News-Ticker

Martin Winterkorn soll alle Ämter aufgeben

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Martin Winterkorn soll offenbar alle Ämter ablegen

Wolfsburg - Der Abgas-Skandal bringt VW weiter in Bedrängnis. Eine zweite Software, die den Schadstoff-Ausstoß beeinflussen kann, soll laut Nachrichtenagentur Bloomberg geprüft werden. Alle Entwicklungen gibt's hier im News-Ticker.

Der TICKER zum nachlesen:

  • Post-Chef Frank Appel fordert "volle Transparenz" von VW - auch, weil große Teile der eigenen Flotte vom Abgas-Skandal betroffen sein könnten, wie die SZ am Wochenende berichtet.
  • VW muss der kalifornischen Umweltbehörde CARB bis zum 20. November einen Plan vorlegen, wie die betroffenen Diesel-Fahrzeuge nachgerüstet werden können.
  • Die Metallhändler in Deutschland fürchten die Folgen des VW-Abgas-Skandals.
  • Trotz des Abgas-Skandals erlebt die VW-Stammaktie einen Kurssprung an der deutschen Börse.
  • Der US-Bundesstaat Texas hat VW und Audi wegen des Abgas-Skandals verklagt. Man habe die Kunden absichtlich über Jahre in die Irre geführt, so Justizminister Ken Paxton.
  • Als Reaktion auf die Abgasaffäre will der Volkswagenkonzern einem Bericht zufolge einen neuen Vorstandsbereich schaffen. Das berichtet ein Rechercheverbund aus "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR am Freitag.  Dieser solle Gesetzesverstöße in Zukunft verhindern.

+++ Wegen der Abgas-Affäre wird der ehemalige VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn laut Medien gedrängt, alle übrigen Ämter im VW-Konzern aufzugeben. Das Land Niedersachsen, zweitgrößter Aktionär von Volkswagen, hatte Winterkorn zu verstehen gegeben, dass er aus allen Ämtern ausscheiden müsse. Den "kompletten Rückzug" verlangten auch Vertreter der IG Metall. Der langjährige Top-Manager hat unter anderem noch den Chefposten bei der Porsche SE Holding inne.

+++ Die Europäische Investitionsbank (EIB) prüft wegen der VW-Abgasaffäre, von dem Autobauer Kredite zurückzufordern. Nicht nur Millionen von Autokäufern seien „getäuscht und geschädigt“ worden, sagte der Chef des EU-Förderinstituts, Werner Hoyer, der „Süddeutschen Zeitung“ (Montag). „Auch die EIB könnte geschädigt worden sein, weil wir mit unseren Krediten bestimmte Klimaziele verfolgen müssen.“ Hoyer kündigte „sehr genaue Untersuchungen“ an und fügte hinzu: Vorbehaltlich des Ergebnisses „werden wir uns die Frage stellen müssen, ob wir Kredite zurückfordern müssen, sollten sie zweckentfremdet worden sein“.

+++ VW ringt weiter mit den Konsequenzen des Abgas-Debakels. Während die Aufklärung in Deutschland erst langsam anläuft, muss der Konzern in den USA an mehreren Fronten zugleich kämpfen. Ein Ultimatum der kalifornischen Umweltbehörde CARB setzt den größten europäischen Autobauer zusätzlich unter Zeitdruck.

CARB-Chefin Mary Nichols sagte dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“, Volkswagen habe bis zum 20. November Zeit, um einen Plan zur Nachrüstung der von Manipulationen betroffenen Diesel-Autos vorzustellen. Sie erwägt offenbar, notfalls Fahrzeuge des VW-Konzerns aus dem Verkehr zu ziehen: „Wenn es keine technische Lösung gibt, drohen die Stilllegung und zivilrechtliche Auseinandersetzungen mit Kunden.“ Nichols kündigte auch Testergebnisse zu Dieselmodellen anderer Hersteller an.

+++ Auch für den Sport könnte die Abgas-Affäre Folgen haben. VW will den Sponsoren-Vertrag für den DFB-Pokal offenbar nicht verlängern.

+++ Zusätzlich zur Aufarbeitung der Abgas-Affäre hat Volkswagen einem Bericht zufolge mit einer stockenden Fertigung am Stammsitz Wolfsburg alle Hände voll zu tun. „Die Produktion ist zu komplex, die Vielfalt der Fahrzeugvarianten zu hoch“, zitierte die „Welt am Sonntag“ einen Insider aus dem Konzern.

