Fahrtest im brandneuen Elektro-SUV aus Ingolstadt

Der neue Audi Q4 e-tron: Kampfansage an die Konkurrenz

Audi Q4 e-tron vorne
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Dynamisch, elektrisch, erschwinglich. Mit einem Einstandspreis von knapp 32.000 Euro startet der Q4 e-tron in den Verkauf.

Das Auto ist eine Kampfansage. Schon für knapp 32.000 Euro (Umweltprämie abgezogen) gibt es den voll elektrischen Q4 e-tron von Audi. Der erste Fahrtest.

  • Mit dem Q4 e-tron schickt Audi einen neuen Elektro-SUV ins Rennen.
  • Schon das Einstiegsmodell hat eine Reichweite von 340 Kilometern.
  • Groß wie ein Kompaktwagen hat der Q4 Platz wie in einer Limousine.

Vier Autos in einem: Der neue Audi Q4 e-tron hat einen Wendekreis wie ein A1, ist so kompakt wie ein A3, hat so viel Platz im Kofferraum wie ein Q5 und im Innenraum sitzt es sich so bequem wie in einem Q7. Hört sich an wie die sprichwörtliche eierlegende Wollmilchsau – hat aber einen handfesten technischen Hintergrund. Elektroautos* sind wahre Platzsparwunder. Sie brauchen nicht mehr so viel Motorraum, weil die E-Maschinen viel kompakter sind. Die vom Q4 e-tron passt zum Beispiel locker in eine Sporttasche. Außerdem fallen ganze Bauteile wie der Kardantunnel komplett weg. Und der Akku ist flach im Unterboden versteckt. Das eröffnet völlig neue (Fahrzeug)Dimensionen.

Kräftige Hinterbacken und mächtige Schultern prägen die Heckansicht des Audi Q4 e-tron.

Audi Q4 e-tron: Ein Auto zwei Karosserie-Varianten

Seine Größe und sein Grundpreis von 41.900 Euro dürften viele Kunden anlocken, die bislang einen Verbrenner gefahren sind. Im Gegensatz zum Konzernbruder, dem ID4 von Volkswagen mit seiner völlig neuen Optik, ist der Q4 e-tron ein waschechter Audi. Vor den Designern darf man den Hut ziehen. Sie haben dem Q4 mit seinen zwei Karosserievarianten einen eigenen kraftvollen Look verpasst, ohne mit dem Zaunpfahl zu wedeln: „Hallo, ich bin ein Elektroauto.“ Sowohl als SUV als auch als Sportback mit seiner coupéhaften Linienführung (kostet 2000 Euro Aufpreis) ist der Q4 gelungen. Fette Lufteinlässe zieren die Front, dass es sich um ein E-Auto handelt, erkennt man nur am geschlossenen Wabengrill.

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Das cockpitist ist 100-prozentig auf den Fahrer ausgerichtet. Ganz neu ist das Lenkrad, das oben und unten abgeflacht ist.

Das Cockpit liegt wie ein Surfbrett im Raum

Auch im Interieur geht es stramm Richtung Zukunft. Das kantige rautenartige Audi-Design wurde über das Armaturenbrett gelegt, das wie ein Surfboard im Raum schwebt. Alle Instrumente sind 100-prozentig auf den Fahrer ausgerichtet. Ziemlich spacig sieht das doppelt abgeflachte Lenkrad aus, mehr ein Steuerrad für eine Raumschiff als für ein Auto. Dazu passt der flache Wählhebel in der vor lauter Klavierlack strahlenden Mittelkonsole, mit dem Vorwärts- und Rückwärtsgang sowie der Leerlauf eingestellt werden kann. Neben dem D für Drive gibt es auch noch die Wahlmöglichkeit B für Brake. Damit stellt man aber nicht etwa die Handbremse ein, sondern eine besondere Fahrstufe. Bei dieser Stellung bremsen der oder die Elektromotoren stark ab, wenn man vom Gas geht, um so besonders viel Strom zurückzugewinnen. Fachleute sprechen vom One-Pedal-Driving. Hausmeister und Besitzer großer Grundstücke kennen das Gefühl vom Aufsitzrasenmäher.

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Bis zu vier verschiedene Lichtsignaturen kann man beim Audi Q4 e-tron einstellten. Weltpremiere in einem Auto.

Fahrzeuginformationen schweben 10 Meter vor dem Audi Q4

Ebenfalls aus der Zukunft stammt das völlig neue Head-Up-Display. In rund 10 Metern Entfernung schweben Fahrinformationen wie eine Drohne vor dem Auto. So groß wie auf einem 70-Zoll-Bildschirm. Ein blauer Pfeil wird dabei zum virtuellen Lotsen. Er zeigt genau an, in welche Straße man abbiegen muss. Augmented Reality, also verbesserte Wirklichkeit, nennen die Techniker das. Angezeigt werden auf diese Art und Weise auch der Abstand zum Vordermann oder ein Warnstreifen, wenn man die Spur verlässt. Das ist schon eine nette Spielerei, zumal hinter dieser Technik eine gigantische Rechenleistung steckt. Zum einen muss das Bild stabil gehalten werden, trotz der vielen Bodenunebenheiten. Zum andere muss das System dem Fahrzeug um 200 Millisekunden voraus sein, um den Lotsenpfeil rechtzeitig zu platzieren. Man gewöhnt sich schnell an diese wirklich praktische Funktion – allerdings ist sie verbesserungswürdig, weil der blaue Pfeil bei entsprechender Sonneneinstrahlung schnell bleich wird und man Mühe hat ihn zu sehen. In das Fach Spielerei gehört auch eine Weltpremiere, die es laut Audi zum ersten Mal im Q4 e-tron gibt. Wer will, kann das Tagfahrlicht individuell einstellen. Insgesamt vier Signaturen stehen dafür zur Verfügung.

