Unterschätzter Lastesel: Warum nicht mal ein Pickup?

Zwar fühlen sich Pickups (hier der Mitsubishi L200) auch auf Stock und Stein wohl, in Europa sind sie jedoch vor allem die Wahl für all jenige, die sich die Option offenhalten wollen, Sperriges zu transportieren, ohne auf Komfort zu verzichten.
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Zwar fühlen sich Pickups (hier der Mitsubishi L200) auch auf Stock und Stein wohl, in Europa sind sie jedoch vor allem die Wahl für all jenige, die sich die Option offenhalten wollen, Sperriges zu transportieren, ohne auf Komfort zu verzichten.

Pickup-Trucks sind längst nicht mehr nur etwas für US-Farmer und Rednecks. In Zeiten von katastrophalen Straßenverhältnissen und dem Durchbruch des SUV werden sie auch interessant für alle Europäer, die richtig viel transportieren wollen.

In den Köpfen der Deutschen hat der Pickup-Truck schon seit jeher etwas Ländliches. Damit verbindet man den Farmer, der auf der Ladefläche dutzende Zaunpfähle transportiert. Oder den Jäger, der damit über Stock und Stein ins Revier gelangt – und hinterher das erlegte Wild auch auf der Ladefläche abtransportiert. In seinem Heimatland, den USA, ist der Pickup aber noch sehr viel mehr. Er ist Familienkutsche, Umzugswagen, Bandtransporter und unersetzlicher Untersatz für praktisch alle Handwerker. Und in einer Ära, in der auch urbane Menschen immer häufiger zum SUV greifen, ist er die gleichgroße Alternative mit ungleich höherem Nutzwert. Warum der Truck auch hierzulande beim Autokauf all jener eine Rolle spielen sollte, die öfter mal mehr als sich selbst und die Aktentasche transportieren müssen, erklärt der folgende Artikel.

Euro-Pickup ist nicht gleich US-Pickup

Dabei muss von vornherein erst einmal mit einem weitverbreiteten Irrtum aufgeräumt werden: Pickups, die hierzulande erhältlich sind, haben nicht allzu viel mit ihren US-Brüdern gemein. Dort unterteilt man die Transporter nämlich der Größe nach in:

  • Fullsize
  • Midsize
  • Small size

Den mit Abstand größten Anteil am US-Markt haben die Fullsize-Trucks. Also die richtig dicken Brummer vom Schlage eines Chevrolet Silverado, Dodge RAM oder Ford F-150. Letzterer übrigens nicht nur seit Jahren das meistverkaufte Auto der USA, sondern auch seit den 70ern Weltmarktführer bei den Pickups. Nur: In Europa spielen diese Trucks praktisch keine Rolle. Was bei uns in den Hallen von VW, Nissan, Ford oder Toyota steht, liegt in der Größe irgendwo zwischen Midsize und Small size und ist deshalb kaum größer als ein BMW X5, VW Tuareg und andere XL-SUVs. Interessenten sollten also den Pickup nicht schon von vornherein wegen seiner vermeintlich (für europäische Straßen) zu großen Abmessungen ausschließen.

Die Mär vom Säufer

Zugegeben: Der Verbrauch eines Fahrzeugs hängt auch immer von seinem Gewicht ab – und da müssen Pickups nun mal zwangsläufig schlechter dastehen, als ein Smart. Aber: Auch an den Lasteseln ist die Entwicklung nicht spurlos vorübergegangen. Für Abgase und Verbrauch gelten hierzulande bei Pickups die gleichen Regeln wie bei jedem anderen Fahrzeug. Und damit kommen wir in Sachen Steuern und Versicherungen in den gleichen Fragekatalog, dem sich auch Käufer „normaler“ Autos stellen. Im Vergleich der Fahrzeug-Motorisierungen hängt es also auch beim Pickup vor allem davon ab, was man damit machen möchte:

  • Wer selten fährt und Wert auf maximale Laufruhe legt oder ein Fan von US-Trucks ist, kann auf Benziner setzen.
  • Wer ein vollwertiges Alltagsfahrzeug benötigt, das weite Strecken fahren und eben auch schwere Lasten bewegen kann, benötigt einen Diesel (übrigens bei Euro-Trucks sowieso die meist einzige Option).
  • Wer einen Benziner fahren, aber nicht mit dessen Verbrauch leben will, kann auf Gas setzen. Auf der Pritsche ist genug Platz für große Tanks und zudem macht diese Option es möglich, auch (alte) US-Pickups (die hauptsächlich mit großvolumigen, durstigen Benzinern verkauft werden) hierzulande verhältnismäßig günstig zu fahren.

