Scharfe Kritik

Elektroauto: Steht die Förderprämie vor dem Aus?

Viele Umsteiger auf Elektroautos kalkulieren die staatliche Kaufprämie fest mit ein. Das könnte sich als teurer Fehler erweisen.

Der Kauf eines Elektroautos gerät derzeit zur nervenzehrenden Hängepartie. Viele Käufer wissen angesichts langer Lieferzeiten für Neuwagen nicht, ob ihr Stromer noch in diesem Jahr bei ihnen ankommt. Eine Verzögerung hätte nicht nur Auswirkungen auf die persönliche Mobilität, sondern wahrscheinlich auch auf den Geldbeutel.

Elektroauto: Steht die Förderprämie vor dem Aus?

Denn die Förderung vom Staat, die sogenannte Innovationsprämie von bis zu 6.000 Euro (plus 3.570 Euro brutto vom Hersteller) ist nur gesichert, wenn das Elektroauto noch in diesem Jahr zugelassen wird. Wie hoch die Prämie danach ausfällt, ist derzeit völlig offen. Während Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) eine Absenkung plant, hat Finanzminister Christian Lindner (FDP) sogar eine völlige Streichung ins Spiel gebracht.

Elektroauto: ADAC und VDIK kritisieren Streich-Diskussion

Diese radikale Lösung stößt allerdings auf massive Kritik, etwa vom Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK). „Aus gutem Grund, um die nationalen Klimaziele zu erreichen, haben die Regierungsparteien im Koalitionsvertrag die Weiterentwicklung und Fortführung der Kaufprämie für Elektroautos bis 2025 angekündigt“, sagte VDIK-Präsident Reinhard Zirpel in einer Mitteilung: „Die Hersteller von E-Fahrzeugen und ihre Kunden verlassen sich darauf. Ein abrupter Wegfall der E-Auto-Prämie würde daher einen schweren Vertrauensbruch bedeuten.“

Auch der ADAC protestiert. „Viele Verbraucher haben sich vor dem Hintergrund der Förderung bereits ein E-Fahrzeug bestellt“, berichtet Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand. Seine Befürchtung: Die Käufer gehen leer aus, weil das Fahrzeug verspätet geliefert wird.