Nach Informationen des Blattes soll von den Verzögerungen vor allem die neue Ausgabe des Familien-Vans Touran betroffen sein. Die Rede ist von teuren Nachbesserungen und erheblichen Problemen beim Anlauf.

Ein VW-Sprecher sprach dagegen von einer aktuell sehr komplexen Situation in der Fertigung. „Der Hochlauf eines Modells ist immer eine Herausforderung“, erklärte er. Man sei aber zuversichtlich, dass Volkswagen die selbst gesetzten Ziele und Termine einhalten werde.

+++ Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg nahmen US-Behörden inzwischen eine zweite Software ins Visier, die den Schadstoff-Ausstoß von Dieselautos beeinflussen kann. Aus Konzernkreisen hieß es am Samstag dazu, bei den Untersuchungen der Manipulationsvorwürfe gehe es weiter nur um ein Programm. Ein weiteres Programm spiele aber in einem anderen Zusammenhang eine Rolle.

Dieses komme während des Warmlaufen der Abgasanlage zum Einsatz und liege zur Genehmigung vor. „Wie bereits in der Anhörung vor dem US-Kongress erklärt, hat VW im Rahmen des Zulassungsverfahrens für die Modelle mit 2,0 TDI-Motoren des Modelljahres 2016 über ein Auxiliary Emissions Control Device (AECD) informiert“, erläuterte ein Sprecher in Wolfsburg.

+++ In Anbetracht der Probleme bei Volkswagen gibt es in der SPD Überlegungen, die Kurzarbeiter-Regel auf Leiharbeiter auszudehnen. Auf entsprechende Pläne war Parteichef Sigmar Gabriel bereits am Donnerstag nach einem Treffen mit dem VW-Weltkonzernbetriebsrat in Wolfsburg eingegangen. Laut „Bild“-Zeitung prüft dies nun auch die Bundesagentur für Arbeit. Details sollen noch nicht feststehen.

VW-Aufsichtsrat Stephan Weil spricht von "Kette von großen Fehlern"

+++ Auch weil große Teile der eigenen Flotte vom VW-Abgas-Skandal betroffen sein könnten, fordert Post-Chef Frank Appel „volle Transparenz“ von dem Autokonzern. Von den rund 90.000 firmeneigenen Fahrzeugen kämen etwa 20.000 von Volkswagen, fast alle aus dieser Gruppe seien Dieselmodelle, sagte der Vorstandschef der Post der „Süddeutschen Zeitung“ (Wochenendausgabe). Es sei noch unklar, wie viele Fahrzeuge bei dem Logistik-Konzern tatsächlich betroffen seien. „Und danach muss es sicher einen Maßnahmenplan geben, um nachzubessern oder umzurüsten“, sagte Appel.

+++ Dem weltweiten Abgas-Skandal bei Volkswagen ist laut Niedersachsens Regierungschef und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil eine ganze Kette von großen Fehlern vorausgegangen. „Fehler passieren in allen großen Institutionen, problematisch aber ist bewusstes Fehlverhalten“, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. Um die schwere Krise zu überstehen, müssten nun alle Unternehmensteile bei Europas größtem Autobauer den geforderten Kulturwandel mit Leben füllen. Ob nach dem Abtritt von Konzernchef Martin Winterkorn und anderen Managern noch weitere personelle Konsequenzen folgen könnten, wollte Weil nicht ausschließen - genauso wenig wie mögliche Jobverluste wegen rückläufiger Absatzzahlen.

VW-Skandal: Alle Informationen vom Freitag

+++ Bisher hat sich das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zum Abgas-Skandal bei VW öffentlich zurückgehalten - drei Wochen nach dem Beginn der Affäre weist sein Chef Ekhard Zinke nun Vorwürfe der Mitverantwortung zurück. Die Behörde habe von den Manipulationen bei Millionen Dieselwagen nichts wissen können, sagte Zinke dem „Flensburger Tageblatt“ (Samstag).

+++ Die kalifornische Umweltbehörde CARB hat Volkswagen im Abgas-Skandal ein Ultimatum gesetzt. VW habe bis zum 20. November Zeit, einen Plan vorzulegen, wie die betroffenen Diesel-Fahrzeuge nachgerüstet werden können, sagte CARB-Leiterin Mary Nichols dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Freitag). Sie kündigte zudem weitere Testergebnisse zu Diesel-Autos anderer Hersteller an.

