Raser in der Stadt:

Strafen trotz lebensgefährlichem Tempo überschaubar!

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Riskante Überholmanöver mit hoher Geschwindigkeit bergen eine große Gefahr

Immer wieder kommt es zu schweren Verkehrsunfällen in Städten. Grund dafür ist häufig eine Geschwindigkeitsüberschreitung. Manchmal sorgen sogar illegale Autorennen in den Städten für Aufmerksamkeit. Die Strafen für die Raser sind in Deutschland allerdings vergleichsweise gering.

Immer wieder spektakuläre Unfälle durch Raserei

Regelmäßig wird in den Medien über Unfälle aufgrund von Rasern und illegalen Autorennen berichtet. Nicht selten enden diese Crashs mit schweren Verletzungen oder gar mit dem Tod von Beteiligten.

Das womöglich Schlimmste daran: Oftmals werden Unbeteiligte in Mitleidenschaft gezogen. Vor diesem Hintergrund standen in den vergangenen Jahren zwei spektakuläre Urteile im Fokus der Öffentlichkeit. Während im Falle des Ku’damm-Rasers ein Mordurteil erst einmal vom Bundesgerichtshof gekippt wurde, erklärten die Richter erst vergangene Woche einen vergleichbaren Fall aus Hamburg für rechtskräftig.

Aufgrund der Tatsache, dass sich die zumeist jungen Männer bei ihren illegalen Rennen durch die Städte oft maßlos selbst überschätzen, wurde in solchen Situationen bisher kein Vorsatz unterstellt. Juristisch gesehen handelt es sich dann um eine fahrlässige Tötung. Der Hamburger Fall zeigt jetzt aber, dass die Rechtsprechung zukünftig von der bisherigen Auslegung abweichen könnte. Im konkreten Beispiel wurde dem Fahrer ein „bedingter Tötungsvorsatz“ unterstellt. Wer mit überhöhtem Tempo durch die Stadt rast, möchte zwar niemanden gezielt ermorden. Allerdings nimmt der Fahrer in Kauf, dass das eigene oder andere Leben gefährdet werden.

Das sind die Strafen für zu schnelles Fahren

Auch wenn es nicht zu Unfällen kommt, werden überführte Raser bestraft. Die Höhe der Strafe hängt dabei maßgeblich von der Geschwindigkeitsüberschreitung ab:

  • Fährt ein Fahrer beispielsweise 25 Km/h zu schnell und wird dabei geblitzt, droht ein Bußgeld von 80 € und ein Punkt in dem sogenannten Fahreignungsregister in Flensburg.
  • Wird die zugelassene Höchstgeschwindigkeit um 50 Km/h überschritten, muss der Verkehrsteilnehmer mit einer Strafe von 200 € und zwei Punkten in Flensburg rechnen.
  • Bei mehr als 70 Km/h zu schnell, werden innerorts in Deutschland 680 € fällig und der Führerschein wird für drei Monate entzogen. Zudem werden 2 Punkte auf dem Konto notiert.

Oftmals werden die Messungen allerdings angezweifelt, oft unter Berufung auf ein fehlerhaftes Messverfahren. Sollte der Verdacht bestehen, dass die Messung der Geschwindigkeitsüberschreitung fehlerhaft ist, kann dagegen vorgegangen werden. Auch Formfehler (z.B. ein undeutliches Foto) können den Bußgeldbescheid ungültig machen.

Diese Strafen sind vergleichsweise gering

Vergleicht man diese Strafgelder mit denen anderer europäischer Länder, fällt schnell auf, dass die Summen in Deutschland deutlich niedriger sind, als anderswo.

In Frankreich beispielsweise werden bei 20 Km/h zu mindestens 135 € fällig. Bei 50 Km/h zu viel sind es sogar 1.500 €.

Auch in Italien sind die Strafen höher, als hierzulande. Zeigt der Tacho 20 Km/h zu viel an, müssen dort 170 € bezahlt werden. Falls die Geschwindigkeitsüberschreitung 50 Km/h beträgt sind, 580 € zu bezahlen. In Italien ist es jedoch günstiger tagsüber erwischt zu werden, denn nach 22.00 Uhr erhöht sich die Strafe automatisch um ein Drittel.

