Günstiger Neuwagen:

Das System mit der Eigenzulassung

Duisburg – Der Neuwagenmarkt hat 2015 floriert und auch die Zahlen von Anfang 2016 sind vielversprechend. Hauptabnehmer ist aber nicht der deutsche Endverbraucher – zumindest auf dem Papier. Vielmehr bedienen sich Händler eines Kunstgriffes namens Eigenzulassung.

Auf dem Neuwagenmarkt scheint eine Umverlagerung der Kundschaft stattgefunden zu haben: Ein Blick auf die Statistik der Neuzulassungen im Januar verrät, lediglich 30,7 Prozent hiervon sind auf Privatpersonen zurückzuführen. Im Jahr der Abwrackprämie 2009 gingen hingegen noch 62,7 Prozent auf das Konto privater Käufer. Hauptgrund für das Wegbrechen der Privatkunden auf dem Neuwagenmarkt ist ein ausgeklügeltes System der Autohersteller und Verkäufer: Am Ende gerät der Wagen zwar an den Privaten, um Preise zu drücken und die Zulassungsstatistiken zu schönen aber über einen kleinen Umweg: Die Eigenzulassung.

Eigenzulassungen als Preishebel der Autohändler

Vor allem Hersteller und Händler sind es nämlich, die selbst ihre Autos zulassen, um sie dann etwa als Tageszulassung oder auf dem Gebrauchtwagenmarkt günstiger verkaufen zu können: Im Februar 2016 waren 35 Prozent der Neuwägen solche sogenannten Eigenzulassungen – Höchststand seit 2007. Jeder dritte Wagen wird also zuerst von einem Händler zugelassen, bevor er stark reduziert an den Privatkunden weitergeht. Nicht umsonst rief Autopapst Prof. Ferdinand Dudenhöffer, Chef des CAR-Instituts, zuletzt paradiesische Zeiten für Autokäufer aus. Denn während beim Gebrauchtwagenkauf Zustand und Unterlagen des Fahrzeugs die Preisverhandlung bestimmen, ermöglicht der Trick mit der Eigenzulassung den Autohäusern, den quasi neuen Wagen nach der Zulassung günstiger weiterverkaufen zu können. Außerdem lässt sich mit dieser Methode Volumen in den Markt pumpen und der Kundenkreis erweitern.

Am meisten wird bei Automodellen von Honda und Kia getrickst. Sie sind mit 52,3 Prozent Eigenzulassungen Spitzenreiter. Aber es gibt auch Modelle bei denen die Rabatte oft schon ausgereizt scheinen: Schlusslicht der Statistik bildet Dacia.

Feilscherei zu Gunsten des Verbrauchers?

Formal kann es sich auch bei den Eigenzulassungen immer noch um einen Neuwagen handeln: Neuwagen bedeutet nämlich nicht automatisch, dass das Fahrzeug erst noch gebaut wird – theoretisch kann es auch schon fertiggestellt worden sein, das aber maximal vor 12 Monaten. Der Gewinner des Kniffs mit der Eigenzulassung ist letztlich also der Käufer, der den Neuwagen zu günstigeren Konditionen erhält. Und das Beste: Obendrein gibt es für Verbraucher weitere Möglichkeiten um beim Autokauf zu sparen. Zusätzlich zu den hohen Rabatten versteckt sich der größte Kostenhebel oft im Barzahler-Rabatt, bei dem der Händler den kompletten Kaufpreis direkt erhält. Aber auch simple Tricks, wie die eigene Kaufabsicht herunter zu spielen und auch über Zusatzkosten zu verhandeln, können bei der Verhandlung ihre Wirkung zeigen.

Eigenzulassungen haben aber, neben der Rabattchance, sowohl Vor- als auch Nachteile: Da Eigenzulassungen bereits produzierte Wägen sind, verkürzt sich in vielen Fällen die Wartezeit – ein weiterer positiver Aspekt für den Privatkäufer. Allerdings ist auch die Ausstattung nicht mehr individuell wählbar und es muss zwischen fertigen Modellen entschieden werden. Außerdem gelten bei manchen Versicherungen eventuell keine Neuwagenrabatte mehr, sodass hier zusätzliche Kosten entstehen können. Privatkäufer dürfte das aber nicht zurückschrecken lassen, sollte doch angesichts der steigenden Neuwagenpreise – jährlich erhöhen sich diese um circa 3,5 Prozent – jeder Rabatt willkommen sein. Mit durchschnittlich 27.000 Euro ist ein Neuwagen laut Studie des CAR-Instituts heute so teuer wie nie zuvor. Was liegt da näher als sämtliche Hebel zu ziehen, um möglichst viel Auto für wenig Geld zu bekommen. Man muss sie nur kennen, die Tricks und Kniffe.

Rubriklistenbild: © dpa

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