Auf die bei normalen PKW mittlerweile gängige Option Elektro oder Hybrid müssen Pickup-Käufer, selbst beim kürzlich vorgestellten Mercedes-Truck, jedoch vorerst verzichten. Dennoch: Ein Pickup verbraucht in der Regel nicht mehr als ein gleichgroßes SUV – oftmals sogar weniger, weil die leere Ladefläche weniger wiegt, als der mit Blech und Glas versehene Hinterteil der Trend-Fahrzeuge.

Kein spartanisches Landei

Ein weiterer Grund, der für den Pickup spricht: Er ist zwar auch ein Handwerker-Mobil, aber nicht ausschließlich. Zwar bietet etwa Ford von seinem Ranger auch ein dürftig ausgestattetes Lastesel-Modell an, aber grundsätzlich haben die Hersteller erkannt, dass der sowieso schon kleine Euro-Pickup-Markt sich nur bedienen lässt, wenn man den Arbeitstieren eine ganze Menge Komfort und Sicherheit spendiert und sie somit zum Lifestyle-Vehikel macht. 

Um beim Kölner Hersteller zu bleiben: Dessen aktuelles Ranger-Modell etwa kommt mit Touchscreen, optionaler Spurhaltekontrolle, Ledersitzen und Parkassistent – kein bisheriger SUV-Besitzer muss hier auf etwas verzichten. Ähnlich sieht es auch bei VW aus: Der Amarok hat in der luxuriösen Highline-Variante kaum nichts mehr von einem Arbeitstier, sondern eher einem urbanen Luxusfahrzeug, das eben auch mal ein dutzend Koffer transportieren kann.

Der Geländegängige

Den Pickup-Markt in Deutschland machen prinzipiell nur eine Handvoll Hersteller unter sich aus:

  • Nissan mit dem Navara
  • Ford mit dem Ranger
  • VW mit dem Amarok
  • Toyota und der Hilux
  • Isuzu mit dem D-Max
  • Mitsubishi mit dem L200

Und all diesen Pickups ist eines gemein: Sie sind in klassischer Manier gebaut, verfügen also über einen Leiterrahmen, an dem Motor und Fahrwerk befestigt sind und auf den die Karosserie aufgesetzt wird. Und das ist, selbst bei Varianten ohne Allradantrieb, ein gewaltiger Vorteil in Sachen Geländegängigkeit. Denn ein Leiterrahmen kann sich viel besser verwinden und somit die Räder auch dort am Boden halten, wo Fahrzeuge mit selbstragender Karosse (wie die meisten SUVs) klein beigeben müssen. 

Das wird schon für alle Outdoor’ler interessant: Damit lassen sich nämlich Mountainbike und Co. selbst in die entlegensten Ecken transportieren. Und falls der Boden fürs Zelten doch zu steinig ist, lässt sich so manches Zelt auch auf der Pickup-Pritsche aufbauen.

Ein Raumwunder für sich

Praktisch jedes Automodell, sei es noch so klein, wird damit beworben, wie viel Transportfläche sich darin schaffen lässt. Bloß: Im Vergleich mit einem Pickup müssen selbst Deutschlands größte Kombis, angeführt von der E-Klasse, die Segel streichen. In den Mercedes passen etwa ohne umgelegte Rückbank 695 Liter. Beim D-Max von Isuzu (mit vollwertiger Rückbank in der Doppelkabine) passen auf die Ladefläche 779 – wenn man tatsächlich nur bis zur oberen Ladekante vollmacht. Natürlich ist, entsprechende Ladungssicherung vorausgesetzt, auch höheres Beladen erlaubt und deshalb passen auf die Ladeflächen der typischsten Pickups wesentlich größere Gegenstände als in Vans oder Kombis – und bei Doppelkabinern sogar gleich viele Passagiere in den Innenraum. 

Das kommt schon dann zum Tragen, wenn man irgendwas Sperriges transportieren muss. Eine Couchgarnitur und ihre Träger beispielsweise. Oder die ganze Familie samt Skier in den Winterurlaub – das alles ist im Pickup problemlos möglich. Vor allem kleine SUVs kommen da nicht ran – zumal sich die Pickup-Pritsche schnell auch mal mit dem Hochdruckstrahler reinigen lässt ungleich zum Teppich in Kombi, Van oder SUV.

Fazit

Wer schon immer mit der Übersichtlichkeit von SUVs liebäugelte, Kombis zu niedrig und Vans zu unattraktiv fand, der sollte vor dem nächsten Kauf einmal ehrlich eruieren, ob ein Pickup nicht vielleicht das Auto wäre, das ihn glücklich macht. Kuhstallgeruch haftet europäischen Trucks keineswegs an, wohl aber das gute Aroma, damit praktisch alles transportieren und ziehen zu können, was man sonst auf einen Anhänger packen würde – und diese Ladung notfalls auch noch über Feldwege ans Ziel zu bekommen.

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