Spanien erhebt ebenfalls mehr Bußgeld auf zu schnelles Fahren als Deutschland. Wenn die Höchstgeschwindigkeit um 20 Km/h überschritten wird, dann müssen dort mindestens 100 € bezahlt werden. Bei 50 Km/h zu viel werden in Spanien 600 € fällig.

Die in anderen europäischen Mitgliedsstaaten erhobenen Bußgelder werden auch in Deutschland von den heimischen Behörden eingefordert. Die Strafe wird also in jedem Fall fällig.

Wie reagiert die Polizei?

Auf Seiten der Polizei sind die Reaktionen auf Raser in der Stadt die folgenden:

  • Gründung von Einsatzgruppen und Sonderkommissionen
  • großangelegte Verkehrskontrollen
  • Entzug der Fahrerlaubnis
  • Sicherstellung und Stilllegung der Fahrzeuge
  • Observation der Szene

Spätestens seitdem sich diese Fälle häufen und in der Bevölkerung wahrgenommen werden, reagiert die Polizei bundesweit auf Raser in der Stadt. Vor allem die Gründungen spezieller Ermittlungsgruppen und Sonderkommissionen sind ein deutlicher Hinweis auf die polizeilichen Aktivitäten.

Die Szene wird nun verstärkt kontrolliert, auch großangelegte Verkehrskontrollen finden immer häufiger statt. Wenn einem Halter eines verdächtigen Fahrzeugs nachgewiesen werden kann, dass das Auto getunt ist, kann es, aufgrund der Verkehrssicherheit, an Ort und Stelle von den Beamten sichergestellt werden.

Im nächsten Schritt erfolgt dann eine TÜV-Prüfung, aufgrund derer das Fahrzeug auch komplett stillgelegt werden kann. Ein weiteres Mittel der Polizei ist natürlich der Entzug der Fahrerlaubnis. Diese hat generell lebenslange Gültigkeit und erst nach einer Mindestsperrfrist kann bestenfalls eine neue Erteilung der Fahrerlaubnis beantragt werden. Selbstverständlich wird die Raser-Szene vielerorts auch ausgiebig von der Polizei observiert.

In vielen Großstädten herrscht eine Null-Toleranz-Politik. Das heißt: Selbst bei, auf den ersten Blick, kleinen Verstößen, wie zum Beispiel das Entfernen des Schalldämpfers im Auspuff, werden die betroffenen Fahrzeuge kontrolliert und falls nötig, stillgelegt.

Trotz dieser Maßnahmen seitens der Staatsmacht, lassen sich die Raser oft nicht von ihrem Tun abhalten. Das liegt natürlich daran, dass der Faktor Adrenalin ein sehr wichtiger in diesem Zusammenhang ist.

Der Reiz, nicht erwischt zu werden, ist ebenso hoch, wie der Wunsch mit den schnellen Autos aufzufallen. Es ist und bleibt ein Katz-und-Maus-Spiel.

Was muss in Zukunft passieren, um die Zahl der Raser einzudämmen?

Um die Zahl der Verkehrssünder nachhaltig einzudämmen, wird es nötig sein, noch mehr präventive Maßnahmen zu ergreifen. Eine Anpassung der Bußgelder und des Punktesystems bei Geschwindigkeitsüberschreitung oder ein schnelleres Entziehen der Fahrerlaubnis könnten mit Sicherheit deutliche Wirkung zeigen. Hier kann Deutschland sich durchaus andere europäische Länder zum Vorbild nehmen. In der Vergangenheit sind die Unfallverursacher oft nur mit Geld- oder Bewährungsstrafen belegt worden. Die jüngste Rechtsprechung hat aber gezeigt, dass die Vergehen der Raser in Zukunft mit einem anderen Strafmaß beurteilt werden können. Idealerweise sollten undisziplinierte Verkehrsteilnehmer aber nicht erst dann verurteilt werden können, wenn es zu einem Unfall gekommen ist. Hier ist in der Handhabung mit derartigen Fällen noch Luft nach oben vorhanden.

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