+++ Die Metallhändler in Deutschland fürchten durch die Folgen des VW-Abgas-Skandals einen "Einbruch von zehn Prozent bei den Bestellungen." Das erklärte der Präsident des Verbands Deutscher Metallhändler (VDM), Thomas Reuther am Freitag in Berlin. Ein Drittel der Metallfirmen in Deutschland mache als Zulieferer sicher 20 Prozent des Umsatzes direkt oder indirekt mit VW. In Folge der Krise seien VW und seine Zulieferer schon "deutlich zurückhaltender in ihren Mengenplanungen". Vertraglich vereinbarte Mengen würden derzeit geschoben oder teilweise sogar ganz abgesagt. Mittel- bis langfristig könne sich das auch auf die Arbeitsplätze in der Metallbranche auswirken.

+++ Der VW-Abgas-Skandal trifft wohl auch die meisten Streifenwagen in Nordrhein-Westfalen. Das hat der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Arnold Plickert, am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitgeteilt. Dabei gehe es um 2150 Autos. Das zuständige Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) in Duisburg hielt sich bedeckt: „Wir erwarten von VW zunächst, dass man uns als Großkunde zuerst einmal aktiv informiert, ob und wie viele Fahrzeuge betroffen sind“, sagte ein Sprecher.

VW-Aktie erlebt Kursexplosion

+++ Das war angesichts des Abgas-Skandals nicht unbedingt zu erwarten: Nach drastischen Kursverlusten gewannen die Vorzugsaktien von VW auch am Freitag weiteren Boden. Spekulationen gab es um die Ursache von teils deutlichen Gewinnen der nicht im Dax gehandelten VW-Stammaktien mit Stimmrecht, die zwischenzeitlich um über 15 Prozent ansprangen. Händler vermuteten, dass einige Anleger auf fallende Kurse gewettet hatten - weil der freie Streubesitz der Stammpapiere aber gering ist, hätten sie nun Probleme gehabt, diese Schieflage zu korrigieren. Es kursierte aber auch die These, dass die Großeigner von VW - darunter vor allem die Porsche SE - im Hintergrund Anteile verändern könnten.

+++ Das Vertrauen schwindet und schwindet. Angesichts des Diesel-Skandals ist die Mehrheit der Deutschen einer Umfrage zufolge nun sogar für Auto-Abgastests unter realen Bedingungen. 90 Prozent gaben in einer von Greenpeace in Auftrag gegebenen Umfrage von TNS Emnid an, sie wären dafür, dass Abgas- und Verbrauchswerte unter realen Bedingungen gemessen würden. Die Umfrage lag der Deutschen Presse-Agentur am Freitag vor. Gut zwei Drittel hätten am liebsten schon im kommenden Jahr neue Abgastests, 15 Prozent wären für 2017 und 17 Prozent für 2018.

+++ Wegen des Abgas-Skandals muss der VW-Konzern wohl auch finanziell den Gürtel enger schnallen. Eine konkrete Maßnahme ist dabei schon im Gespräch.

+++ Volkswagen hat einer Umfrage zufolge wegen des Abgas-Skandals massiv das Vertrauen der deutschen Verbraucher verloren. Wie aus einer repräsentativen Studie des Verbandes der Kommunikationsagenturen GPRA hervorgeht, vertrauen nur noch 43 Prozent der Befragten dem Wolfsburger Konzern. Zuletzt hatte der Verband im Oktober 2013 vergleichbare Werte erhoben: Damals gaben noch 84 Prozent der Befragten an, VW zu vertrauen, teilte die GPRA mit. Über die Umfrage hatten zuvor „Wirtschaftswoche“ und „Focus“ berichtet. Auch andere deutsche Hersteller bekämen das zu spüren. Dabei „wird deutlich, dass sich die Verbraucher persönlich von der Autoindustrie hintergangen führen“, sagte GPRA-Präsident Uwe Kohrs.

+++ Die Verkehrsminister der Länder haben an die Bundesregierung appelliert, die Manipulationsvorwürfe bei VW aufzuklären und Rechtsverstöße konsequent zu ahnden. Einen entsprechenden Beschluss verabschiedeten die Ressortchefs bei ihrer Konferenz in Worms, wie sie am Freitag nach der zweitägigen Sitzung mitteilten. Zudem werden Vorkehrungen gegen Manipulationen gefordert. Unabhängig vom Abgasskandal soll sich der Bund bei der EU für neue Teststandards starkmachen, die das Fahr- und Verbrauchsverhalten besser abbilden sollen als bisher. Der baden-württembergische Ressortchef Winfried Hermann (Grüne) sagte, sein Land behalte sich derzeit eigene Messungen vor, „um sicherzustellen, dass es unabhängige Messungen gibt“.

