Kostenfalle

Hohe Vertragsstrafen möglich: Weshalb Sie Ihr Auto niemals leichtfertig verleihen sollten

Wer sein Auto privat verleiht, riskiert hohe Vertragsstrafen und Kosten bei einem Unfall. Der ACE rät daher zu Leihverträgen.

Es ist ein Problem, das wohl viele kennen: Der nächste Großeinkauf im Möbelhaus steht bevor, doch der eigene Wagen ist zu klein. Zum Glück hat der Nachbar aber ein geräumigeres Auto, das man sich leihen kann. Immerhin ist das in der Regel günstiger, als einen Mietwagen für den Möbeltransport zu nutzen. Was so einfach klingt und von den Deutschen gerne gemacht wird, kann schnell ganz schön kompliziert – und vor allem teuer – werden.

Das Problem: Drei Viertel der Deutschen haben laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die Nutzung auf sich oder ihren Partner beschränkt. Das spart viel Geld bei der Versicherungsprämie, denn diese kann sich schon durch einen jungen Fahrer fast verdoppeln.

Wer sein Auto verleiht, sollte vorher einen Blick in seine Autoversicherung werfen. (Symbolbild)

Auto verleihen: Hohe Vertragsstrafen möglich

„Wer also einfach so einen anderen ans Steuer seines Autos lässt, riskiert in der Kfz-Haftpflicht- und Kasko-Versicherung in der Regel zwar nicht den Versicherungsschutz. Es kann aber zu einer Vertragsstrafe kommen, wenn die unerlaubte Fremdnutzung auffällt, beispielsweise nach einem Unfall“, erklärt der Automobilclub Europa (ACE).

Die Strafe wegen „unzutreffender Angaben“ kann saftig ausfallen. Mancher Versicherer kassiert dann die doppelte Jahresprämie, meist wird jedoch nur der Betrag unter Einbeziehung des tatsächlichen Fahrers rückwirkend für das ganze Jahr neu berechnet. Liegt jedoch ein Notfall vor, kann der Versicherer nichts machen. „Wem auf der Autobahn schlecht wird, der muss seinen Beifahrer ungestraft die Strecke nach Hause fahren lassen dürfen“, erläutert Gesine Reisert, ACE-Vertrauensanwältin.

Auto verleihen: Halter haftet für Schäden

Kommt es zu einem Unfall oder anderen Schäden, haftet nicht der Entleiher, sondern der Halter des Pkw. In der Folge steigt dieser in der Schadensfreiheitsklasse auf und zahlt höhere Beiträge. Auch die Reparaturen von Schäden am eignen Fahrzeug müssen selbst bezahlt werden. Der Versicherungsschutz erlischt jedoch nicht, sollte der Entleiher nicht mitversichert sein. Der Schaden des Unfallgegners wird also beglichen.