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Platzwunder Q4. In den Kofferraum passt genauso viel hinein wie in den des höherklassigen Q5.

Beim Audi Q4 e-tron kann man zwischen drei Motorisierungen wählen

Neben den zwei Karosserievarianten hat der Q4-Kunde die Auswahl zwischen drei Motorisierungen. Der Q4 35 wird von einem 170 PS-Aggregat und 310 Nm Drehmoment am Heck angetrieben. Etwas mehr Power hat der Q4 40 mit 204 PS. Der König unter den e-trons ist jedoch der Q4 50 quattro. Hier kommt ein zweiter Elektromotor auf der Vorderachse dazu. Das Allradfahrzeug rennt mit seinen 299 PS und einem Drehmoment von 460 Nm in knapp 6 Sekunden von 0 auf 100. Von den Reichweiten her geht es beim 35er mit 340 Kilometern los – bis über 500 Kilometer, weil Q4 40 und Q4 50 einen größeren Akku haben.

Ausreichend Platz haben Passagiere auch auf den hinteren Sitzen. So viel wie in einem Q7 rechnet Audi vor.

Reichweiten-Test auch und unter Extrembedingungen

Dass man tatsächlich soweit kommt wie beschrieben, ist nach den ersten Testfahrten sehr realistisch. Wir starteten mit dem Quattro-Modell mit 388 Kilometern Reichweite und hatten nach genau 100 Kilometern bei durchschnittlicher sportlicher Fahrweise noch 275 Kilometer Restreichweite. Der Verbrauch lag bei 20,8 kWh und damit im völlig normalen Bereich. Seine Sparsamkeit muss der Audi e-tron jedoch auf der Autobahn aufgeben. Zwar ist die Geschwindigkeit auf 160 (Q4 35) und 180 (alle anderen Modelle) km/h begrenzt – dennoch zieht höheres Tempo brutal schnell den Strom aus dem Akku. Mit 275 Kilometern sind wir auf die Autobahn gefahren. Vollgas mit 180 Sachen, ab auf die Überholspur. Nach nur 25 Kilometern war die Reichweite auf 188 Kilometern abgeschmolzen.

Da fehlt doch was - Auspuffrohre braucht der Audi Q4 e-tron definititv nicht mehr. Trotzdem sieht das Heck markant aus.

Und so lautet unser Fazit zum Audi Q4 e-tron

Vom Fahrgefühl her ist der Q4 eine ziemliche Spaßmaschine. Klar, mit dem Quattro und seinen knapp 300 PS, hat man mehr Souveränität gepachtet. Aber gerade bei Elektroantrieben spielen PS nicht mehr so die entscheidende Rolle. Der Abzug legt sofort mächtig los und schiebt auch die zwei Tonnen schweren Geräte leichtfüßig an. In den Kurven liegt der Q4 prächtig, fast schon spielerisch jagt man damit über die Landstraßen. Einzig die Lenkung mit den viel zu hohen Rückstellkräften nervt bei langer Fahrt. Und noch etwas hat uns gestört. Der randlose Rückspiegel ist zwar schön, aber viel zu klein. Andauernd muss man nachjustieren, um das Verkehrsgeschehen hinter sich unter Beobachtung zu halten. Unser Fazit fällt trotzdem positiv aus: Mit dem Q4 bringt Audi einen Premium-Stromer mit vernünftigen Reichweiten und einem populären Einstandspreis unters Volk. Obwohl als E-Auto konzipiert, ist der e-tron ein echter Audi, was Design und Fahrdynamik angeht.

Technische Daten Audi Q4 Sportback 50 e-tron quattro

  • Motor: Zwei Maschinen auf Vorder- und Hinterachse
  • Leistung: 220 kW (299 PS)
  • Drehmoment: 460 Nm
  • Antrieb: 1-Gang-Gebtriebe, Allrad
  • 0-100 km/h: 6,2 Sekunden
  • Spitze: 180 km/h
  • Akku-Kapazität (nutzbar): 77 kWh
  • Ladeleistung: ca. 7 Stunden (AC, 11 kW), 38 Minuten (DC-Schnellader bis zu 80 Prozent)
  • Reichweite: 497 km
  • Verbrauch: 17,9 – 20 kWh / 100 km
  • Länge / Breite / Höhe: 4,60 / 1,87 / 1,63 m
  • Leergewicht: 2210 kg
  • Anhängelast (gebr.): 1200 kg
  • Kofferraum: 535 – 1.490 l
  • Preis: Ab 55.600 Euro

Rudolf Bögel *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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