen, heißt es bei der Nasa.

Diese Überraschungen verbergen sich in den Bildern des „James Webb“-Teleskops

Das „James Webb“-Weltraumteleskop eröffnet mit seinen scharfen und detailreichen Bildern einen ganz neuen Blick ins Universum. (Künstlerische Darstellung)
james-webb-weltraumteleskop-nasa-esa-csa-weltraum-universum.jpg © NASA-GSFC, Adriana M. Gutierrez (CI Lab)
Der südliche Ringnebel (NGC 3132), fotografiert vom „James Webb“-Weltraumteleskop. Die rot markierte Stelle im linken Bildbereich zeigt eine Galaxie, auf deren Kante das Teleskop blickt.
Der südliche Ringnebel (NGC 3132), fotografiert vom „James Webb“-Weltraumteleskop. Die rot markierte Stelle im linken Bildbereich zeigt eine Galaxie, auf deren Kante das Teleskop blickt. © NASA, ESA, CSA, STScI
Im Zentrum des südlichen Ringnebels sollte es einen einzigen sterbenden Stern geben. Doch Dank des „James Webb“-Weltraumteleskops und seinem einzigartigen Infrarotblick weiß man nun, dass das nicht ganz stimmt: Im Zentrum des Nebels befinden sich zwei Sterne. Den zweiten Stern konnte das Weltraumteleskop nur dank seines Infrarotblicks erkennen.
Im Zentrum des südlichen Ringnebels sollte es einen einzigen sterbenden Stern geben. Doch Dank des „James Webb“-Weltraumteleskops und seinem einzigartigen Infrarotblick weiß man nun, dass das nicht ganz stimmt: Im Zentrum des Nebels befinden sich zwei Sterne. Den zweiten Stern konnte das Weltraumteleskop nur dank seines Infrarotblicks erkennen. © NASA, ESA, CSA, STScI
Stephan‘s Quintett besteht aus fünf Galaxien. Betrachtet man auf dieser scharfen „Webb“-Aufnahme des Quintetts die oberste Galaxie, kann man sogar erkennen, was in ihrem Zentrum vor sich geht: Darin befindet sich ein supermassereiches schwarzes Loch, das Materie innerhalb der Galaxie verschlingt. Von ihm gehen gewaltige Lichtmengen aus – sein Licht ist so hell, dass es die anderen Merkmale der Galaxie überstrahlt.
Stephan‘s Quintett besteht aus fünf Galaxien. Betrachtet man auf dieser scharfen „Webb“-Aufnahme des Quintetts die oberste Galaxie, kann man sogar erkennen, was in ihrem Zentrum vor sich geht: Darin befindet sich ein supermassereiches schwarzes Loch, das Materie innerhalb der Galaxie verschlingt. Von ihm gehen gewaltige Lichtmengen aus – sein Licht ist so hell, dass es die anderen Merkmale der Galaxie überstrahlt. © NASA, ESA, CSA, STScI
Das erste Bild des „James Webb“-Teleskops, das vorgestellt wurde: Ein sogenanntes Deep Field, auf dem hunderte oder gar tausende Galaxien zu sehen sind. Dank eines Mikrolensing-Effekts (die Schwerkraft eines Galaxienhaufens im Vordergrund vergrößert Galaxien im Hintergrund) kann „Webb“ so sehr alte Galaxien ablichten. Die älteste bisher auf dem Bild entdeckte Galaxie ist 13,1 Milliarden Lichtjahre entfernt.
Das erste Bild des „James Webb“-Teleskops, das vorgestellt wurde: Ein sogenanntes Deep Field, auf dem hunderte oder gar tausende Galaxien zu sehen sind. Dank eines Mikrolensing-Effekts (die Schwerkraft eines Galaxienhaufens im Vordergrund vergrößert Galaxien im Hintergrund) kann „Webb“ so sehr alte Galaxien ablichten. Die älteste bisher auf dem Bild entdeckte Galaxie ist 13,1 Milliarden Lichtjahre entfernt. © NASA, ESA, CSA, STScI
Das Spektrum des Exoplaneten Wasp-69b, das mithilfe von Daten des „James Webb“-Weltraumteleskops erstellt wurde, zeigt eindeutig: In der Atmosphäre des Gasplaneten gibt es Wassermoleküle, außerdem können Forschende die Anwesenheit von Wolken aus der Kurve herauslesen.
Das Spektrum des Exoplaneten Wasp-69b, das mithilfe von Daten des „James Webb“-Weltraumteleskops erstellt wurde, zeigt eindeutig: In der Atmosphäre des Gasplaneten gibt es Wassermoleküle, außerdem können Forschende die Anwesenheit von Wolken aus der Kurve herauslesen. © NASA, ESA, CSA, STScI
Astronominnen und Astronomen staunen über röhrenförmige Strukturen im Carinanebel (rot markiert). Was hat das „James Webb“-Teleskop hier fotografiert?
Astronominnen und Astronomen staunen über röhrenförmige Strukturen im Carinanebel (rot markiert). Was hat das „James Webb“-Teleskop hier fotografiert? © NASA, ESA, CSA, STScI
Tatsächlich liefert das „James Webb“-Weltraumteleskop nicht nur wunderschöne Bilder aus den Tiefen des Weltraums, sondern für die Forschung auch zahlreiche Daten. Im Fall des „Deep Field“-Bildes wurden etwa bereits die ersten Galaxien ausgewertet. Das Spektrum zeigt, welche Elemente „Webb“ in einer 13,1 Milliarden Jahre alten Galaxie gefunden hat.
Tatsächlich liefert das „James Webb“-Weltraumteleskop nicht nur wunderschöne Bilder aus den Tiefen des Weltraums, sondern für die Forschung auch zahlreiche Daten. Im Fall des „Deep Field“-Bildes wurden etwa bereits die ersten Galaxien ausgewertet. Das Spektrum zeigt, welche Elemente „Webb“ in einer 13,1 Milliarden Jahre alten Galaxie gefunden hat. © NASA, ESA, CSA, STScI
Auch das supermassereiche schwarze Loch, das sich in einer der Galaxien von Stephan‘s Quintett versteckt, hat „Webb“ genauer untersucht. Die Grafik zeigt die Zusammensetzung des Gases rund um das schwarze Loch.
Auch das supermassereiche schwarze Loch, das sich in einer der Galaxien von Stephan‘s Quintett versteckt, hat „Webb“ genauer untersucht. Die Grafik zeigt die Zusammensetzung des Gases rund um das schwarze Loch. © NASA, ESA, CSA, STScI
Mithilfe von „Webb“ können die Forschenden einige der ältesten jemals beobachteten Galaxien analysieren.
Mithilfe von „Webb“ können die Forschenden einige der ältesten jemals beobachteten Galaxien analysieren. © NASA, ESA, CSA, STScI