Bußgeldkatalog: Mit welchen Geldstrafen Verkehrssünder rechnen müssen

Streit um Tempolimit für Ortsdurchfahrt
Zum 9. November 2021 ist der neue Bußgeldkatalog in Kraft getreten. Wer innerorts 16 bis 20 Stundenkilometer zu schnell fährt und geblitzt wird, zahlt statt wie früher 35 nun 70 Euro. © Sebastian Gollnow/dpa
Wer außerorts 16 bis 20 km/ zu schnell fährt und erwischt wird, zahlt statt früher 30 nun 60 Euro, auch hier gilt: je schneller, desto teurer. In vielen Fällen – also bei den Stufen der Geschwindigkeitsüberschreitungen – handelt es sich um eine Verdopplung der Bußgelder.
Wer außerorts 16 bis 20 km/ zu schnell fährt und erwischt wird, zahlt statt früher 30 nun 60 Euro, auch hier gilt: je schneller, desto teurer. In vielen Fällen – also bei den Stufen der Geschwindigkeitsüberschreitungen – handelt es sich um eine Verdopplung der Bußgelder. © Uwe Anspach/dpa
 Auch die vorschriftswidrige Nutzung von Gehwegen, Radwegen und Seitenstreifen durch Fahrzeuge wird teurer. Verstöße werden statt mit bis zu 25 Euro mit bis zu 100 Euro Geldbuße geahndet. M
Auch die vorschriftswidrige Nutzung von Gehwegen, Radwegen und Seitenstreifen durch Fahrzeuge wird teurer. Verstöße werden statt mit bis zu 25 Euro mit bis zu 100 Euro Geldbuße geahndet. (Symbolbild) © Arne Dedert/dpa
Manche Verstöße würden entsprechend auch für Radfahrer teurer, wie der ADFC mit Blick auf den neuen Bußgeldkatalog erläuterte.
Manche Verstöße würden entsprechend auch für Radfahrer teurer, wie der ADFC mit Blick auf den neuen Bußgeldkatalog erläutert hatte. Dies gelte dann, wenn Radfahrer vorschriftswidrig auf einem Gehweg fahren.  © Paul Zinken/dpa
Der allgemeine Halt- und Parkverstoß wird anstatt wie früher bis zu 15 Euro mit einem Verwarnungsgeld bis zu 55 Euro geahndet. (Archivbild/Symbolbild)
Der allgemeine Halt- und Parkverstoß wird anstatt wie früher bis zu 15 Euro mit einem Verwarnungsgeld bis zu 55 Euro geahndet. (Archivbild/Symbolbild)  © Swen Pförtner/dpa
Wer unberechtigt auf einem Schwerbehinderten-Parkplatz parkt, muss mit einem Bußgeld von 55 statt wie früher 35 Euro rechnen.
Wer unberechtigt auf einem Schwerbehinderten-Parkplatz parkt, muss mit einem Bußgeld von 55 statt wie früher 35 Euro rechnen. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Wer auf die Idee kommt, eine amtlich gekennzeichnete Feuerwehrzufahrt zuzuparken oder ein Rettungsfahrzeug zu behindern, muss mit 100 Euro Bußgeld rechnen.
Wer auf die Idee kommt, eine amtlich gekennzeichnete Feuerwehrzufahrt zuzuparken oder ein Rettungsfahrzeug zu behindern, muss mit 100 Euro Bußgeld rechnen. (Archivbild/Symbolbild) © Sebastian Gollnow/dpa
Wer keine Rettungsgasse bildet, muss mit einem Bußgeld zwischen 200 und 320 Euro sowie einem Monat Fahrverbot rechnen.
Wer keine Rettungsgasse bildet oder die sogar selbst zum schnelleren Vorankommen mit dem Auto nutzt, muss mit einem Bußgeld zwischen 200 und 320 Euro sowie einem Monat Fahrverbot rechnen.  © Patrick Seeger/dpa
Polizei-Kontrollaktion zu Drogen und Alkohol
Lkw-Fahrer, die gegen die neu eingeführte Pflicht verstoßen, mit dem Lastwagen beim Rechtsabbiegen innerorts nur mit Schrittgeschwindigkeit zu fahren, werden mit 70 Euro zur Kasse gebeten. (Archivbild/Symbolbild)  © Julian Stratenschulte/dpa
Die Geldbuße für das Verursachen von unnötigem Lärm und einer vermeidbaren Abgasbelästigung sowie dem belästigenden unnützen Hin- und Herfahren wird von bis zu 20 Euro auf bis zu 100 Euro angehoben.
Auto-Poser aufgepasst: Die Geldbuße für das Verursachen von unnötigem Lärm und einer vermeidbaren Abgasbelästigung sowie dem belästigenden unnützen Hin- und Herfahren wird von bis zu 20 Euro auf bis zu 100 Euro angehoben.  © Patrick Pleul/dpa

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte im Vorfeld mit seiner Autoversicherung sprechen, oftmals lässt sich ein weiter Fahrer kurzfristig ohne Mehrkosten eintragen. Falls nicht, lässt sich der Kreis der erlaubten Fahrer bei vielen Versicherungen bereits für weniger als 10 Euro am Tag erweitern. Allerdings ist grobe Fahrlässigkeit (übersehene rote Ampel, Unfall beim zu schnellen Überholen) in einem solchen Fall ausgeschlossen. Wer sein Auto häufiger verleiht, sollte sich daher überlegen, den Versicherungsvertrag zu wechseln und auf die Rabatte für Alleinfahrer zu verzichten. Bei einem Wechsel der Versicherung lässt sich zudem möglicherweise noch Geld sparen. Entleiher können zudem eine Versicherung abschließen, die dem Verleiher Zusatzkosten durch eine Rückstufung erstatten.

Auto verleihen: ACE rät zu Leihverträgen

Der ACE rät zudem dazu, einen Leihvertrag abzuschließen, in dem festgelegt wird, dass der Entleiher für alle Schäden an dem Auto haftet. „Bei der Übergabe sollte man in einem Protokoll alle vorhandenen Schäden auflisten, damit später kein Streit über eine ´nicht bekannte´ Schramme oder Delle entsteht“, schreibt der Autoclub.

Darüber hinaus muss sich der Verleiher den gültigen Führerschein zeigen lassen – auch dann, wenn es sich um einen Verwandten handelt. „Der Verleiher könnte sich nach dem Straßenverkehrsgesetz strafbar machen, wenn die leihende Person keine gültige Fahrerlaubnis besitzt“, warnt ACE-Vertrauensanwalt Dirk Trieglaff. Aus diesem Grund muss der Verleiher auch sicherstellen, dass der Fahrer, dem er sein Auto anvertraut, nüchtern ist.

Rubriklistenbild: © Reporters/Imago

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Tank-Fail geht viral: „Das muss ein Witz sein“
Tank-Fail geht viral: „Das muss ein Witz sein“
Tank-Fail geht viral: „Das muss ein Witz sein“
Führerscheinprüfung: 11 Fragen, an denen sich viele die Zähne ausbeißen
Führerscheinprüfung: 11 Fragen, an denen sich viele die Zähne ausbeißen
Führerscheinprüfung: 11 Fragen, an denen sich viele die Zähne ausbeißen
Elektroautos: Second Life – neues Leben für gebrauchte Akkus
Elektroautos: Second Life – neues Leben für gebrauchte Akkus
Elektroautos: Second Life – neues Leben für gebrauchte Akkus

Kommentare