Texas verklagt Audi und VW

+++ Der US-Bundesstaat Texas verklagt die beiden Landesgesellschaften des Autobauers wegen des Verstoßes gegen Verbraucherschutz- und Umweltgesetze. Volkswagen habe seine Kunden absichtlich über Jahre in die Irre geführt, teilte der Justizminister und Generalstaatsanwalt des Staates, Ken Paxton, in der texanischen Hauptstadt Austin mit.

Wenn Firmen vorsätzlich das Vertrauen der Öffentlichkeit verletzten, müsse eine Strafe bezahlt werden, heißt es in der Erklärung. Von den US-weit rund 480 000 von den Dieselmanipulationen betroffenen Fahrzeugen sind nach Angaben des Staats rund 32 000 in Texas verkauft worden.

+++ Laut einem Rechercheverbund aus "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR will der Volkswagen-Konzern zukünftig Gesetzesverstöße besser verhindern. Deshalb soll nun das Ressort "Recht und Compliance" eingerichtet werden.

+++ VW-US-Chef Michael Horn soll bereits im Frühjahr 2014 Probleme mit Abgaswerten von Dieselautos nach Wolfsburg gemeldet haben. Vor dem US-Kongress stritt er das jedoch am Donnerstag ab.

+++ Im Abgas-Skandal hat es am Donnerstag eine Razzia bei Volkswagen gegeben. Es seien Durchsuchungen in Wolfsburg und anderen Orten durchgeführt worden, teilte die Staatsanwaltschaft Braunschweig mit.

+++ Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat mehr Transparenz bei der Aufklärung der weltweiten Abgas-Affäre von Volkswagen gefordert. „Ich teile die Auffassung der Arbeitnehmervertreter, der Betriebsräte und der IG Metall, dass es ein offensives Vorgehen des Konzerns geben muss. Nicht erst auf Nachfrage“, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag in Wolfsburg nach einem Treffen mit dem Weltkonzernbetriebsrat.

Sammelklage gegen VW in Australien

+++ Nach dem Abgasskandal bei Volkswagen haben sich mehr als 700 VW-Fahrer in Australien einer Sammelklage gegen den deutschen Auto-Hersteller angeschlossen. Sie gehören zu den 91 000 VW- und Audi-Besitzern auf den fünften Kontinent, deren Autos nach VW-Angaben mit der Manipulationssoftware ausgestattet waren, berichtete die Anwaltskanzlei Maurice Blackburn am Donnerstag. Sie rechnet mit zahlreichen weiteren Klägern, und will die Klage in etwa drei Wochen einreichen. Eine Vielzahl von Sammelklagen wird auch in den USA vorbereitet.

+++ Volkswagen will vor dem geplanten Rückruf von Millionen Fahrzeugen im Abgas-Skandal zunächst „intensive Qualitätstests“ vornehmen. Dies solle im laufenden vierten Quartal in Abstimmung mit dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) geschehen, hieß es am Donnerstag in Konzernkreisen. VW hatte dem KBA am Mittwoch einen Zeit- und Maßnahmenplan zur Bewältigung des Abgas-Skandals vorgelegt.

VW plant demnach für die von Manipulationen betroffenen 2-Liter-Autos und 1,2-Liter Autos eine Software-Lösung. Bei den 1,6-Liter-Motoren werde VW neben einer aktualisierten Software zusätzlich eine technische Lösung vorstellen, bei der Hardware-Komponenten im Motor ausgetauscht werden.

+++ Am Donnerstag muss sich US-Chef Michael Horn vor dem US-Kongress verteidigen. Anscheinend wusste er früh über Probleme Bescheid.

+++ Der US-Chef von Volkswagen, Michael Horn, will im Skandal um manipulierte Abgaswerte Abbitte vor dem US-Kongress leisten. „Im Namen unseres ganzen Unternehmens und meiner Kollegen in Deutschland möchte ich eine aufrichtige Entschuldigung anbieten“, heißt es in einer am Mittwochabend vorab veröffentlichten Stellungnahme Horns für eine Anhörung vor US-Politikern am Donnerstag.