Nasa: Wichtiges Instrument des „James Webb“-Weltraumteleskops mit Problem

MIRI alleine hat vier verschiedene Beobachtungs-Modi, von denen nun ein Modus Probleme macht: „Am 24. August zeigte ein Mechanismus, der einen dieser Modi, die sogenannte mittelauflösende Spektroskopie (MRS) unterstützt, während des Aufbaus für eine wissenschaftliche Beobachtung eine scheinbar erhöhte Reibung“, heißt es bei der Nasa.

Der Mechanismus wird verwendet, um im MRS-Modus zwischen verschiedenen Wellenlängen zu wechseln. Ein Prüfungsausschuss untersucht das Problem derzeit und soll das weitere Vorgehen festlegen. Die Nasa betont jedoch, dass das Teleskop abgesehen von diesem Problem „gesund“ ist und die anderen drei Beobachtungs-Modi des MIRI-Instruments funktionieren.

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Weltraumteleskop: „James Webb“ ist weit von der Erde entfernt

Es ist nicht das erste Problem mit dem „James Webb“-Weltraumteleskop: Noch bevor das Teleskop in Betrieb genommen wurde, schlug ein Mikrometeorit in einen seiner Spiegel ein. Das Problem: Das Teleskop ist etwa 1,6 Millionen Kilometer von der Erde entfernt – und damit für eine menschliche Reparatur-Crew nicht erreichbar. Ganz im Gegensatz zum „Hubble“-Weltraumteleskop, das bereits direkt nach seinem Start das erste Mal repariert werden musste, um es überhaupt einsatzfähig zu machen. (tab)

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