Fahrbericht

Haste Töne: Die Ducati Scrambler 1100 Sport ist ein Bike aus der Mitte des Lebens

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Die Ducati Scrambler 1100 Sport überzeugt nicht durch ihr Äußeres, sondern glänzt auch fahrerisch.

Die Vermehrungsrate ist atemberaubend: In gerade mal drei Jahren hat Ducati mehr als ein Dutzend Scrambler vorgestellt. Aber einer davon muss ja der Boss sein – wir fuhren das aktuelle Topmodell 1100 Sport.

Nach diversen Versionen mit 400 und 800 Kubikzentimetern haben die Italiener nun die Familie um die 1100er-Baureihe erweitert, die es ab Start gleich in drei Ausführungen gibt: 1100, 1100 Special und 1100 Sport. Letztere steht nun in der Lackierung Viper Black mit gelben Rallye-Streifen auf Kotflügel und Tank vor uns. Sieht edel aus.

Ducati Scrambler 1100 Sport: Ein Bike aus der Mitte des Lebens

Die Eckdaten lassen nun nicht gerade die Knie zittrig werden, aber es geht ja nicht um einen Supersportler für Rekordrunden beim Rennstreckeneinsatz, sondern um ein Bike aus der Mitte des Lebens für die schönen Genussmomente. Dem stehen die 86 PS, die der Zweizylinder-Motor mit 1.079 Kubikzentimetern leistet, sowie das maximale Drehmoment von 88 Nm ganz gut zu Gesicht. Denn es gilt, gerade einmal 206 Kilogramm Motorrad zu bewegen.

Die Ausstattung der Ducati Scrambler 1100 Sport

Damit dies leicht fällt, ist ein schöner breiter Lenker montiert, mit dem man sofort die Kontrolle über die Scrambler übernimmt. Man sitzt aufrecht und hat alles im Griff, zudem sind Schalter, Hebel und Knöpfe da, wo sie sein sollen. Das Cockpit schaut mit der angeflanschten Geschwindigkeitsanzeige etwas futuristisch aus, an die Systematik des Drehzahlmessers, dessen Anzeigebalken von rechts oben nach links unten wandert muss man sich gewöhnen. Und gute Augen braucht’s zum Ablesen obendrein.

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Dann kann es losgehen. Die Scrambler legt erst einmal sanft los, fast scheint es, als ob der Zweizylinder anfangs noch etwas träge und unwillig ist. Aber sobald der Gasgriff aufgedreht wird und der Balken des Drehzahlmessers die 3.000er-Marke passiert, ist auf einmal ordentlich Dampf da. Dann geht die Ducati ganz ordentlich ab und zieht durch, bis bei rund 9.000 U/min das Ende in Form des optischen Signals in Sicht ist. Das reicht aber auch, denn der ansonsten fette und wohlklingende Sound wird obenraus nicht besser.

Die angeflanschte Geschwindigkeitsanzeige wirkt etwas futuristisch.

Fahreindrücke: So fährt sich die Ducati Scrambler 1100 Sport

Beim Kurventanz lassen sich die sechs Gänge nach kurzer Warmfahrphase erfreulich sauber und weich wechseln. Überhaupt ist die 1100 Scrambler sehr angenehm zu fahren, folgt willig den Anweisungen des Fahrers, macht keine Mucken und ist nicht zickig. Man kann sich also voll aufs Wesentliche konzentrieren: das Fahren. Die 86 PS bringen das 206 Kilogramm schwere Motorrad ganz gut auf Trab und sorgen auf Bundes- und Landstraßen stets für Souveränität, auf der Autobahn hechelt man mangels Windschutz sturmzerzaust Richtung Höchstgeschwindigkeit. Die ist mit 204 Stundenkilometern angegeben – die mit reichlich Mühe zwar erfahrbar, aber im Grunde ohne praktischen Nutzen ist. Viel wichtiger ist, dass die Ducati im Alltagsbetrieb voll überzeugt.

In der Stadt ist sie dank ihres breiten Lenkers extrem handlich, schluckt problemlos Gullydeckel, Tramgleise, Asphalt-Flickwerk und Längs- oder Querrillen. Einziges Manko sind die beiden Auspuffendtöpfe, die schon nach kurzer Betriebsdauer so heiß sind, dass beide Oberschenkel des Fahrers gut durchgebraten werden. Besserung beschert erst kühlender Fahrtwind jenseits des Ortsschildes. Dann sorgt die Scrambler allenfalls für heiße Ritte, denn das Gesamtpaket ist absolut stimmig: Leistung, Gewicht, Fahrwerk und Bremsen bescheren dem Fahrer ungetrübten Spaß bei gemütlicher oder auch ambitionierter Gangart, bei der die Öhlinskomponenten (Gabel und Federbein) voll zur Geltung kommen.

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Da zerzaust es dem Hipster die Gesichtswolle ganz ordentlich und Glattrasierten zaubert es ein Grinsen unter den Helm, denn dank der Auspuffanlage mit Klappensteuerung ist man mit geradezu musikalischem Sound unterwegs. Sicherheitshalber ist die Sport-Version auch noch serienmäßig mit Kurven-ABS ausgestattet. Wundert es, dass wir fast ausschließlich im Fahrmodus Active unterwegs waren und Touring und City nur testhalber kurz durchprobierten?

Verbrauch der Ducati Scrambler 1100 Sport

Als Verbrauch ermittelten wir 5,5 Liter auf 100 Kilometer – ohne große Ausreißer nach oben (maximal 5,9 Liter) und unten (minimal 5,0 Liter). Eine Tankfüllung reicht also für rund 270 Kilometer. Nichtsdestotrotz mahnte die Reserveleuchte bereits knapp 100 Kilometer zu früh zum Nachfüllen. Was man trotz besserem Wissen gerne befolgt, denn der Tankdeckel ist einfach zu schön, um ihn nur in geschlossenem Zustand zu betrachten.

So viel kostet die Ducati Scrambler 1100 Sport

Für die Scrambler 1100 Sport muss man tief in die Tasche greifen. 14.990 Euro hat Ducati auf die Preisliste geschrieben. Dafür gibt es ein feines Motorrad, das für deutlich mehr taugt, als es nur zum Posen vor die Eisdiele zu stellen. Überdies gehören zur Ausstattung neben den bereits erwähnten Öhlins-Komponenten und dem Kurven-ABS auch Traktionskontrolle, LED-Tagfahrlicht und Alu-Räder.

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Fazit zur Ducati Scrambler 1100 Sport

Die Scrambler 1100 Sport ist zu Recht das aktuelle Topmodell der gesamten Baureihe. Sie überzeugt nicht nur durch ihr Äußeres, sondern kann auch mit fahrerischem Glanz aufwarten. Sie ist kein Showbike für den Boulevard, sondern ein Motorrad, das mit ausreichend Leistung bei niedrigem Kampfgewicht aufwartet und dank dieser Kombination eine sehr flotte Sohle auf den Asphalt legen kann. Und sieht dabei verdammt gut aus.

Technische Daten der Ducati Scrambler 1100 Sport

Motor

luftgekühlter Zweizylinder-Motor

mit 1.079 ccm Hubraum

Leistung

86 PS (63 kW) bei 7.500 U/min

Drehmoment

88 Nm (bei 4.750 U/min)

Höchstgeschwindigkeit

204 km/h

Radstand

1.514 mm

Sitzhöhe

810 mm

Gewicht (vollgetankt)

206 Kilogramm

Tankinhalt

15 Liter

Testverbrauch

5,5 Liter

Preis

14.990 Euro

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Volker Pfau

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