+++ Volkswagen hat dem Kraftfahrt-Bundesamt fristgerecht einen Zeit- und Maßnahmenplan zur Bewältigung des Abgas-Skandals vorgelegt. VW plant demnach für die von Manipulationen betroffenen 2-Liter-Autos eine Software-Lösung, bei den 1,6-Liter-Motoren sei „mit großer Sicherheit“ zusätzlich eine motortechnische Anpassung nötig.

Unrechte Steuervergünstigungen in den USA?

+++ Der US-Senat prüft im Zuge des Abgas-Skandals, ob in den Vereinigten Staaten zu Unrecht Steuervergünstigungen für VW-Diesel-Autos gezahlt worden sind. Der einflussreiche Finanzausschuss teilte am Mittwoch in Washington mit, Volkswagen könne mit Hilfe der Software zur Manipulation der Abgaswerte möglicherweise eine Bescheinigung für Steuervergünstigungen erhalten haben. Zusammengerechnet könnten Autokäufer und Volkswagen demnach Subventionen in Höhe von 50 Millionen Dollar erhalten haben. Das Unternehmen habe auf diese Weise möglicherweise seine Verkaufszahlen steigern können.

+++ Der bisherige Finanzvorstand von Volkswagen, Hans Dieter Pötsch, ist neuer Aufsichtsratschef des Wolfsburger Autokonzerns. Das Kontrollgremium wählte ihn am Mittwoch zum neuen Vorsitzenden, wie Wolfgang Porsche von der Eignerseite mitteilte. Pötsch folgt auf Ferdinand Piëch, der im April sein Amt niedergelegt hatte.

+++ In der Manipulationsaffäre bei Volkswagen hat eine erste Käuferin in Deutschland Klage gegen den Autobauer eingereicht. Die Klägerin habe gezielt ein umweltfreundliches Auto kaufen wollen, die angeblich niedrigen Abgaswerte seien für sie "kaufentscheidend" gewesen, teilte die Kanzlei Jordan Fuhr Meyer am Mittwoch in Bochum mit. Die Kanzlei erhob vor dem Landgericht Braunschweig Klage auf Schadensersatz.

Die Klägerin wirft Volkswagen außerdem vor, dass durch die anstehende Nachbesserung Motorleistung, Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit sowie weitere wichtige Parameter ihres Fahrzeugs sinken und der Kraftstoffverbrauch steigen werde.

VW-Skandal: Das passierte am Dienstag 

+++ Volkswagen im Januar den Rückruf der betroffenen Fahrzeuge starten. „Bis Ende 2016 sollen dann alle Autos in Ordnung sein“, sagte VW-Chef Matthias Müller der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwochausgabe). VW müsse die „jeweilige Lösung“ auf jedes Modell abstimmen und die notwendigen Teile bestellen. Sorgfalt gehe vor Geschwindigkeit.

+++ Der Autobauer Fiat Chrysler bietet Volkswagen-Kunden einem Medienbericht zufolge mitten im Abgas-Skandal des deutschen Konzerns eine Wechselprämie an. Bis zu 1500 Euro könnten Kunden in Italien erhalten, die ihren VW bis Ende Oktober gegen ein Modell des Fiat-Konzerns eintauschten, berichtete die italienische Zeitung „Il Giornale“. Diese Maßnahme habe das Unternehmen in einem Schreiben an seine Händler angekündigt, die die Rabatte an Kunden weiterreichen könnten.

+++ Verkehrs- und Umweltverbände haben der Bundesregierung vorgeworfen, jahrelang zu wenig gegen den hohen Schadstoffausstoß von Diesel-Autos getan zu haben. Sie fordern die Einrichtung einer unabhängigen Kontrollbehörde. „Wir brauchen eine komplette Umstellung des Systems“, sagte der Verkehrsberater Axel Friedrich am Dienstag bei einem von den Grünen veranstalteten Fachgespräch zum VW-Skandal in Berlin. Der Leiter des ADAC-Technikzentrums, Reinhard Kolke, schlug zur Finanzierung eine Abgabe von 50 Cent je zugelassenem Fahrzeug vor. Martin Schmied vom Umweltbundesamt nannte es „absolut zentral“, dass Autos künftig nicht nur bei der Neuzulassung getestet werden, sondern auch noch später.