Elektroautos: Die zehn beliebtesten Modelle in Deutschland

BMW i3
Platz 10: BMW i3. Schon seit 2013 auf dem Markt, und immer noch recht beliebt: 12.178 BMW i3 wurden 2021 neu zugelassen. Trotzdem läuft die Produktion des City-Stromers mit knapp 300 Kilometern Reichweite nach insgesamt 250.000 Einheiten dieses Jahr ohne Nachfolger aus. Preis: ab 39.000 Euro. © BMW
Fiat 500
Platz 9: Fiat 500. Das aktuelle Modell des Kleinstwagens, auch als Fiat 500e oder Fiat 500 Elektro bezeichnet, wird ausschließlich als E-Auto angeboten. 2021 fand er 12.516 Kunden. Je nach Akku-Größe schafft der kleine, aber charakterstarke Cityflitzer aus dem Stellantis-Konzern 190 bis über 300 Kilometer. Preis: ab 26.790 Euro. © Fiat/Stellantis
VW ID.5
Platz 8: VW ID.4. Die Crossover-Variante des braven Grundmodells ID.3 mit größerem Innenraum und etwas Off-Road-Fähigkeit wurde im vergangenen Jahr 12.734 mal zugelassen. Die Reichweite der Top-Version gibt VW reichlich optimistisch mit 518 Kilometern an. Preis: Ab 46.515 Euro. © Ingo Barenschee/VW
Skoda Enyaq iV
Platz 7: Škoda Enyaq iV. Der technische Ableger des VW ID.3 und ID.4 auf der MEB-Plattform ist mit 4,65 Metern etwas länger, und erfüllt somit das übliche Marken-Image als Alternative für die Familie. 13.026 Käufer und Leasingnehmer überzeugte das E-SUV mit offiziell bis zu 500 Kilometern Reichweite. Preis: ab 46.515 Euro. © Skoda Auto a.s.
Hyundai Kona Elektro
Platz 6: Hyundai Kona Elektro. Im Gegensatz zum neuen Ioniq 5 bietet Hyundai den seit Kona mit verschiedenen Antriebsversionen an, das seit 2018 verkaufte Elektroauto brachte es auf 17.240 Neuzulassungen. Die Motoren leisten 136 oder 204 PS, die Reichweite beträgt maximal 484 Kilometer. Preis: ab 35.650 Euro.  © Hyundai
Smart EQ fortwo Edition Bluedawn smart EQ fortwo edition bluedawn: stylish and electrifying eye-catcher
Platz 5: Smart EQ Fortwo. Wie beim BMW i3 ist auch das Ende des Elektrozwergs besiegelt. Künftig kommen die Elektroautos aus China und als größere SUV daher. Das Original fand trotz seiner mickerigen Reichweite von offiziell 153 Kilometer noch 17.413 Abnehmer. Preis: ab 21.940 Euro. © Mercedes-Benz AG
Renault Zoe
Platz 4: Renault Zoe. Beim Crashtest versagte die aktuelle Version des französischen City-Stromers (null Sterne!), aber mit 24.736 Neuzulassungen war er hierzulande durchaus beliebt. Dank bis zu 395 Kilometern maximaler Reichweite eignet er sich auch für längere Trips. Preis: ab 33.140 Euro. © Renault
VW ID.3
Platz 3: VW ID.3. Das Grundmodell des „Modularen E-Antriebs-Baukastens“ des VW-Konzerns gilt längst als elektrischer VW Golf, auch wenn sich manch Stromer-Fan einen etwas aufregenderen Auftritt gewünscht hätte. Europaweit brachte es der ID.3 mit seinen offiziell bis zu 553 Kilometern Reichweite schon auf über 100.000 Verkäufe, auf Deutschland entfielen 26.693 Zulassungen. Preis: ab 36.960 Euro. © VW
VW e-Up
Platz 2: VW e-Up. Seine große Beliebtheit führt zu seinem größten Nachteil: Immer wieder ist der kleine, 30.797 mal zugelassene Stromer ausverkauft, was letztendlich auch zu einer kräftigen Preissteigerung führte. Bis zu 260 Kilometer Reichweite gehen für diese Größe ok. Preis: ab 26.895 Euro. © VW
Tesla Model 3
Platz 1: Tesla Model 3. Das Einstiegsmodell des Elektroauto-Pioniers sicherte sich mit 35.262 Neuzulassungen klar die Pole-Position, und schaffe es wochenweise sogar an die Spitze der Gesamt-Charts aller Pkw. Die Reichweite beträgt laut Werksangabe bis zu 547 Kilometer. Preis: ab 52.965 Euro. © Tesla

Elektroauto: Käufer sind verunsichert

Schon die Diskussion über ein Ende der Kaufprämien führe gegenwärtig zu massiver Verunsicherung, so VDIK-Präsident Zirpel. Tatsächlich rechnen viele Kauf-Interessenten die Prämie fest bei ihrer Kauf-Entscheidung mit ein, und zögern nun. Denn die Prämie gleicht bei vielen Modellen ziemlich genau die Differenz zwischen dem E-Auto und einem vergleichbaren Verbrenner aus.

Elektroauto: Leasing-Kunden droht Preis-Schock

Dazu führt sie zu teilweise sehr attraktiven Leasing-Angeboten. Die funktionieren nur, wenn der Käufer 6.000 Euro Anzahlung leistet – die er nach der Zulassung des Stromers zurückerhält. Eine Garantie für eine rechtzeitige Lieferung gaben bis vor Kurzem allerdings nur noch wenige Hersteller, mittlerweile ist sie kaum mehr üblich. Auf den Mehrkosten blieben dann die Käufer alleine sitzen. (me)

Rubriklistenbild: © Volkswagen / Uli Sonntag

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