+++ In der EU müssen nach Auffassung vieler Europa-Abgeordneter angesichts des Skandals bei Volkswagen so schnell wie möglich realistische Abgastests eingeführt werden. Dies forderten mehrere Parlamentarier am Dienstag in Straßburg. Eine unabhängige, EU-weite Typengenehmigungsstelle sollte rasch angegangen werden, sagte die Belgierin Kathleen Van Brempt im Namen der Sozialdemokraten. Die Europäer sollten diese Krise nutzen, um sich Elektrofahrzeugen zuzuwenden, sagte sie. EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska pochte auf „null Toleranz für Betrug“. Sie sprach sich für Sanktionen aus, wenn geltende Grenzwerte für Abgase und Treibstoff-Verbrauch nicht eingehalten werden.

Heftige Vorwürfe wurden auch gegen die EU und ihre Mitgliedsstaaten laut. Der Betrug durch Volkswagen sei der eine Skandal, sagte die SPD-Abgeordnete Evelyne Gebhardt. Ein anderer Skandal sei, dass die Kontrollen innerhalb der EU versagt hätten.

Neuer VW-Chef Mattias Müller warnt Mitarbeiter vor "großen Belastungen"

+++ Bei einer außerordentlichen Betriebsversammlung im Stammwerk in Wolfsburg stand der neue VW-Chef Mattias Müller erstmals den Mitarbeitern Rede und Antwort zum aktuellen Abgas-Skandal. Sicher sei, dass die Belastungen groß sein werden, "möglicherweise sehr groß", sagte Müller laut Redemanuskript, das AFP am Dienstag vorlag. Das alles werde "nicht ohne Schmerzen gehen", erläuterte Müller weiter - auch den Abbau von Arbeitsplätzen schloss er nicht ausdrücklich aus. Was die Arbeitsplätze bei Volkswagen betreffe, wisse VW "heute zwar noch nicht, welche Auswirkungen die Krise haben wird. Aber wir werden dafür kämpfen, sie so gering wie möglich zu halten", sagte Müller weiter. VW werde alles tun, "um die Beschäftigung im Unternehmen zu halten".

VW will geplante Investitionen prüfen

+++ Um die Kosten für Schadenersatz und Strafzahlungen stemmen zu können, würden alle geplanten Investitionen noch einmal auf den Prüfstand gestellt. „Was jetzt nicht zwingend nötig ist, wird gestrichen oder geschoben“, erklärte Müller vor den Beschäftigten. „Klar ist: Unser Ergebnis und die bisherige Finanzplanung kommen massiv unter Druck“.

Auch das Engagement des Konzerns im Fußball stellte Müller infrage: „Wir drehen jeden Stein um und werden uns auch das ansehen“, sagte der Nachfolger von Martin Winterkorn in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch). Der Bundesligist VfL Wolfsburg ist eine hundertprozentige Tochter des Unternehmens, das über Audi am FC Bayern München und dem FC Ingolstadt beteiligt ist und zahlreiche Proficlubs sponsert.

Von dem Skandal betroffene Kunden würden "in diesen Tagen" darüber informiert, dass ihr Fahrzeug nachgebessert werde. Teilweise werde dafür ein Update der Software reichen, sagte der VW-Chef, bei anderen Fahrzeugen seien dagegen zusätzliche "Eingriffe an der Hardware notwendig". Der Schwerpunkt der Probleme liege ganz klar auf Europa und Nordamerika, erklärte Müller.

Gleichzeitig machte Müller den Mitarbeitern - nach Angaben des Konzerns waren 20.000 auf der Betriebsversammlung - Mut: "Wir können und wir werden diese Krise bewältigen. Weil Volkswagen ein Konzern mit starker Substanz ist".

+++ Für Deutschlands größten Autovermieter Sixt sind die Auswirkungen des VW-Abgas-Skandals auf das eigene Geschäft „kein größeres Thema“. Die Fahrzeuge seien ohnehin nur sechs Monate lang in den Flotten - selbst wenn sich Autos mit geschönten Abgaswerten darunter fänden, wäre das Problem für Sixt rasch erledigt, erklärte ein Sprecher am Dienstag in München.

+++ Wegen des Abgas-Skandals bei Volkswagen werden Techniker bei einigen Autos auch direkt an den Motoren Hand anlegen müssen. Teilweise werde eine Überarbeitung der Software zwar ausreichen, sagte der neue VW-Chef Matthias Müller am Dienstag laut Mitteilung bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg. „Bei einem Teil der Fahrzeuge werden dagegen auch zusätzliche Eingriffe an der Hardware notwendig sein.“

AFP/dpa

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